Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Der Kreuzberger Mehringhof feiert

sein 40jähriges Bestehen, und wir sehen, dass es an Nachwuchs nicht mangelt. Als alternativer Kultur- und Gewerbeort hat sich der Mehringhof tatsächlich durchgesetzt, was für mich bedeutet, dass mittlerweile schon die nächste und übernächste Generation dort unterwegs ist, die Veteranen das Terrain aber keineswegs geräumt haben. Das war ein schönes Mit- und Nebeneinander heute Nachmittag, […]

Schwarz-weiß

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, dass ich nur farbig fotografieren kann. Und dass sich unter den letzten 6.000 Fotos gerade mal zwei befinden, die auch in s/w gehen. Und dann kam die Nachricht, dass Toni (Chloé) Morrison gestorben ist. Sofort war alle Farbe weg. Wie fast immer, wenn mich ein Tod hart erwischt, und […]

13:49

Weil das Telefon klingelte, schaute ich in dem Moment auf die Uhr (d.h. auf mein Handy), als mich folgende Erkenntnis traf wie aus heiterem Himmel: Von einem Trauma bewegt man sich nicht linear (weg). Man umkreist es. Lebenslänglich. Die Einsicht verdanke ich der Lektüre von Roxanne Gays Buch „Hunger“, das ich in den kommenden Tagen […]

Nach dem Regen

Tja, heute hat es mich dann doch mal erwischt, die dritte Berliner Sintflut in nur einer Woche und ich war ohne Regenzeug unterwegs. Mit Regenzeug wäre es allerdings auch nicht viel besser gewesen, die Straßen standen teilweise unter Wasser, da hätte ich mich mit dem Fahrrad nicht durchgetraut. Also blieb ich einfach im Café sitzen, […]

Migräne (Fortsetzung)

In den schlimmsten Stunden waren die Schmerzen so groß, dass ich dachte, nicht mehr zu leben. Obwohl ich wusste, dass man an Migräne nicht stirbt. Als ich noch sehr jung war, habe ich mich spätestens dann immer wieder gefragt: Wozu? Wozu? Wozu? Dass ich keine Antwort fand, mag nicht verwundern. Aber in diesen schlimmsten Stunden […]

Abtauchen

Für mich gehört ein Museumsbesuch zu den seltenen Gelegenheiten, mich von meinem Alltag abzukoppeln. Oder andersherum: Meinen Alltag ins Unvorhergesehene zu erweitern. Besonders gefallen mir Ausstellungen zeitgenössischer oder moderner Kunst, die oft nicht so stark besucht sind wie die großen „Highlight“-Schauen der Museen. Hier gibt es Gelegenheit, durch ganz andere als kommerziell durchgetaktete Räume zu […]

Schönheit welkender Blumen

Immer wieder überraschen mich welkende Blüten: sie entfernen sich von ihrem „jugendlichen“ Ideal, von unserer Vorstellung, wie sie „in voller Blüte“ stehen, und damit im von uns (meist) so empfundenen perfekten Zustand. Welkende Blumen dagegen zeigen Ecken und Kanten. Sie können ihre Farben intensivieren, oder auch durchsichtig machen. Sie bekommen neue Konturen und oft einen […]

Und wenn alle ins Schwimmbad gehen,

ist es leer im Museum. Vor allem, wenn das Museum groß ist wie der Hamburger Bahnhof. Und noch etwas ist positiv, sie haben eine Klimaanlage… Nein, in Wahrheit haben sie gerade drei fantastische Ausstellungen. Allen voran die Emil Nolde Schau, die zwar eine Aufarbeitung von Noldes nationalsozialistischer Vergangenheit ist, und damit harter Tobak, aber erstens […]