Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Zum in die Wand meißeln

Ich hab’s mir ausgedruckt, dieses fantastische Zitat, jedoch zu notieren vergessen, wo es zu lesen war. Ein Artikel in „Zeit-online“, vorgestern vielleicht. Es ist eine Bestätigung von meiner eigenen Erfahrung, die ich gegen das immer wieder sich aufbäumende Schlechte Gewissen verteidige: >Wenn ihr zu hart arbeitet, werdet ihr immer in dieselbe Richtung gehen<, sagte der […]

Echte Äpfel

vom echten Apfelbaum im Schrebergarten duften. Die zwei kleinen Früchtchen reichen schon, um meine – zugegeben auch kleine – Küche olfaktorisch zu veredeln (jawoll). Und am Freitag gibt es ein Körbchen voll für Kuchen und Kompott. Echte Äpfel reichen an manchen Tagen wirklich schon zum ganz großen Glück.

Stille Lektüre

„Die Annäherung“, der neue Roman der österreichischen Schriftstellerin Anna Mitgutsch ist in diesem Frühjahr erschienen. Ein Buch, das mich nicht aus dem Lesesessel wirft, das ich jedoch beharrlich wieder zur Hand nehme. So viel ist darin geschrieben von Dingen, die ich bestens kenne, vielleicht könnte man sagen, es ist ein Buch für die midlife-people, die […]

Lebenszeit

In letzter Zeit höre ich dieses Wort häufiger von Menschen, die eine beachtliche Karriere geschafft haben und plötzlich – scheinbar ohne Grund – das Handtuch schmeißen. „Lebenszeit“ heißt es dann oft, sei wichtiger als Geld oder berufliches Fortkommen. An Sonntagabenden wie diesem spüre ich gelegentlich die Weite der Lebenszeit, wenn es mir gelingt, aus allen […]

Noch so ein grauer Tag,

an dem ich nicht weiß, welche Gefühle ich eigentlich habe. Mein Mitgefühl für die Menschen in der Türkei, Ratlosigkeit, Wut über die willkürliche Politik, Fragen, wo es hingeht, was man sich wünschen soll und wo die Hoffnung herkommen könnte. Dieser Sommer ist kein unbeschwerter.

Freiheit ist nicht verhandelbar

Es mag ein idiotischer Zufall gewesen sein. Ein Mann mit blinder Zerstörungswut, ein Feiertag als gute Gelegenheit, das heißt, kein Terroranschlag. Trotzdem ist der Massenmord in Nizza gestern Abend ein terroristischer Akt. Wo ein einzelner die Menschen aus purer Wut terrorisiert, tötet, den Überlebenden die Angst in den Knochen stecken lässt, die Angehörigen mit Trauer […]

Die Erfindung der Natur

Lange war Natur einfach nur. Als sich die Menschen anschickten, sie genauer zu betrachten und zu verstehen, war sie schon auf dem Rückzug. Bereits im 17. Jahrhundert hatte man verschiedene Tierarten ausgerottet und wusste es auch. Doch erst Alexander von Humboldt, jener „letzte Universalgelehrte“ Europas, als der er in den Jahrzehnten nach seinem Tod auch […]

another country

ist der poetische wie programmatische Name einer wirklich anderen Buchhandlung in Berlin. Bookshop, um korrekt zu sein, denn in den Regalen steht nur Englischsprachiges, es kann – auch das ist anders – gekauft oder nur ausgeliehen werden. Die Bücher sind second-hand und preiswert, das Sortiment ist beeindruckend und Bier gibt es im Kühlschrank. Nix wie […]

Wolke sieben

naja, eigentlich hat mich Maren Wulf mit ihren Wolkenbildern (Orte und Menschen) daran erinnert, dass auch ich dieses Jahr die Nase in den Himmel strecke und dauernd Wolken fotografiere. Am Sonntag hing dieses Exemplar über dem Tempelhofer Feld. Wie eine Fata Morgana, ein himmlisches Lachen oder wie eine Verheißung. So schien es mir jedenfalls. Wie […]

allein oder einsam?

Ich habe erst spät gemerkt, dass ich viel allein bin. Als Einzelkind von berufstätigen Eltern war es „normal“, allein zu sein, wenn ich mich nicht mit Freund/innen getroffen habe. Ich habe viele Dinge schon früh mit mir ausgemacht, bin gerne in Büchern verschwunden oder in irgendein Versteck. Für mich sein war das und wichtig. Im […]