Wenn Muscheln kuscheln

oder zumindest miteinander reden, ist die Welt noch in Ordnung. Was aber, wenn eine die Schale runterklappt und davon schwimmt? „Wir können doch über alles reden.“ So die verzweifelte Hoffnung der Zurückgebliebenen. Nur, dass es manchmal zum drüber reden zu spät ist, weil der oder die andere nicht mehr will. Kein Reden mehr, nur noch Ruhe. Finito! Aus! Vorbei! Dass das nicht nur in Muschelleben passiert, wissen wohl die meisten aus eigener Erfahrung: Wie bitter das ist, einen kalten Rücken zu sehen. Und mit dem unguten Gefühl alleine zu stehen, dass alles nur ein großes Missverständnis ist. Dabei, Missverständnis hin oder her, wenn eine/r nicht mehr reden will, ist das das Ende der Fahnenstange. Auch wenn ich mir tausendmal wünschte, der/die andere würde sich wieder rumdrehen und wenigstens einmal noch meinen Argumenten folgen. Was bleibt ist das Gespräch mit sich selbst. Gab es vielleicht Dinge, die ich nicht früh genug gesehen habe? Stimmt es so, wie mir alles vor Augen steht, oder mache ich mir hier oder da auch was vor? Kann die einzige Hoffnung darin bestehen, den/die andere/n ziehen zu lassen, um vielleicht, vielleicht in weiter Ferne zumindest einen letzten klärenden Satz zu bekommen? Durch Zufall vielleicht? Aber zumindest keinen abgepressten? Das klassische Mann-Frau-Drama? Vor alledem. Aber auch ein klassisches Geschwister-Drama, beste-Freundinnen-beste-Freunde-Drama. Ob man sich davor wappnen kann? Ich werde mal die Muscheln fragen, solange sie noch miteinander reden.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. SätzeundSchätze 2. Oktober 2015

    Was für ein Beitrag…! Ja, wenn jemand zumacht wie eine Auster, wenn ein Gespräch nicht mehr möglich ist oder gewollt wird…wenn eigentlich Worte nur noch mehr Schaden anrichten, was dann tun? Weil wir Menschen eigentlich auch hilflose Wesen sind: Wir haben uns so sehr auf die Sprache als Verständigung fokussiert, dass uns andere Kommunikationsmittel manchmal fehlen…frag bitte die kuschelnden Muscheln, wie die das hinbekommen. Großes Kompliment für diesen Artikel!

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