another country

ist der poetische wie programmatische Name einer wirklich anderen Buchhandlung in Berlin. Bookshop, um korrekt zu sein, denn in den Regalen steht nur Englischsprachiges, es kann – auch das ist anders – gekauft oder nur ausgeliehen werden. Die Bücher sind second-hand und preiswert, das Sortiment ist beeindruckend und Bier gibt es im Kühlschrank. Nix wie hin, bevor der Laden in die Nähe vom Kleistpark in ein nagelneues zu Hause zieht. Wo? Riemannstr. 7. Oder im Internet.

Wolke sieben

naja, eigentlich hat mich Maren Wulf mit ihren Wolkenbildern (Orte und Menschen) daran erinnert, dass auch ich dieses Jahr die Nase in den Himmel strecke und dauernd Wolken fotografiere. Am Sonntag hing dieses Exemplar über dem Tempelhofer Feld. Wie eine Fata Morgana, ein himmlisches Lachen oder wie eine Verheißung. So schien es mir jedenfalls. Wie schön wäre es, sich in so eine Wolke zum Schlafen zu legen!

allein oder einsam?

Ich habe erst spät gemerkt, dass ich viel allein bin. Als Einzelkind von berufstätigen Eltern war es „normal“, allein zu sein, wenn ich mich nicht mit Freund/innen getroffen habe. Ich habe viele Dinge schon früh mit mir ausgemacht, bin gerne in Büchern verschwunden oder in irgendein Versteck. Für mich sein war das und wichtig. Im Studium habe ich viel gelesen und gelernt, zum Magister hin auch in Lerngruppen, sonst meist allein. Texte kann ich nur schreiben, wenn ich viel Ruhe habe. Im Großraumbüro werde ich so spröde wie ein alter Backstein, dass mich kaum noch jemand zu grüßen wagt. Nein. Das finde ich nicht gut und rudere immer wieder zurück (haha, ein rudernder Backstein). Es zeigt nur, dass ich auch unter Menschen gut abtauchen kann. Einsam fühle ich mich selten. Wohl, weil mir das Alleinsein behagt. Dennoch gibt es Momente. Und es sind nicht mal die Katastrophen oder die Tage mit Kopf- oder Rückenschmerzen. Es sind eher Erfolge, die mir ein Gefühl von Einsamkeit vermitteln. Wie wenn man mit seiner Freude ganz allein auf einem Berggipfel steht. Aber wahrscheinlich tut man das auch sonst – oder?

Freiheit, die ich meine

Als Kind war für mich die Sache klar. Freiheit hieß, den Erwachsenen nicht mehr gehorchen zu müssen. Unbegründete Verbote waren mir wie die Stangen eines Käfigs, ein bloßes Ja oder Nein eine Zumutung. Mit 18 waren mir diese Erfahrungen kaum noch bewusst. Ich hatte Pflichten und machte mir über Freiheiten wenig Gedanken. Nach und nach wuchs mir Verantwortung zu. Freiheit verlor sich hinter dem Horizont. Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, wie wenig selbstverständlich diese Dinge sind, dämmerte mir spätestens nach der Wende. Finanzielle Freiheiten lernte ich im Großen und Ganzen zu unterlaufen. Wird bei mir unter Luxus rubriziert. Freiheiten im Alltag nehme ich mir. Aber, und das frage ich mich in letzter Zeit häufiger, gibt es Freiheiten, die ich schon gar nicht mehr wahrnehme? Die ich ausblende, weil es zu schwierig wäre, sie zu gewinnen? Ich weiß es nicht, aber ich bleibe mir auf der Spur.

Lesezeit

Oft wundere mich über die Zeit, die beim Lesen vergeht oder: wie verschieden schnell oder langsam ich Texte lese. Ist es wirklich nur eine Frage der Verständlichkeit? Sind dünne Bücher schneller aus, weil in dicken die Geschichten zu komplex sind? Oder lese ich dicke Bücher schneller, damit ich die Fäden nicht verliere. Und wie würde es klingen, wenn meine innere Lesestimme laut zu hören wäre? Lese ich wirklich oft nur bestimmte Silben und denke mir den Rest? Und heißt denken in dem Fall einfach nur sehen und erkennen? Würde meine innere Lesestimme dann klingen wie ein Tonband, das man zu schnell laufen lässt?

Partyvorbereitungen

Puh, das habe ich wirklich lange nicht mehr gemacht, einen ganzen Abend mit einer Freundin das Partybuffet vorbereiten. Ich habe mich gleich 20 Jahre jünger gefühlt, was so eigentlich gar nicht stimmt. Ich war 20 Jahre jünger, auch wenn ich das nicht belegen oder beweisen kann. Wir haben übrigens das getan, was man eigentlich nicht machen sollte: Lauter neue Sachen ausprobiert. Aber es hat sich gelohnt. Wir fanden alles lecker!

Bücher

Manchmal scheinen sie mir aus einer anderen Welt zu kommen. Nicht nur, dass die Geschichten aus anderen Köpfen stammen, nein, Bücher sind alte Begleiter der Menschen, und wo sie neu erfunden wurden, gingen sie woanders gerade mit einer anderen Hochkultur unter (wenn auch in anderen Formen als Textrollen oder Tontafeln).

Gleichzeitig sind Bücher duldsame Zeitgenossen. Sie sind fürs Überdauern gemacht. Oft auch an unwirtlichsten Plätzen. Natürlich befällt sie hier und da der Schimmel. Sie werden feucht, wellen sich, müffeln (oder schlimmer) oder fallen auseinander. Aber bis dahin halten sie durch.Wie Sand oder Sediment werden sie durchs menschliche Universum gewirbelt, setzen sich irgendwo ab (nein, Beine haben sie bis heute nicht entwickelt – das haben sie gar nicht nötig), und sind im besten Fall für die eine oder den anderen im richtigen Moment am richtigen Platz. Was soll man da sagen? Ein Hoch auf die Bücher – allen E-Readern zum Trotz.

Jemandem den Stuhl vor die Tür setzen

Um es vorweg zu nehmen: Dieser Stuhl hat sich draußen nur ausgestunken. Der war nämlich frisch gestrichen. Kein Zeichen für Zerwürfnis also oder Zwist. Aber als ich ihn so da stehen sah, wurde mir klar, was das Sprichwort für die- oder denjenigen bedeutet haben mag, dem der Stuhl tatsächlich aus dem Haus oder der Wohnung getragen wurde. Denn die Redewendung ist alt, sie reicht bis ins Mittelalter, wo Stühle, einmal in einem Raum aufgestellt, ein Besitzverhältnis markierten. Umgekehrt war klar, wer rausflog, wenn sein Stuhl nicht mehr im Haus stand. Witwen oder Witwern ging es so, die sich neu verheirateten und in der alten Schwiegerfamilie ihren Platz verloren. Klarer Fall und nachvollziehbar. Dramatischere Szenarien mag sich jede/r selbst ausmalen. Und sich vorstellen, dass der weiße Stuhl auf dem Foto sicher längst schon wieder an seinem angestammten Platz in der Wohnung steht.

Ferienträume

Für den kleinen Urlaub zwischendurch hat gerade wieder ein Schalter auf dem Flughafen Tempelhof geöffnet… – Traumreisen für einen Nachmittag sind zu haben, die Abendflüge gibt es meist für einen noch geringeren Preis. Und was das Beste ist: all destinations!

Einen Ferientraum hege ich schon sehr lange. Einfach losgehen. Oder ein bisschen Bahn oder Bus fahren und dann losgehen. Oder zwischendurch mal wieder Bahn oder Bus fahren. Mich treiben lassen, unterwegs sein. Immer der Nase nach. Am liebsten allein.

Traue ich mich nicht. Noch nicht. Es wäre sicher auch kein entspannter Trip. Aber ein Wagnis. Mal sehen. Aber erst mal träumen.