Eine Blumenwiese zum Geburtstag!

Seit ich das erste Buch von Andreas Steinhöfel gelesen habe (Rico, Oskar und das Herzgebreche), bin ich – hm, ja was eigentlich? Froh, dass es diesen Autor gibt, süchtig, gespannt auf jedes neue Buch und durchaus bereit, die schon geschriebenen noch und nochmal zu lesen. Und echt arrogant, was Kinderbücher anderer Autor/innen angeht.

Denn Steinhöfel ist für mich zum Maßstab geworden. An den muss eine/r erst mal ran, oder mit was ganz anderem punkten, sonst fällt das Buch durch. Dabei – ist gar nicht so, dass ich alle seine Werke perfekt finde. Manche sind so ein bisschen lala, bei manchen dachte ich, ach, also das schon wieder. Oder hier und da hätte ich doch… Aber geschenkt! Der Mann erzählt, dass es einem nur so um die Ören (haha, Schreibprogramm!) saust, der – und das habe ich vom ersten Buch an gedacht – erzählt, was ihm Spass macht, und nicht etwas von dem er denkt, das könne sein Publikum interessieren. Das heißt, nein! Natürlich interessiert ihn sein Publikum, darüber macht er sich sicher Gedanken. Aber er passt sich nicht an. Er erzählt mit einem solchen Spass, dass der Spass überfunkt beim Lesen, ziemlich egal, was er da so erzählt.

Dabei geht es vor allem nicht wirklich spassig zu, die meisten Geschichten sind im Kern ziemlich traurig oder sogar gefährlich. Die Welt ist kein Ponyhof. Das ist wohl alle seinen Geschichten eingeschrieben, wenn nicht sogar eingemeißelt. Die Welt ist unüberschaubar – und man merkt, dass Steinhöfel als Erwachsener da selbst oft den Überblick verliert und nicht wie der große Neunmalschlau durchs Dickicht stapft. Der weiß nicht mehr, der schaut nur viel genauer hin.

Und deshalb gehört er für mich zu den ganz großen Autor/innen. Egal, ob er nun für Kinder, Jugendliche oder Außerirdische schreibt. Und heute hat er Geburtstag! Von mir eine Blumenwiese – obwohl er, wie wir seit seinem aktuellen Buch „Wenn mein Mond deine Sonne wäre“ ahnen, dass er schon eine hat. Aber Januar-Geburtstagskinder können gar nicht genug Sommerwiesen bekommen, Blumen sowieso: Herzlichen Glückwunsch!

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. wildgans 14. Januar 2016

    Die beiden Oskarbücher habe ich meinen Grundschulkindern der vierten Klasse in der Frühstückspause vorgelesen. Die Kinder waren sehr angetan, haben sogar Briefe an den „Tiefbegabten“ und seinen Freund geschrieben, sind wunderbar kreativ damit umgegangen. Steinhöfel hat bei mir nicht nur einen Stein im Brett!
    Gruß von Sonja

    Gefällt mir

    • Stephanie Jaeckel 14. Januar 2016

      Man könnte vielleicht mit Schulkindern auch so ein Lexikon schreiben, wie Rico es für sich verfasst, um die merkwürdigen Wörter und noch merkwürdigeren Dinge des Lebens zu kapieren. Fällt mir gerade so ein. Ansonsten, ja, Steinhöfel beansprucht die Kreativität nicht für sich, er regt sie bei den Lesenden an. Würde ich auch so sagen.

      Gefällt mir

  2. papiertänzerin 14. Januar 2016

    … und ich dachte bei der Überschrift schon, du gratulierst dir selbst 😉 Andreas Steinhöfel ist dazu noch symphatisch, sehr authentisch und findet, dass man Kinder beim Lesen fordern darf (weil das Leben eben kein Ponyhof ist und viele von ihnen das nur zu genau wissen). Hatte mal einen Workshop mit ihm, seitdem bin ich Fan…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s