Generationswechsel

Irgendwann ist es wohl in jeder Familie so weit. Jedenfalls wenn die Eltern alt werden. Und wenn die Kinder den Kontakt nicht abbrechen – oder anderweitig verschwinden. Der Vater – oder Großvater, die Großmutter – sie werden alt und können nicht mehr alleine zurecht kommen. Oder sie können sich nicht mehr in der Weise über das Haus, das Eigentum, das Geschäft, was auch immer kümmern. Vielleicht merken es die Kinder zuerst. Vielleicht wollen es die Eltern lange nicht zugeben, um niemandem zur Last zu fallen. Aber irgendwann ist es soweit. Und es müssen Entscheidungen getroffen werden. Möglicherweise gemeinsam. Es ist eine ungeheure Verantwortung, die man als Kind auf sich nimmt, am Ende des Lebens für die Eltern zu entscheiden. Und es ist eine Gratwanderung. So wie es falsch ist, wenn die Eltern zu wissen meinen, was gut für ihre Kinder ist, gilt ja auch umgekehrt: meine Vorstellung ist nicht unbedingt die meines Vaters zum Beispiel. Wo ist das Maß. Was lässt sich besprechen. Was bleibt unweigerlich ungesagt. Und wann ist der richtige Moment, was zu tun? Oder was zu lassen?

Heiter bis wolkig

Als ich jünger war, hatte ich mir das nicht so vorgestellt: Fünfzig zu sein und noch immer – oder immer wieder – durch alle möglichen Gefühlsregungen durchzurasen, manchmal drei oder vier an einem Tag. Ich dachte in dem Alter weiser zu sein, entspannter und abgeklärter. O.K. wahrscheinlich ist da was dran. Ich möchte es nicht riskieren, auch nur einen Tag der nächsten Woche als 18 oder 20jährige zu durchlaufen. Stress war etwas, was ich als junge Frau sehr schlecht abkonnte. Aber die Emotionen bleiben. Vielleicht auch, weil ich mehr gesehen habe, und mich heftiger ärgern aber auch viel intensiver freuen kann. Gestern war so ein Tag. Von Hölle bis Himmel (und damit zumindest aufsteigend). Was das heißt? Unreif zu bleiben – oder einfach nur lebendig. Wer weiß…

Zu Grabe tragen

Gestern war ich nur kurz in der Küche, einen neuen Kaffee holen. Und ZACK, ist es passiert: Mein guter alter Rechner ist gestorben. Ohne Ton, ohne Vorwarnung, weg war er. Und ich in einem Panikzustand sondergleichen. Passiert mir jedesmal, wenn ein Computer kränkelt oder final ausfällt. Ich verliere völlig die Peilung. Nicht gut. Am nächsten Tag kann ich meist auch schon wieder drüber – nee, nicht lachen. Aber lächeln geht… Das waren jetzt ca. 20 Stunden offline im stressigen Arbeitsbetrieb. Das heißt für mich Nerven behalten. Alles umstrukturieren, Notfallnummern wählen und hoffen, dass alle Rettungsaktionen am Schnürchen klappen. Jetzt ist alles in trockenen Tüchern, aber ich könnte heulen. Auch das: wie immer. Kaum ist das Schlimmste überstanden, klappe ich erst mal zusammen. Aber gut. Jetzt gibt es geeisten Kaffee und einen Kuchen. Und dann: Business as usual. Und heute Abend ein Konzert. – War was???

Bilderparade

Wer an einem lauen Sommerabend über den Columbiadamm fährt, hat was zu sehen. In einem fort und auf beiden Fahrbahnseiten parken Lastwagen, Wohnwagen, Anhänger und die meisten von ihnen haben vom langen Stehen an der gleichen Stelle Farbe angenommen. Nicht, dass sie braun geworden sind. Sie sind eher bunt, denn hier tummeln sich offensichtlich Menschen mit Farbdosen, die Herumgeparktes für die besseren Wände halten. Zugegeben, hier und da muss es wohl schnell gehen. Und mehr als eine ungefähre Zeichnung oder etwas zackig Ausgemaltes gibt es dann nicht. Aber manchmal gibt es doch was zu lachen, so, wenn Buchstaben Zähne zeigen sich in Wurmform zusammenquetschen oder einen kleinen Gespensteraufstand proben.

Die Gonzo-Scholle

Bis heute Mittag hatte ich von der auch noch nie gehört. Ich war bei Karstadt in der Dachterrassen-Cafeteria und schaute ratlos auf eine handbeschriebene Tafel. Gonzo-Scholle – what the hell??? Die Lösung war natürlich enttäuschend banal. Da stand etwas von einer ganzen Scholle. Pah. Und jetzt? Ihr werdet schon noch sehen, was eine Gonzo-Scholle ist. Ich bin bereit, eine zu kreieren. haha. Zugleich kommen wir einer ernsten Frage ganz nah – auf die mich und andere Leser/innen Christa Hartwig auf ihrem Blog aufmerksam gemacht hat: Was ist eigentlich Kreativität?

Zeitgenössische Stillleben?

Wenn ich richtig geschaut habe, heißt so die aktuelle Ausstellung im co berlin (zumindest im Untertitel): contemporary still life. Na – wie stelle ich mir denn ein zeitgenössisches Stillleben vor? (Ohne gleich auf die Internetseite des co berlin zu gehen)? Kann ein Stillleben überhaupt zeitgenössisch sein, oder hat es sich längst schon überlebt? Und was ist eigentlich ein Stillleben: Das Ding (oder besser: die Dinge/r) an sich oder das Bild oder Foto davon? – Eigentlich haben sich sämtliche Bildgattungen überlebt. Aber auch immer wieder – allen voran das Historienbild, aber auch das Porträt – selbst erneuert. Zugegeben, mein Foto ist vor allem kein zeitgenössisches Stillleben, sondern ein Spass in der Mittagspause (die Arbeit war heute wirklich hart genug). Was würdet Ihr zu einem zeitgenössischen Stillleben zusammenstellen? Oder sind Euch Stillleben sowas von schnuppe???

 

Gleitzeit

Vielleicht ist das ein Geheimnis gelungener (Arbeits-)Tage: Durchgleiten. Auch – oder gerade – wenn es ein festes Terminprogramm gibt. Und die guten Momente genießen.

„extreme beauty is always disturbing…“

Dieses Kompliment machte Mister Spock einst Droxine, jener hochwohlgeborenen Tochter der Wolkenstadt, die nur deshalb existierte, weil Sklaven am Boden und Untertage die notwendigen Rohstoffe besorgten. Ich habe das Kompliment heute Abend an meinen Eames-Stuhl weitergegeben. Und an Spock gewendet: nicht nur „disturbing“, sondern außergewöhnlich bereichernd. Allen einen guten Start ins Wochenende!

Hinschauen

Jetzt bin ich schon eine Reihe von Jahrzehnten auf dieser Welt. Was mich verblüfft: Wie wenig ich doch wirklich kenne. Stockrosen zum Beispiel. Hunderte Male schon gesehen. Aber erst letzte Woche vor Ehrfurcht fast umgekippt. Wo, frage ich mich, bin ich eigentlich unterwegs, wenn ich durch die Straßen gehe, über die Wiesen, Brachen und was noch alles. Könnte ich am Ende mit leeren Händen da stehen?