Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Begabung zum Glück

Glückliche Menschen werden häufig als harmlose Zeitgenoss/innen wahrgenommen, die die Tiefe des Lebens nicht ergründen und wie Haustiere gerne in der Sonne liegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Vorsicht. Glückliche Menschen können durch die Hölle gegangen sein. Sie müssen auch nicht unbedingt Optimisten sein. Vielleicht haben sie eine Begabung dafür, von […]

Traurigkeit

Manchmal ist eine Verletzung schon richtig lange her, aber ich bekomme immer noch keine Luft, wenn ich versehentlich daran denke. Ein Sturz ins Bodenlose. Mit dem fatalen Gedanken, dass es dann doch egal wäre, auch ein fieses Arschloch zu sein. Nein. Es ist nicht egal. Auch wenn ich gerade den Grund nicht finde. Aber nur […]

Dunkle Wolken

Der Tag heute begann kurios. Ich wurde wach. Schlief sofort wieder ein. Wurde nochmal wach mit dem Gefühl eines kolossalen Dachschadens. Keine Schmerzen. Aber auch gar keine Orientierung. Ich griff zu den bewährten Mitteln: Kaffee, Rechner, Terminkalender, To-Do-Liste, heiße Dusche, kalte Dusche. Nichts. Ich bin wie zu Gast im eigenen Leben. Nein. So schlimm ist […]

Der Eichhörnchenreflex

Ich kann es nicht lassen. Aber sobald die Blüte vorbei ist, sammele ich Samenkapseln. Ich stecke sie in Tütchen, Döschen und Briefumschläge für das nächste Jahr, um sie dann zu vergessen. Und sonst so? Ein dösiger Sommer. Sanft. Lautlos. Draußen steigt der Feierpegel enorm an (ich wohne in Kreuzberg), im Hinterhof jedoch steht die Zeit. […]

Verpflichtet auf Schönheit?

Es gibt die Regel, einen Ort so zu verlassen, wie man ihn vorgefunden hat. Nicht, dass sich alle daran halten. Aber die Idee ist nachvollziehbar. Ich lese gerade das schmale Bändchen, in dem das Vermächtnis des mit 104 Jahren gestorbenen brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer zusammengefasst ist. Als Architekt hatte er die Vision, die Welt zu […]

Nichtstun

Manchmal habe ich Meer-Menschen im Verdacht. Ich meine, wer einen Berg vor der Nase hat, will sicher raufkrabbeln. Aber ein Meer – da ist von vornherein klar: kannste knicken. (Oder man hat wirklich was Großes vor). Also, gar nichts tun. Nur da liegen, sitzen, stehen. Wer tagträumen kann, ist natürlich auch im Vorteil. Wie ist […]

Tagträumen

Neulich habe ich gelesen, dass eine Neigung zum Tagträumen Intelligenz anzeigt. Das hat mir gefallen. Wie oft wurde ich als Kind angemeckert, nicht Löcher in die Luft zu gucken, sondern voran zu machen. Diese merkwürdigen Zustände sind mir geblieben. Wo ich gehe und stehe. Plötzlich fange ich an zu träumen. Wobei das dann nicht so […]

Schwups

Im Regen gehen ist verpönt. Selbst im Sommer. Dabei – … Ich hatte Glück heute, und lief über die alten Friedhöfe an der Bergmannstraße als sich so ein leichter Dauerregen einstellte. Ich habe mich wie in einem Wunderland gefühlt. Von ferne waren zwar noch Autos zu hören, aber die Bäume sind längst so hoch gewachsen, […]

Ich muss erst mal aufräumen

So zumindest fühlt es sich für mich gerade an, wenn ich den Impuls spüre, Freund/innen einzuladen. Seit ich eine Woche im Haus meiner Eltern gewirkt und gewerkelt habe, hole ich meine eigene Unordnung nicht mehr richtig ein. Oder eher: Nicht die Unordnung ists, sondern die Fülle. Meine Wohnung ist klein und offensichtlich habe ich mehr […]