Jemandem den Stuhl vor die Tür setzen

Um es vorweg zu nehmen: Dieser Stuhl hat sich draußen nur ausgestunken. Der war nämlich frisch gestrichen. Kein Zeichen für Zerwürfnis also oder Zwist. Aber als ich ihn so da stehen sah, wurde mir klar, was das Sprichwort für die- oder denjenigen bedeutet haben mag, dem der Stuhl tatsächlich aus dem Haus oder der Wohnung getragen wurde. Denn die Redewendung ist alt, sie reicht bis ins Mittelalter, wo Stühle, einmal in einem Raum aufgestellt, ein Besitzverhältnis markierten. Umgekehrt war klar, wer rausflog, wenn sein Stuhl nicht mehr im Haus stand. Witwen oder Witwern ging es so, die sich neu verheirateten und in der alten Schwiegerfamilie ihren Platz verloren. Klarer Fall und nachvollziehbar. Dramatischere Szenarien mag sich jede/r selbst ausmalen. Und sich vorstellen, dass der weiße Stuhl auf dem Foto sicher längst schon wieder an seinem angestammten Platz in der Wohnung steht.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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