weil wir am liebsten von allem unsere Stimmen hören. Manche – zugegeben – die eigene. Andere vielleicht die vom Gegenüber, die von Fremden oder den nächsten Freundinnen. Ich habe gestern kurz vor einem Lokal gewartet und dort ein Ehepaar und eine Freundin reden hören. Ich habe kaum etwas verstanden. Sie sprachen Englisch und ich hatte keine richtige Ahnung, worum es ging. Um Musik. Um gute Opernhäuser. Ich hätte ewig zuhören können. Die Worte, die wir wählen, kommen aus unserem Mund. Und ich denke, wie Vögel ihre Kinder füttern. Oder an Küsse. Ein besonders schöner Moment, wenn jemand, den ich schätze, meine Geschichten vorliest. Was für eine Ehre. Und was für ein Fest!
Den eigenen Namen behalten,
auch wenn man noch so sehr verliebt ist. Lächeln, wenn einem vor Trennungsschmerz das Herz wegschmilzt. Schreiben, rechnen, lesen, quatschen, essen, trinken, schauen. Und plötzlich wird das Leben reicher denn je. Gilt unbedingt auch in einer Beziehung. Und nein. Es geht nicht um den Nachnamen im Fall einer Heirat.
Karneval
Doch, ja. Ich wollte das Thema dieses Jahr übergehen. Man will als Rheinländerin ja nicht immer nur mit „Frohsinn“ in Verbindung gebracht werden. Aber Karneval ist etwas anderes, als dieses auf Kommando lustig – oder wahlweise betrunken – sein. Und mir fehlt dieser Ausnahmezustand, seit ich in Berlin lebe. Karneval ist für mich mehr als lustig. Es ist eine Zeit des „Was-wäre-wenn“, ein scherzhafter Aufstand, eine Demonstration der Gemeinsamkeit in neoliberalen Zeiten, ein Hoch auf die Kreativität und das Feiern. Eine Woche frei für nix. So ist es in Köln. Und das soll spießig sein? Nein und noch mal nein, das ist cool für mich. Und wird es wahrscheinlich bleiben, bis ich ins Grab kippe.
Auf zeit-online gibt es einen schönen Artikel, mit einem noch schöneren Bild von Jakob Struller über den diesjährigen Rosenmontagszug. Er schreibt:
„Es ist ein Klischee, aber die Kölner lassen sich ihren Karneval einfach nicht verderben. Nicht vom Wetter, das deutlich schlechter vorhergesagt war, als es dann wurde. Nicht von der politischen Weltlage, und auch nicht von der Tatsache, dass seit Silvester 2015 der Name der Stadt Köln eng verknüpft ist mit der Angst, auf Großveranstaltungen Opfer von Übergriffen oder Schlimmerem zu werden. Auf den Straßen und in den Kneipen ist von alledem nichts zu spüren. Wer auf der Straße fragt, findet kaum jemanden, der Angst hat. Aber natürlich kann man diejenigen, die nicht gekommen sind, nicht fragen.“
Und nur das wäre für mich schon Grund genug, den Karneval hochleben zu lassen. In diesem Sinne: Alaaf und genießt den letzten Tag bevor es in die Fastenzeit geht!
Beste Laune
trotz Trennungsschmerz. Vor drei Tagen kannte ich „Dirty Projektors“ noch nicht. Seit gestern ist ihr neues Album meine Lieblings-CD im dichten Februargrau. Was für eine Sause! Dabei geht es um Trennung. Von der großen Liebe. Und um Aufbruch. Denn wie ich gelesen habe , ist nicht nur die geliebte Frau, sondern auch gleich die Band verloren gegangen. David Longstreth, der einzig übrig gebliebene Musiker hat sich darauf hin auf Kooperationen mit anderen Künstler/innen eingelassen. Das möchte man jetzt am liebsten gleich allen Lieblingsbands verordnen: Los, sofort mal mit anderen zusammen spielen. Dawn Richard ist für mich die Stimme der Stunde. „Up in Hudson“ das Lied, das ich am häufigsten abspiele. Und ich habe ein Lächeln im Gesicht, das doch sehr dem von Verliebten ähnelt. Was auch eine Erkenntnis wäre: Auch gescheitertes Verliebtsein macht glücklich. Und wer sogar bei einer Trennung sein Verliebtsein retten kann, hat zwar ein gebrochenes Herz, aber eins, das weiter schlägt.
In eigener Sache
Meine WordPress-Seite hat seit einiger Zeit Schlagseite. Das heißt, sie zeigt die Adressen meiner Mitleser/innen nicht mehr an. So dass ich Euch nicht auf Anhieb finden und besuchen kann. Ich hoffe, dass sich das Problem lösen lässt. In diesem Sinne: ein schönes Wochenende!
Leben mit dem Original
Neulich hatte ich ein für mich sehr interessantes Gespräch mit Freunden. Es ging um Kunst in den eigenen vier Wänden. Und die beiden erklärten mir unisono, dass sie Originale in ihrer Wohnung nicht haben wollten. Ich war echt platt. Weil – gut, das ist vielleicht eine Art Arbeitsneurose, aber dennoch – ich hätte gerne einen echten Cézanne zum Beispiel. Oder ein Bild von Henri Rousseau oder von Andy Warhol oder, oder, oder. Klar habe ich dafür wenig Platz. Klar würde nicht alles passen. Aber ein Bild für den Banktresor würde ich schon gar nicht haben wollen. Ein Original würde auf die Dauer natürlich in meiner Wohnung leiden. Hier herrschen keine optimalen Museums-Bedingungen. Tatsächlich habe ich ein – wenn auch nicht so berühmtes – Original in der Küche hängen. Da wackeln alle Restaurator/innen mit den Ohren.
Meine Freunde meinten, es gehe sie zu sehr an. Ein Original fordere – wenn ich das richtig verstanden habe – Aufmerksamkeit, und könne deshalb stören. Ich war ernsthaft verwirrt, weil für mich Kunst tatsächlich auch immer für den Gebrauch gedacht ist, das Museum ist meiner Ansicht nach erst eine Art „Zweitverwertung“ – aber eben auch eine – eben öffentliche – Form des „Gebrauchs“. Meine Original-Arbeiten zu Hause beflügeln mich. Sie geben eine Tiefe vor, die im Alltag durchaus mal vergessen werden kann. Sie sind Ruhepunkte. Es ist keineswegs so, dass ich die Bilder tagtäglich betrachte. Manchmal kann ich sie für längere Zeit ausblenden. Aber wenn ich sie anschaue, sind sie da. Wie gute alte Bekannte. Das finde ich schön, und das ist etwas, was Poster nicht vermitteln. Aber was denkt Ihr? Stören Originale? Oder sind sie etwas, was Ihr Euch wünscht?
Warten
In der Kunsthalle Hamburg ist noch bis zum 18. Juni eine Ausstellung zu sehen, die ich nur zu gerne sehen würde. Sie trägt den Titel „Warten. Zwischen Macht und Möglichkeit“.
Immer wieder werden wir im Alltag – und natürlich auch in der mit Argusaugen gehüteten Freizeit – mit Warteschlangen konfrontiert. Sei es am Telefon, wo eine dieser entsetzlichen Warteschleifen (was um alles in der Welt denken sich die Leute eigentlich dabei?) die Geduld beutelt. Sei es an den zahllosen Kassen und Tresen, in Wartezimmern (dass es diese entsetzlichen Räume überhaupt gibt), Bushäuschen, an Bahnsteigen, im Terminal, nicht selten am Computer oder im Restaurant, im Auto oder vor dem Herd. Die Reaktion ist meist die gleiche, nämlich negativ. Wer ist nicht genervt, wenn der eigene – am Morgen vielleicht mühsam aufgebaute – Schwung in einer Warteschlange aufläuft. Oder wer mit den vermeintlich schnell abzuhakenden Erledigungen den ganzen Vormittag verbringt. Warten gibt uns das Gefühl der Unterlegenheit. Wir verlieren die Hoheit über unsere Zeit, die Kontrolle über das, was wir tun, beziehungsweise tun wollen. Wir werden ausgebremst, gehindert, vertröstet. Wer empfindlich ist, wird vielleicht auch bald von Panik ergriffen. Was, wenn diese Warterei niemals aufhört. Wenn wir in der Warteschlange den Flug verpassen oder morgen noch einmal zum Warten kommen müssen? Was, wenn wir vergessen wurden und bis ans Ende unserer Tage warten müssen?
In Zeiten, in denen fast alles beschleunigt werden kann, mag das Warten noch schwerer fallen als früher. Hier kannte man die Unabwendbarkeit bestimmter Auszeiten, sei es bei der Ernte, bei der Post oder der Herstellung langwieriger Handarbeiten. Zacki, zacki kam später und macht uns nicht zufriedener, sondern ungeduldig.
Aber es gibt ein Gegenmittel. Das darin besteht, die Wartezeit umzudeuten. Als Pause. Bleibe ich im Stau hängen, kann ich möglicherweise ein paar Fragen für mich – oder am Telefon – klären. Ich kann mir ein neues Menü für meine Familie überlegen, die nächste Reise planen oder in Gedanken nach meinem Kellerschlüssel suchen (der muss ja schließlich auch irgendwo sein). Ich kann vielleicht ein Buch lesen, während die Bahn sich verspätet, oder mir einfach überlegen, wen ich gerade in meinem Leben besonders mag und mal wieder einladen möchte. „Geschenkte Zeit“ mag natürlich angesichts eines überfüllten Wartezimmers zynisch klingen, aber einen Versuch ist es wert. Wie effektiv so etwas sein kann, habe ich neulich gemerkt, als ich völlig genervt auf meinen immer unpünktlichen Lieblingsfreund wartete: Denn statt rumzuwüten und zu schimpfen, dass ich ihn nie wieder einladen, geschweige denn auch nur noch eine Minute meines Lebens auf ihn warten werde, hob ich ein Mottennest in meiner Küche aus. Nein. Man wird natürlich nicht immer belohnt. Und das nächste Mal werde ich vielleicht wieder schlechte Laune bekommen. Aber es zeigt doch, dass wir weniger ohnmächtig sind, als wir meist denken, wenn wir in einer Warteschleife gefangen sind.
Teamwork
Als Texterin bin ich oft Teil eines Teams. Während ich für meine eigenen Hörbücher arbeite, bin ich für ein paar Monate Kopf eines solchen Teams. Und da stellen sich Fragen. Wie kann ich ein Team für ein bestimmtes Projekt auf eine gemeinsame Linie bringen – oder muss ich das überhaupt? Wie kann ich eigene Vorstellungen beschreiben ohne schon zu viel vorzugeben? Wie viel Spielraum lasse ich den einzelnen Mitarbeiter/innen? Ist Ausdruck wichtiger oder Perfektion? Welche Fehler kann ich zulassen – oder muss es aus Geld- oder Zeitgründen sogar – welche muss ich unbedingt wieder rückgängig machen? Eine für mich wesentliche Erfahrung: Es gibt offensichtlich zwei Typen (also mindestens): Menschen, die eine feste Vorstellung haben und ihre Arbeit dann als gelungen ansehen, wenn sie so geworden ist, wie sie es sich ausgedacht haben. Und Menschen, die zwar auch eine feste Vorstellung von ihrer Arbeit haben, jedoch mehr Puffer und Räume für Überraschungen einplanen, so dass am Ende etwas steht, dass nicht so geplant war, aber eben genau deshalb richtig ist. Und daraus ergibt sich gleich noch eine Erfahrung: Es ist wichtig, aber nicht unbedingt einfach, Kunden und Auftraggeber von der zweiten Herangehensweise zu überzeugen…
Lebende Traumschaukeln?
Was auch immer: Allen eine gute Nacht und einen besten Start in den Montag.
So viel ist klar:
Der Bärliner hat genug vom Winter. Allen ein schönes Wochenende!







