Alexander von Humboldt

Er hatte einen sinnlichen Mund und war ein begnadeter Tänzer: Alexander von Humboldt, der heute als großer Universalgelehrter verehrt wird, war ein Multitalent. Er lebte für die Wissenschaft, aber er war auch in allen möglichen anderen Disziplinen begabt und begnadet. In seiner Nähe zu leben, mag anstrengend gewesen sein, immer wusste er alles (und besser), er kannte Gott und die Welt und hatte einige ausgezeichnete Drähte zu den verschiedenen Monarchen Europas. Er redete schnell, sogar in den ihm fremden Sprachen, so dass es schwierig werden konnte, ihm, vor allen in wissenschaftlichen Belangen, zu folgen. Er hatte sein Lebtag Hummeln im Hintern und konnte nur schwer still sitzen. Und er hatte Angst vor Gespenstern. Was man von einem Naturwissenschaftler kaum glauben mag, aber in Wahrheit war es wohl mehr die Angst vor einer übergroßen und strengen Mutter, vor der er sich sogar noch nach ihrem Tod fürchtete. Er heiratete nie und wird viele Frauen enttäuscht haben. Wahrscheinlich hatte er einige lebhafte Beziehungen zu Kollegen. Doch er war diskret (die Kollegen auch), was zur damaligen Zeit wenig verwundert. Wenn er gekonnt hätte, wäre er nach seiner Südamerikareise in Paris geblieben. Doch der Berliner König zitierte ihn zurück in die Brandenburger Sandwüste und Humboldt fügte sich. Obwohl er von seiner strapaziösen und gefährlichen Reise mehrere körperliche Schäden und Schwächen mitbrachte, wurde er fast 90 Jahre alt. Am Ende seines Lebens war er arm und resigniert. Sein Geld hatte er für seine Forschungen und immer wieder für junge Wissenschaftler ausgegeben, die er Zeit seines Lebens unterstützte. Sein Idealismus war aufgebraucht. Zu schleppend ging es mit der Freiheit und der Gleichheit der Menschen überall auf der Welt voran. Heute vor 247 Jahren wurde er in Berlin-Tegel geboren. Es muss ein sonniger Tag gewesen sein.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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