Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Leben ist Utopie

Dieser Gedanke ist für mich in verfahrenen Situationen der Ansporn, nach vorne zu denken, mir auch unbequeme oder unkonventionelle Lösungen zu erlauben. Georges Perros schreibt: „Alors, l’utopie, c’est de se prendre ein main, de se vouloir libre.“ Sich selbst an die Hand nehmen, sich selbst frei wünschen (und dorthin führen). Georges Perron: papiers collés III, […]

Das sieht exotischer aus,

als… – oder wer erwartet solche Reisefotos aus Tübingen? Ich habe drei schöne Tage in der kleinen Stadt am Neckar verbracht, um „meinen“ Hölderlin, ein Buch über den Dichter und einige seiner Gedichte in Einfacher Sprache, dort vorzustellen. Was mich wirklich angerührt hat, dass der letzte Teil meiner Lesung in Hölderlins Turmzimmer stattfand. Was für […]

Na toll …

Zur nicht funktionierenden Waschmaschine gesellt sich seit gestern Abend der Ausfall von warmem Wasser. Hinter meinem Rücken höre ich ein fast schon infernalisches Gekicher: Diese Großstädterinnen… fangen zu flennen an, wenn keine Waschmaschine und … Hör‘ mal, ich flenne nicht! Ich merke nur, wie schnell ich ausgebremst werde, wenn nicht alles so funktioniert, wie vorgesehen. […]

Dornröschen

Eine Schönheit ist sie nicht – unsere Hofmauer, die seit mehr als einem Jahrzehnt wieder ans Licht gekommen ist. Aber, seufz, sie ist wieder da! Ich kann mich noch – wenn auch nicht wirklich gut – an den Tag erinnern, als Handwerker in den Hof kamen und gelbstichige Holzpaneelen vor die Backsteinmauer schraubten. Ich dachte, […]

Da staunt der Nachbarshund

und ich erst. Niemals würde ich joggen gehen. Dieser Satz gehörte bis vor kurzem zu meinem persönlichen Identifikations-Baukasten. Ich laufe nicht. Das stimmte auch. Ich sagte das in einem Ton zwischen Trotz und Resignation. Denn ich konnte es wirklich nicht. Zu laufen, war, als müsse ich mich durch eine Welt bewegen, in der die Luft […]

Da sitzen sie nun

Der Baum vor meinem Fenster wurde vorgestern gefällt. Schlimm genug – obwohl ich die Entscheidung verstehe: Er wurzelte in einer sehr schmalen Mauer, sehr kippelig, und wuchs, wie gesunde Bäume das nun mal tun. Die Gefahr, dass er bei einem der zukünftigen Stürme in den Hof stürzen könnte, war zumindest gegeben. Besonders mochte ich sein […]

Spätsommer

Das ist vielleicht der letzten große Hitzewelle geschuldet: Zum ersten Mal habe ich mich über die frühen Herbst-Boten gefreut: Frischer Wind, ein Himmel zum Niederknien und so viel klares Licht wie lange nicht mehr. Melancholie war auch im Spiel. Doch nicht wie sonst, wenn ich den Winter schon kommen sehe, sondern eine Erinnerung an letztes […]