Drei Fragezeichen:

Ist Bequemlichkeit mit Faulheit gleichzusetzen und als solche eine Todsünde?

Seit wann haben so viele Deutsche das Gefühl, ein Recht auf Bequemlichkeit zu haben?

Bin ich bequem?

Zierhörner?

Der Steinbock hat sie zweifellos, ebenso der Aries, Widder, der ebenfalls im Sternenhimmel über uns schwebt und gedrechselte Hörner am Kopf trägt. Der Steinbock aber ist ein Capricorne, dabei weder mit Caprifischern verwandt noch mit Popcorn. Ich für mich übersetze Capricorn mit „kapriziös“, auch wenn das unüblich ist und alle Astrologen darauf verweisen, dass die Steinbockfrau vielmehr ehrgeizig, elegant und durchsetzungsbewusst ist. Eleganz mit Hörnern? Die vom Aries drehen sich ja anmutig um sich selbst, stehen damit nicht so hoch ab und können Hüte gut balancieren. Der Steinbock dagegen kann mit Hüten nicht. Da passt allerhöchstens ein Gesteck auf die Stirn. Aber egal, ob gedreht oder im weiten Bogen ausschwingend, schwer sind sie, die Hörner, und da muss ein stämmiger Körper drunter, sonst wird’s nix. Ob ich deswegen oft Kopfschmerzen habe? Oder sind es doch Antennen ins Unbekannte? Mit Telefonbuch auf dem Kopf läuft es sich ja nach viel Üben auch elegant. Hör-nerren-röH (vom Kopf aus einmal mehr nach links, einmal mehr nach rechts)… –  aus der Handtasche geholt, können auch noch in ganz anderen Momenten Eindruck schinden. Nur abends, im Bett auf dem Kissen, – was ein Glück, dass ich im Deszendent Fisch bin.

Vom Arbeitstisch zum Esstisch,

so geht es meistens. Runter mit den Papierbergen, Gäste kommen! Heute war es ein enormer Papierberg, kurz vor einer tektonischen Verschiebung und sonst alles anders. Denn Gäste sind nicht in Sicht. Aber gut. Alles schön vorsichtig in Archäologenmanier abtragen, morgen muss alles wieder greifbar sein und schwups, neue Bespielung der Tischplatte. Nö, eben keine Gäste. Was zum drauf rum klimpern. Ich brauche Töne. Aber ich habe auch einen Text im Kopf. Und so verkeilte sich jegliche Inspiration in zwei Sachen auf einmal. Geht bei mir jedoch nicht. Pause. Ganz langsam alles. Am besten mal spülen. Mal hinsetzten. Mal Fotos machen. Mal ausprobieren, wie meine Gläser klingen. Mal in die Luft gucken. Auf einmal löst sich der Knoten: ich kann anfangen. Einmal mehr heißt die Erfahrung: Ich bin keine Multitaskerin. Das ist sehr schade. Ich wäre es wirklich gerne. Aber mit meinem Kopf geht es nicht. Mit meinen linken Händen sowieso nicht. Ich muss langsam arbeiten, sonst kommt nur halbes Gewurschtel dabei raus. Was schön ist: Es hat gut geklappt. Und die Gläser habe ich gleich auch noch mal gespült. Sie hatten es dringend nötig.

Gedichte raus aus den Büchern,

so hörte und las ich neulich Lyriker plädieren, nämlich für die Freilassung der Dichtung aus den Buchdeckeln hinaus in (Kunst-)Welt, wobei es zwei Lager gab, die, die fürs Optische stimmten und Galerien vorschlugen, und die, die akustisch denken und in Hörwelten streben. Tatsächlich hatte ich neulich, als die „Traumfische“ von meinem Freund Dirk erschienen, genau wieder diese Ratlosigkeit: Wie denn lese ich ein Gedichtebuch? Denn auch wenn es schönste Illustrationen darin gibt – Ich finde kein Tempo. Entweder habe ich den Band ratzfatz durch. Oder ich lege das Buch irgendwann weg, weil ich ja lesen will, wenn ich lesen will. Und offensichtlich lese ich keine Gedichte (das verstehe jetzt bitte, wer will). Dirks Gedichte hatten es gut. Die kamen in der ersten Fassung als ausgedrucktes Manuskript auf meinen Schreibtisch. Also ohne Buchdeckel. Da komme ich offensichtlich besser mit zurecht.

Was soll ich sagen? Ich bin ganz dafür, Gedichte anders zu präsentieren. Neulich gab es einen netten Aufruf, Haikus zum Thema „Wörtermeer“ zu schreiben. Die hängen jetzt in einem Schaufenster der Schleicherschen Buchhandlung in Berlin Dahlem. Das gefällt mir. Aber ich träume von einer akustischen Lösung, die sich vom Hörbuch entfernt. Ob mir dazu was einfällt?

Wehmut

Noch einmal am alten Holztisch in der Küche Geburtstag feiern. Mit Pflaumenkuchen, Kartoffelsuppe, Wein und Käse. Lachen, sich freuen, kreuz und quer erzählen, zuhören, rauchen, nicht rauchen, sich wohlfühlen mit denen, die da sind. Einige Gäste versammeln sich so schon seit der Studienzeit. Nächstes Jahr wird der Tisch woanders stehen, der Mietvertrag läuft Ende des Jahres aus. Ich sehe glänzende Augen, höre spannende und lustige Geschichten, viel Wortwitz, hier und da Melancholie. Und ich sehe die grauen und weißen Haare, die sich in die Frisuren mischen. Es ist wie immer, wenn es hier schön ist. Aber auf einmal ist der Gedanke des „nicht mehr lange“ da. Natürlich wird es sich auch in anderen Küchen gemütlich feiern lassen. Wir werden uns alle noch und noch mal wieder sehen. Aber heute habe ich einen Abschiedsschmerz gespürt. Vielleicht ist es auch nur der langsam abkühlende Sommer.

Gibt es falsche Fragen?

Es gibt nur falsche Kleidung. Von wegen. Ich würde wirklich gerne mal den einen oder die andere mit ihrer richtigen Kleidung ins Unwetter schicken – nee, mache ich natürlich nicht. Wer will schon Tote auf dem Gewissen haben. Also ja! Es gibt schlechtes Wetter und falsche Fragen. Letztere sind übrigens nicht unbedingt die, auf die es keine Antworten gibt. Wer so ein blaues Quadrat wie ich neulich unter der obersten Stufe eines Treppenabsatzes sieht, mag sich fragen:

Wer bist Du denn? Wer hat Dich hier angebracht? Bedeutest Du etwas? Bist Du etwa ein geheimes Zeichen? Für andere? Für den- oder diejenige/n, der oder die dich hier aufgemalt hat? Für Außerirdische? Wärst Du gerne an einer weißen Wand? In einer Wohnung? Gar im Museum? Bist Du ein Werk oder nur ein Rahmen? Bist Du ein Original? Oder gar eine Serie? Wenn ja, wo noch? Bist Du käuflich? Bist Du etwa nur so da? Und wenn ja, was bedeutet „nur so“? Und? Sind darunter falsche Fragen? Oder ist es bloß Ratlosigkeit? Fantasielosigkeit? Regen?

konzentriert abhängen

Von Katzen lernen, heißt liegen lernen, so heißt es. Vom Hund habe ich gelernt, was der Sportunterricht vermissen ließ: Werfen. Und vom Bussard? Füße hängen lassen, auch wenn man noch so konzentriert guckt! Wichtige Lektion. Ich bin einmal als Studentin in der Berliner Staatsbibliothek umgefallen, als ich von meinem Platz aufstehen wollte. Der Grund? Ich hatte ohne es zu merken und wahrscheinlich über Stunden, meine Beine derart umeinander gewickelt, dass die Füße nicht mehr durchblutet waren. Als ich aufstand jedenfalls, fühlte ich sie nicht mehr. Natürlich können wir nicht im Fliegen lesen. Aber die Füße beim Sitzen entspannt halten, vielleicht auch mal baumeln lassen, geht sicher. Mir ist übrigens klar, der der Bussard auf dem Foto gerade kein Buch liest. Ich für meinen Teil will es trotzdem versuchen.

Was ist das denn?

Ein König im Obstkörbchen? Aber sicher kein Granatapfel, wie auf der Kiste verzeichnet. Keine Hinweise, ich habe mich umgesehen. Gerne hätte ich diesen Exoten ins Körbchen gelegt. Aber die Schlangen an den Kassen waren lang. Und meine Zeit knapp. Ich sah schon die verdutzten Kassiererinnengesichter, das Nachschauen, Durchfragen, Schulter zucken, so dass ich darauf verzichtet habe. Zu dumm, denke ich jetzt. Aber vielleicht hat sich ein/e andere/r das Früchtchen geschnappt und ist jetzt froh. Was bleibt? Esst Obst!

Der Kandidat hat 18 Punkte

Unscheinbar? Ja, Glücksbringer kommen meist nicht mit großem Trara einher. Man muss schon ein offenes Auge haben. Heute allen einen Käfer voll Glück: Den kann schließlich jede/r gebrauchen!