Die Bibliothek als Apotheke

Tatsächlich sind Bücher für so einiges eine Art Allheilmittel. Kein Wunder, dass so viele Koffer aus allen Nähten platzen, weil noch und noch eine Ferienlektüre eingepackt wird – man kann ja nie wissen… und lieber gegen jedes Wehwehchen das richtige Buch. Langeweile, Kälte, Hitze lassen sich mittels Lektüre besser überstehen als ohne. Der hässliche Ausblick vom Balkon wird nebensächlich, der Sonnenbrand erträglich, sogar das Fieber will sinken. Melancholie, Einsamkeit, wenig Geld lassen sich durch häufiges Lesen erträglich machen, gelegentlich sogar kompensieren. So bin ich mir sicher, mein Studium nur mit Büchern überstanden zu haben, und sogar zu meinem großen Gewinn, denn lesend habe ich meine Zeit nicht nur in fremden Köpfen, sondern auch in fremden Ländern verbracht, was will man mehr?

Nein, bei Migräne hilft Lesen nicht. Jedenfalls nicht im akuten Anfall. Später dann schon, wenn man diesem komischen Zustand auf die Spur kommen oder sich für einen nächsten Fall wappnen will. Bei Liebeskummer fand ich Bücher immer hilfreich. Gleich nach tröstenden Freund/innen. Zu erkennen, was man längst weiß, nämlich dass man weder die erste noch die einzige ist, die von dieser Klippe fällt, ist nicht nur konkret hilfreich, hier und da gibt es sogar Bücher, die einem die Augen öffnen (ich meine damit jetzt nicht unbedingt Ratgeberliteratur) für neue Strategien, die im eigenen Fall möglicherweise (und wenn auch nur in Gedanken oder für ein paar Stunden) Erfolg versprechen. Und erst die Kochbücher!!! Fremdsprachige Bücher haben ihre ganz eigene Faszination. Wenn ich darin lese – solange ich die Sprache einigermaßen beherrsche – tauche ich in eine ganz andere Welt ein, denn auf französisch zum Beispiel, sieht alles erstmal anders aus. Ein paar Bücher als Hausapotheke zusammenstellen, zu der man sogar im Dunkeln greifen kann, wenn es dringend ist? Und immer ein noch nicht gelesenes Buch am Bettrand lagern, denn hierin kann zumindest ich mich am Besten vorm Unbill des Alltags verkriechen.

Schreiben

Die Klunker ziehen mittlerweile ja auch so ihre Kreise und kehren immer mal wieder zu vertrauten Themen zurück – kein Wunder, wenn man durchs eigene Leben stöbert und hier oder da auf Altbekanntes trifft. Schreiben also mal wieder, weil ich gestern mit einer Freundin darüber gesprochen habe, wie unterschiedlich schnelles, auf einen kurzfristigen Termin hin gerichtetes Schreiben von dem ist, für das man sich Zeit nimmt und vieles denkt/verwirft, bis man zu einer Form und einem Ende kommt. Beide haben ihre Stärken, das schnelle Schreiben zum Beispiel reißt plötzlich Gedanken an, die man so noch nie hatte. Und die einem regelrecht in die Feder (höhö) rutschen, weil man vielleicht dieses Verb gerade oder jenen Namen verwendet hat. Langsames Schreiben ist – für mich zumindest – eine ungeheure Schule der Geduld. Da entsteht ein Text, der sich – im guten Fall – noch mehrmals häuten kann. Ich muss ihn also vorsichtig behandeln, ihn atmen lassen, ihm neue Einfälle oder Richtungen erlauben. Natürlich sollte man beides können, auch wenn man sich mehr bei dem schnellen oder mehr bei dem langsamen Vorgehen zu Hause fühlt. Schnelles Schreiben ist vielleicht eher so etwas wie eine Ideenschleuder. Oder auch ein Experiment, in dem viele Wörter, Ausdrücke, Wendungen miteinander verrührt und probiert werden. Langsames Schreiben hat dann eher was mit Nach- und Weiterdenken zu tun. Mit parallelen Bewegungen, die in die Texte hinein gefaltet werden, mit Andeutungen und nicht zuletzt Fußnoten. Dichten wäre für mich noch einmal eine ganz andere Kategorie, wobei es auch hier ein schnell und langsam gibt, vielleicht verschränkter, als bei Essay- oder Prosatexten. Schreiben ist zumindest eine ungeheuer merkwürdige Tätigkeit. Während es im alten Ägypten noch ein Beruf war, weil fast alle Analphabeten bzw. Anhyroglyphen waren, ist es heute etwas ganz anderes, wo im Grunde jede und jeder schreiben kann. Und eben auch wieder nicht. Und wie man es lernt, wüsste ich wirklich mal gerne. Aber der Verdacht, dass es im Grunde am Besten übers Lesen läuft, meldet sich auch jetzt wieder vorwitzig. Nee. Gut schreiben ist vor allem viel schreiben. Das heißt, ein Handwerk. Und – noch viel mehr. Aber darüber lasse ich demnächst erst wieder meine Gedanken kreisen. Jetzt heißt es ganz pragmatisch: Abwasch, meine Liebe!

Konzentration

„Zusammen zum Mittelpunkt“ – ein schönes Bild dafür, dass die gesammelten Denk- und Aufmerksamkeits – äh, ja, was eigentlich? Muskeln, Nerven, Transmitter??? sich auf das Wesentliche fokussieren. Scheint erst mal einfach, wenn man denn weiß, was man zum Mittelpunkt wählt. Und da geht das Theater schon beim Schulkind los, denn nicht immer ist das Schulbuch die interessanteste Option im Klassenzimmer. Natürlich zeigt sich schnell, dass Konzentration eine ziemlich smarte Fähigkeit ist, aber wie man da genau hinkommt, ist (mir) nie so ganz klar. Richtiges Essen (!), viel Schlaf, Sport, und dann wissen, wann und wo es drauf ankommt. Für Freiberufler/innen mit Terminabgaben ist die Konzentration wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit. Wenn es da hapert, sind oft die brillantesten Ideen nix wert. Sich mit Karacho los konzentrieren und dabei weder verspannt noch genervt zu sein, gehört zu den Fähigkeiten, die ich mir immer noch bei anderen abzuschauen versuche. Konzentriert, versteht sich…

Hier isses!

Und weil ich jetzt doch neugierig war, warum und wieso, habe ich gelesen, dass Eva so ein Kleeblatt als Erinnerung mit aus dem Paradies genommen hat. Oder dass die Vierblättrigen auf Reisen Schutz geben, in Kleider eingenäht (?!) sogar vor dem Bösen bewahren – gelten auch Kleeblätter im Portemonnaie? Berichten zufolge – so bei Wikipedia zu lesen – gibt es Sammler, die mehr als 1000 vierblättrige Kleeblätter gefunden haben. Ob ich mitmachen soll? Ich sehe die Dinger nämlich im Vorbeigehen – schließlich bin ich gestern nicht auf allen Vieren zur Staatsbibliothek gekrochen (es sind immerhin zwei Kilometer). Nee, auf dem Rad dann doch nicht… Irgendwie eine lustige Fähigkeit, leider keine, mit der man Geld verdient. Auf diese Weise haben immerhin schon viele meiner Freund/innen zerbröselte Glückskleeblätter in ihren Habseligkeiten. In der Hoffnung, dass sie gegen das Böse hier und da was ausrichten oder paradiesische Momente auch montags oder mittwochs zaubern.

Endlich!

Heute, auf dem Weg zur Staatsbibliothek habe ich es gefunden: Das geplante Suchbild mit dem vierblättrigen Kleeblatt drin (Indianerehrenwort). Also: Lossuchen. Die Lösung – falls überhaupt nötig – kommt morgen. Viel Spass. Und ein bisschen Glück gleich dazu.

Tochter einer Amazone

Wenn ich das mal gewusst hätte. Als junge Frau war meine Mutter nicht nur hübsch, sondern auch witzig, schlagfertig und ausgelassen. Mit Chinahütchen auf Baumstämmen reiten, und zwar außerhalb jeder Karnevalszeit, ist ja schon gewagt (wir schreiben die 1950er Jahre), vor allem ihr entschlossener Blick gefällt mir. Tatsächlich kannte ich dieses Bild und viele andere nicht, es sind Fotos aus den ersten Ehejahren meiner Eltern, offensichtlich hat meine Mutter sie wie einen Schatz gehütet. Ich kann gar nicht beschreiben, wie gut es mir getan hat, dieses und einige andere Fotos von meiner Mutter als so einer aufgeschlossenen, lebensfrohen Frau gesehen zu haben. Die Tochter einer solchen – wenn auch nur Freizeit – Amazone zu sein, hat jedenfalls was.

Fischgeister

Dass sie in Alkohol schwimmen, mag sie kaum trösten. Sie sind nämlich schon längst mausetot und wer sich mit Geistern und Gespenstern auskennt, weiss, dass sie weder riechen noch schmecken können. Aber schön anzusehen sind sie schon, die eingelegten Fische aus der Sammlung des Berliner Naturkundemuseums (hier noch in ihrer alten Abteilung). Ich hätte mir zu gerne welche stibitzt, um eine ordentliche Mitternachtsparty zu Hause hinzulegen, aber natürlich sind die Fischlein in ihren Gläsern viel zu schwer. Aber wer jetzt denkt, hart erkämpfte Funde aus verschiedenen Forscherleben vor Augen zu haben, wird enttäuscht. Denn die meisten Exponate werden von den Wissenschaftlern schlicht und schnöde auf Fischmärkten gekauft. Na gut, da müssen sie vielleicht auch wochenlang auf der Lauer liegen und sehr früh morgens aufstehen, um die besten Fänge dem Spitzenkoch vom Platz streitig zu machen. Warum die im Museum überhaupt Leichen aufbewahren? Wegen des Artensterbens. Kann ja sein, dass Raja asterias längst nicht mehr durchs Mittelmeer düst. Der hier sowieso nicht. Aber wer weiß. Ich habe die Gesellen ja doch in Verdacht, nachts ein Eigenleben zu führen. Wie ein Flaschengeist, der den Zauberspruch kennt, sich selbst aus seinem Glas zu befreien.

Herbstgirlanden

Eine Girlande, so steht es bei Wikipedia, ist eine dekorative Kette aus Blumen (…), die zu festlichen Anlässen aufgehängt wird. Ja. Und ich habe im Herbst immer schon den Blues. Statt mal zu sehen, welches Fest die Natur noch feiert. Feinziselierte Sämchen und Früchtchen hängen an den schütter werdenden Ästen, aber was direkt aus dem Boden kommt, hat manchmal noch kräftigste Farben, als würde am Schluss noch mal ein Feuerwerk abgebrannt (wie heute Abend in Berlin). Es ist ein fantastisches Wetter. Wer die Arbeit nicht schwänzen kann, sollte zumindest zur Mittagspause raus. Schließlich sollte man die Feste (und dazu zählen auch die Wetterfeste) feiern, wie sie fallen.

Stein der Weisen

Natürlich sollte er reich machen: Gold oder Silber waren Minimum. Aber er war auch als Wundermittel gedacht gegen Mängelzustände und Disharmonien, dass er auch eine verjüngende Wirkung hatte, wurde dankend dazu fantasiert. Wäre das was? Und kann jeder Stein weise sein? Wait and see. Zumindest ist dieser Stein schön anzusehen. Vielleicht läutert es mich ja auch, wenn ich ihn länger betrachte. Dass ich heute nix mehr schreiben kann, ist dagegen ausgemacht. Zu lange am Schreibtisch. Also ein Kieselklunker auf rotem Teppich. Und einen schönen Feiertag!

Wenn Muscheln kuscheln

oder zumindest miteinander reden, ist die Welt noch in Ordnung. Was aber, wenn eine die Schale runterklappt und davon schwimmt? „Wir können doch über alles reden.“ So die verzweifelte Hoffnung der Zurückgebliebenen. Nur, dass es manchmal zum drüber reden zu spät ist, weil der oder die andere nicht mehr will. Kein Reden mehr, nur noch Ruhe. Finito! Aus! Vorbei! Dass das nicht nur in Muschelleben passiert, wissen wohl die meisten aus eigener Erfahrung: Wie bitter das ist, einen kalten Rücken zu sehen. Und mit dem unguten Gefühl alleine zu stehen, dass alles nur ein großes Missverständnis ist. Dabei, Missverständnis hin oder her, wenn eine/r nicht mehr reden will, ist das das Ende der Fahnenstange. Auch wenn ich mir tausendmal wünschte, der/die andere würde sich wieder rumdrehen und wenigstens einmal noch meinen Argumenten folgen. Was bleibt ist das Gespräch mit sich selbst. Gab es vielleicht Dinge, die ich nicht früh genug gesehen habe? Stimmt es so, wie mir alles vor Augen steht, oder mache ich mir hier oder da auch was vor? Kann die einzige Hoffnung darin bestehen, den/die andere/n ziehen zu lassen, um vielleicht, vielleicht in weiter Ferne zumindest einen letzten klärenden Satz zu bekommen? Durch Zufall vielleicht? Aber zumindest keinen abgepressten? Das klassische Mann-Frau-Drama? Vor alledem. Aber auch ein klassisches Geschwister-Drama, beste-Freundinnen-beste-Freunde-Drama. Ob man sich davor wappnen kann? Ich werde mal die Muscheln fragen, solange sie noch miteinander reden.