Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Verwandlung (II)

„Im Grunde will jeder von uns jemand anders sein.“ Das sagt Nick Cave während einer der zahlreichen Autofahrten in dem autobiographischen Film „20.000 Days on Earth“. Seit ich den Satz gehört habe, steckt er mir im Ohr. Weil ich mich von ihm ertappt fühle. Als Kind wollte ich ein Indianer sein, als Jugendliche vor allem […]

Nachmittagswunsch

Beim starken Kaffee heute in der Sonne dachte ich, wie das wohl wäre, wenn ich eine Woche Zeit hätte, einmal nur Gedichte zu schreiben. Wie ich dann den Tisch leer räumen und mit einem Sack voller Wörter überschütten würde, die ich stundenlang zu immer längeren Sätzen legen könnte. Wie ich vor einem Obstteller säße und […]

Alexander von Humboldt

Er hatte einen sinnlichen Mund und war ein begnadeter Tänzer: Alexander von Humboldt, der heute als großer Universalgelehrter verehrt wird, war ein Multitalent. Er lebte für die Wissenschaft, aber er war auch in allen möglichen anderen Disziplinen begabt und begnadet. In seiner Nähe zu leben, mag anstrengend gewesen sein, immer wusste er alles (und besser), […]

„Überall und nirgends“

Heute habe ich zum ersten Mal das Literaturfestival besucht und gleich einen Volltreffer gelandet: Die Lesung von Bette Westera aus ihrem Gedichtband, der 2014 erschienen ist und nun auch in Deutsch vorliegt: Überall und nirgends. Es geht ein ums andere Mal ums Sterben und ich bin überrascht, wie neugierig, klug und aufmerksam die Kinder der […]

Mensch sein

Wann, frage ich mich manchmal, wenn ich Zeugnisse früherer Kulturen sehe, wann mögen sich Menschen zum ersten Mal gefragt haben, was es mit ihrem Menschsein auf sich hat. Was sie unterscheidet von Tieren. Oder was ihnen an ihrem Dasein gefällt und was nicht so. Götter oder andere jenseitige Strippenzieher spielten wohl früh im Selbstverständnis unserer […]

Erinnerung

Gestern fiel mir die Episode wieder ein. Ich wurde gleich nach dem ersten Semester zum Dekan zitiert, weil ich in einer der zahlreichen Prüfungen eine Sechs geschrieben hatte. Auch sonst waren meine Noten nicht gerade gut. Mir fiel der Übergang von der Schule in die Universität schwer. Und Französisch hatte ich erst als dritte Sprache […]

Ein Tiger namens Ungeduld

hat sich eingeschlichen. Leise, auf Katzenart, kein Wunder, Tiger kommt vermutlich von einem Wort, das sich im Deutschen mit Pfeil übersetzen ließe. Jetzt ist der Tiger drin im Tank – oder zumindest in meinem Nervensystem und will Beute. Erst habe ich gar nicht viel gemerkt. Es gab Termine, noch mehr Termine, und also musste alles […]

Vorfreude

Ich war noch nie bei einem Festival. Zum Glück läuft gerade ein (und wahrscheinlich noch ein paar mehr) in Berlin und ich kann schnurstracks Abhilfe schaffen. Denn es wurde höchste Zeit für was Neues. Ich habe mir das Internationale Literaturfestival heraus gepickt. Klar, am Ende sind es auch „nur“ Lesungen. Aber mehrere an einem Tag […]

Schönheit

Frag‘ hundert Leute, was Schönheit ist, und Du wirst hundert Antworten bekommen. Und, ums gleich hinterherzuwerfen: Das ist auch gut so. Schön kommt (unter anderem) von „schauen“ – und entspricht wahrscheinlich dem Gefühl der meisten von uns, dass bei Schönheit etwas Sichtbares gemeint ist. Es gibt auch Schönheit in der Musik, in der Sprache, in […]

Montagssätze

An manchen Tagen würde ich am liebsten immer weiter einfache Sätze schreiben, über das, was ist und das, was es unmöglich sein kann. Um Ordnung zu schaffen. Zumindest für mich.