Das ist keine Kunst. Das sind die Spuren des Alltags die unser Hofdurchgang meist von durchgeschobenen Fahrrädern oder Mülltonnen verpasst bekommt. Sieht eigentlich ganz hübsch aus – der Hausverwalter würde wahrscheinlich sofort nach den beiden Haushandwerkern rufen. Aber er ist zum Glück nicht häufig vor Ort. Die Spur bleibt, wenn die Dinge oder Menschen längst (weg)gelaufen sind. Doch so greifbar sie ist, im Grunde bleibt sie so fern wie der vergangene Moment, der sie hinterlassen hat. Mir scheint es zumindest so, als wenn Spuren bereits gestorbener Menschen sie mir noch mehr entfernen. Ein bekritzeltes Blatt eines früh gestorbenen Freundes macht mir seine Existenz fast noch irrealer, die Stimme von Emanuel auf einer Aufnahme die Trennung noch unerbittlicher. Narben – die ja auch eine Form von Spuren sind – wachsen sich über Jahre in Erfahrungen aus. So – oder ganz ähnlich hat mir neulich meine Cousine geschrieben. Seitdem denke ich darüber nach. Wenn es stimmt, wäre es doch etwas Versöhnliches und ein Grund, sich über jedes neue Lebensjahr freuen. Stimmt es? Meine Cousine ist ein Jahr älter als ich…
Brauche ich einen Lifestyle?
Nein. Die Frage ist nicht ironisch gemeint. Ich lebe seit Jahren in einer Großstadt und eins ist klar: Nichts ist klar und nirgends Konsens, weil alle tun, was sie wollen, oder so tun, als wollten sie, was sie machen und nicht machen, oder demnächst mal machen wollen und am liebsten gleich alles auf einmal. Schon zu meiner Studienzeit gab es keine festen Codes mehr, jede und jeder musste sich neu erfinden und selbst, wer sich nur so durchwurschtelte, wurde auf seine Trendigkeit abgescannt (naja, zumindest von einigen). Diese Woche ist wieder Fashion Week, wer will, kommt gut dran vorbei, aber beim Weg durch eine nahegelegene Szenemeile (Kreuzberg halt) dachte ich, dass ich wohl kaum etwas kaufen, machen oder lassen kann, ohne dass es von meiner Umwelt als „statement“ gelesen wird. Denn alles bedeutet heute etwas, und wenn du von dem und von dem anderen nimmst, kombinierst du schon wieder was, ohne vielleicht die geringste Absicht gehabt zu haben. Lifestyle wäre dann für mich, dass ich reflektieren könnte, wie das gelesen wird. Oder was das bedeuten könnte. Oder wie ich von anderen dann so oder so wahrgenommen werde. Und noch mal nein. Ich finde das nicht oberflächlich. Ich bin mir oft meiner Zeichenhaftigkeit gar nicht bewusst. Und das ist gar nicht gut so.
Über Kunst schreiben,
heißt zunächst einmal, Kunst sehen. Im Original. Zumindest, wenn es sich um gemalte Bilder, Skulpturen oder Zeichnungen handelt. Wie oft habe ich mich geirrt, wollte ich eine Bildbesprechung nur anhand einer Abbildung (und sei sie noch so farbecht) machen. Bilder sind nun mal – Aura hin oder her – Gegenstände. Sie gilt es als Ganzes zu betrachten – mal ganz davon abgesehen, dass sie verschiedene Entfernungen brauchen. Ein Bild in Nahsicht bietet etwas anderes, als wenn es von Weitem gesehen wird, aus einem hässlichen Entlein kann ein Schwan werden (oder umgekehrt) – wer würde das schon bei einer Reproduktion vorhersagen? Sogar die Proportionen und Gewichtungen innerhalb des Bildes verändern sich von der Abbildung hin zum Original. Eine Frau steht im Mittelpunkt? mag sein, aber der rote Krug am rechten Bildrand mag jeder die Aufmerksamkeit streitig machen oder das schwarze Heft, das beiläufig auf einem Tischchen neben der offenen Balkontür liegt und so dunkel ist und enigmatisch, dass es wie ein schwarzes Loch das Bildgefüge zerreißt. Kunst jedoch im Original sehen, heißt Aufwand betreiben. Ob sich das lohnt will ich gar nicht fragen. Aber: Wann bloß kann ich das auch noch tun?
Weshalb ich gerne nach Neukölln gehe
Belegte Kuchen zumindest gibt es nicht in Kreuzberg. Hier haben Edeltartes und Cupcakes aller Couleur Einzug gehalten. Während so was!? Ich meine, man kommt ja ins Denken, schließlich sind Kuchen tatsächlich oft belegt und Obst auf Brot wäre vielleicht auch mal was und überhaupt: wieso frühstücke ich eigentlich immer – fast – dasselbe?
Tatsächlich, aus Neukölln komme ich oft mit Lust aufs Experimentieren nach Hause. Während in vielen edleren Stadtteilen die Laune zwischen Unbezahlbarem gefriert, entspanne ich hier zu neuen Ideen. Nein. Ich meine nicht, dass Armut kreativ macht. Neukölln gehört nicht zu den Berliner Slums. Es gibt nur nicht so viel Gediegenes, Festgelegtes. Das meiste ist bunt, schrill und billig. Und beweglich, zumindest in meinem Kopf.
Kein Cyber-Squirrel…
das ist unser Haushörnchen. Jetzt im Winter bekomme ich es mangels Begrünung öfters zu sehen. Neulich sah ich es mit einem Affenzahn an der Hauswandecke hoch zum Dach rennen, ich hab wirklich den Atem angehalten und mich gefragt, ob es von oben auch wieder so kopfüber herunterkommt. Kommt es offensichtlich. Denn dieses Foto habe ich Wochen später gemacht. Doch, es ist selbiges Hörnchen, da bin ich felsenfest sicher. Es ist übrigens ungeheuer wachsam. Ich meine, ich saß in meinem Zimmer am Schreibtisch. Und das Hörnchen, weit draußen und auch noch weit oben auf dem Zaun hatte mich die ganze Zeit scharf im Blick. Ich war allerdings auch wachsam. ich meine, ich saß schließlich hinter dem Bildschirm und habe den kleinen Püschel auch gesehen. Ich hab noch schnell ein Foto gemacht. Das Hörnchen mag sich schon nicht mehr an mich erinnern…
Winter: die nächste Runde!
Folgt eurem Stern, baut einen Schneemann (wann, wenn nicht jetzt!?), freut euch auf einen heißen Tee zu Hause und auf den Osterhasen, der ganz bestimmt noch kommt!
Da lacht der Windbeutel
und ich lache mit. Obwohl mir gerade alles über den Kopf wächst und aus den Ohren kommt. Es gibt Zeiten, die verfestigen sich zu regelrechten Barrikaden, die man übersteigen muss, eine und gleich noch eine, und wer weiß, was dann noch alles kommt. Die Erde, zumindest an dem Punkt ist sie zuverlässig, dreht sich und damit bleibt alles in Bewegung. Beste Voraussetzungen dafür, dass sich der Wind wieder dreht und die Zeiten wieder luftig werden. Spätestens dann wird der Windbeutel zum Lachsack und ich zum fliegenden Fisch.
Eine Blumenwiese zum Geburtstag!
Seit ich das erste Buch von Andreas Steinhöfel gelesen habe (Rico, Oskar und das Herzgebreche), bin ich – hm, ja was eigentlich? Froh, dass es diesen Autor gibt, süchtig, gespannt auf jedes neue Buch und durchaus bereit, die schon geschriebenen noch und nochmal zu lesen. Und echt arrogant, was Kinderbücher anderer Autor/innen angeht.
Denn Steinhöfel ist für mich zum Maßstab geworden. An den muss eine/r erst mal ran, oder mit was ganz anderem punkten, sonst fällt das Buch durch. Dabei – ist gar nicht so, dass ich alle seine Werke perfekt finde. Manche sind so ein bisschen lala, bei manchen dachte ich, ach, also das schon wieder. Oder hier und da hätte ich doch… Aber geschenkt! Der Mann erzählt, dass es einem nur so um die Ören (haha, Schreibprogramm!) saust, der – und das habe ich vom ersten Buch an gedacht – erzählt, was ihm Spass macht, und nicht etwas von dem er denkt, das könne sein Publikum interessieren. Das heißt, nein! Natürlich interessiert ihn sein Publikum, darüber macht er sich sicher Gedanken. Aber er passt sich nicht an. Er erzählt mit einem solchen Spass, dass der Spass überfunkt beim Lesen, ziemlich egal, was er da so erzählt.
Dabei geht es vor allem nicht wirklich spassig zu, die meisten Geschichten sind im Kern ziemlich traurig oder sogar gefährlich. Die Welt ist kein Ponyhof. Das ist wohl alle seinen Geschichten eingeschrieben, wenn nicht sogar eingemeißelt. Die Welt ist unüberschaubar – und man merkt, dass Steinhöfel als Erwachsener da selbst oft den Überblick verliert und nicht wie der große Neunmalschlau durchs Dickicht stapft. Der weiß nicht mehr, der schaut nur viel genauer hin.
Und deshalb gehört er für mich zu den ganz großen Autor/innen. Egal, ob er nun für Kinder, Jugendliche oder Außerirdische schreibt. Und heute hat er Geburtstag! Von mir eine Blumenwiese – obwohl er, wie wir seit seinem aktuellen Buch „Wenn mein Mond deine Sonne wäre“ ahnen, dass er schon eine hat. Aber Januar-Geburtstagskinder können gar nicht genug Sommerwiesen bekommen, Blumen sowieso: Herzlichen Glückwunsch!
Auf dem Weg zum Büro
Die Liebe
siegt immer – wenn auch niemals endgültig. In diesem Sinn: Solidarität mit den Terroropfern und bitte: Zähne zeigen!









