Über Kunst schreiben,

heißt zunächst einmal, Kunst sehen. Im Original. Zumindest, wenn es sich um gemalte Bilder, Skulpturen oder Zeichnungen handelt. Wie oft habe ich mich geirrt, wollte ich eine Bildbesprechung nur anhand einer Abbildung (und sei sie noch so farbecht) machen. Bilder sind nun mal – Aura hin oder her – Gegenstände. Sie gilt es als Ganzes zu betrachten – mal ganz davon abgesehen, dass sie verschiedene Entfernungen brauchen. Ein Bild in Nahsicht bietet etwas anderes, als wenn es von Weitem gesehen wird, aus einem hässlichen Entlein kann ein Schwan werden (oder umgekehrt) – wer würde das schon bei einer Reproduktion vorhersagen? Sogar die Proportionen und Gewichtungen innerhalb des Bildes verändern sich von der Abbildung hin zum Original. Eine Frau steht im Mittelpunkt? mag sein, aber der rote Krug am rechten Bildrand mag jeder die Aufmerksamkeit streitig machen oder das schwarze Heft, das beiläufig auf einem Tischchen neben der offenen Balkontür liegt und so dunkel  ist und enigmatisch, dass es wie ein schwarzes Loch das Bildgefüge zerreißt. Kunst jedoch im Original sehen, heißt Aufwand betreiben. Ob sich das lohnt will ich gar nicht fragen. Aber: Wann bloß kann ich das auch noch tun?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. mannigfaltiges 20. Januar 2016

    Es ist wie mit den Büchern, auch dort wird die benötigte Zeit leider nicht mitgeliefert.
    Vor kurzem hatte ich ein Schlüsselerlebnis, Eher nicht an barocker Malerei interessiert, wurde ich mit sanftem Druck genötigt, eine Ausstellung mit flämischer Barockmalerei zu besuchen. Die meisten Gemälde kannte ich bereits von Photos. Aber was gab es bei den großformatigen Originalen alles zu entdecken. Ich war begeistert von der Fülle an Details und Szenen, es entstanden völlig neue Bilder im Kopf. Kein Bildband oder Photo kann das vermitteln. Auch nicht das Internet.

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  2. Stephanie Jaeckel 23. Januar 2016

    Immerhin kann man Bücher kaufen und zu Hause lesen. Während man zur Kunst ja meist noch hin pilgert. Und dann meist gar nicht in der Stimmung ist, und, und, und. Aber Du hast Recht, die benötigte Zeit ist vom Betrachter zu liefern. Oder vom Hörer oder Leser. Das ist unser Beitrag. Sonst bleibt die ganze Kunst leer. Deine Entdeckung barocker Malerei freut mich. Bin selbst ein großer Barock-Fan, tolle Zeit, tolle Ideen, viele interessante Menschen.

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