Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Ein Brett verändert alles

Ich liebe es, im Sommer am offenen Fenster zu arbeiten. Heute zum Beispiel weht zarter Blütenduft (so etwas wie Flieder) in meine Wohnung, und die Vögel zwitschern, dass ich den lauten Mehringdamm fast gar nicht höre. Draußen arbeiten dagegen geht gar nicht. Nicht einmal Lesen gelingt mir, sobald sich mein ganzer Körper unter freiem Himmel […]

Ganz tiefe Verneigung

vor der Tennisspielerin Naomi Osaka, die die French Open verlassen hat, weil sie nicht für Pressegespräche nach den jeweiligen Matches zur Verfügung stehen will. Sie schreibt, dass sie zur Zeit wegen Depressionen diese Verpflichtung nicht einhalten kann, und wurde von den Veranstaltern mit einem hohen Bussgeld belegt, weil sie den ersten Termin nach einem gewonnenen […]

Hast du Hunger?

Diese Frage schien mir über lange Zeit einfach, weil mit „ja“ zu beantworten. Ich esse gerne. Und mag besonders die Gelegenheiten, mich mit Freund/innen oder Kolleg/innen gemeinsam an einen Tisch zu setzten. Neulich kamen mir Zweifel. Eher durch Zufall. Ich musste ein Medikament nehmen, dass mir nicht besonders bekam. Mir war flau im Magen und […]

Was suche ich denn auf Reisen?

Am Ende vielleicht doch nur die Bestätigung meiner Vorurteile? Denn wehe, es scheint keine Sonne in Kalifornien oder die Pariser Kellner sind plötzlich freundlich. Und was ist, wenn mich in Rom die Antike langweilt und in New York das teure Törtchen nicht schmeckt? Der Pazifik plötzlich zahm und die angekündigten Wale untergetaucht sind? Nein, im […]

Da isses!

Ein Gefühl wie Geburtstag. Aber nicht ganz so kindlich-innig, wie ich mir das offensichtlich bewahrt habe (klappt aber auch nicht immer) – auch ein selbst auf den Weg gebrachtes Buch ist am Ende Arbeit. Und an der klebt eben auch immer viel Anstrengung und Enttäuschung. Keine Klage. Ich bin sehr froh. Auch weil es ein […]

Zweimal hingucken

musste ich heute, als ich das Foto auf den Rechner geladen haben, denn ich hatte das Gefühl, eine Collage vor Augen zu haben, zumindest ein bearbeitetes Foto, aber ganz bestimmt kein Schnappschuss vom nachmittäglichen Spaziergang. Doch wirklich: Es ist ein Schnappschuss. Der zeigt, wie collagiert, d.h. verbaut viele Gewerbegebiete sind, in denen mindestens 100 Jahre […]

Rauschen

Meine Tage sind eintönig und die Gedanken rollen gegen die Stirn, ein Gedanke über den anderen. Und alle verschwinden unter dem nächsten und übernächsten wie Wellen am Strand. Wäre ich ein schneller kleiner Strandläufer, würde ich vielleicht den einen oder anderen picken, aber ich bin frühjahrsmüde und starre bloß auf das ganze Hin und Her. […]

Dem Hasen Kunst erklären

Das konnte er gut: Dinge sagen, von denen man im ersten Moment nicht recht wusste, ob man sie richtig verstanden hatte. Capri-Birne? Ich denke sowieso mit dem Knie. Und jeder Mensch – echt jetzt? Heute vor 100 Jahren wurde Joseph Beuys geboren, für rheinländische Kunstgeschichtsstudent/innen eine Größe, an der nicht so einfach vorbei zu kommen […]