Dem Hasen Kunst erklären

Das konnte er gut: Dinge sagen, von denen man im ersten Moment nicht recht wusste, ob man sie richtig verstanden hatte. Capri-Birne? Ich denke sowieso mit dem Knie. Und jeder Mensch – echt jetzt?

Heute vor 100 Jahren wurde Joseph Beuys geboren, für rheinländische Kunstgeschichtsstudent/innen eine Größe, an der nicht so einfach vorbei zu kommen war. Weil er Star Trek schaute, konnte er doch nicht völlig blöd sein, aber was er da machte, pffffff. Ich schwankte oft hin und her. Unverständnis, Ablehnung, Faszination, nicht zuletzt Entspannung: Der ganze Schrott wollte nicht bewundert werden. Der stand eben erratisch bis unübersichtlich in Museen herum und erinnerte an Baustellen oder Brachen, an Orte also, die ich immer ganz gerne mochte.

Eigentlich wollte ich mich heute mal eine Stunde hinsetzten, und mich an meine Begegnungen mit Beuyscher Kunst erinnern. Aber der Tag hat eine komische Abkürzung vorgenommen. Jetzt ist es Abend und ich zu müde. Ich will sehen, dass ich das Vorhaben nachhole. Denn eins ärgert mich schon, wie sehr Beuys jetzt in die rechte Ecke gedrängt wird. Es hat sich gezeigt, dass er seine Biografie geglättet, esoterische und undemokratische Gedanken gedacht oder andere politisch nicht korrekte Ideen hatte. Aber er hatte eben auch einen großen Drang, Dinge zu ändern, andersherum zu denken, und damit vielleicht besser, weil – so würde ich das formulieren – ehrlicher zu machen. Ich hoffe, ich finde Zeit, mir das genauer anzuschauen. Und Ihr so? Habt Ihr Euch an Beuys gestoßen, oder war er einfach egal?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 7

  1. mannigfaltiges 13. Mai 2021

    Beuys?
    Die ganzen Berichte etc. zum hundertsten überblättere ich.
    Also vermutlich ist er mir eher egal…hab mir aber dazu nicht mal Gedanken gemacht.
    PS Buch wurde beim Verlag bestellt, ist aber noch nicht fertig.
    Gruß Erich

    Gefällt 1 Person

    • Stephanie Jaeckel 17. Mai 2021

      Ja, für mich hatte er etwas charismatisches, was gleichzeitig immer ein bisschen „zu viel“ war. Was mir aber immer gefallen hat, war seine Aufsässigkeit der schicken Kunstszene gegenüber. Wenn er kam, wurde es in den ach so feinen Galerien sofort schäbbig. Viele von den Kunstfuzzies fanden ihn fürchterlich, aber er brachte Publikum und Geld, haha.
      Ja, das Buch lässt noch auf sich warten. Heute ist der offizielle Erscheinungstag: hoffen wir mal! Und ich drücke natürlich fest die Daumen, dass es Dir gefällt (ich habe es ja selbst noch nicht gesehen…). Dir eine schöne Woche!

      Gefällt 1 Person

    • Stephanie Jaeckel 17. Mai 2021

      Ja, ich denke, er hat mit seinem „Gerümpel“ und der Liebe zum „Dreck“ zumindest bestimmte Ideen von Schönheit, Ordnung und Gediegenheit der Kunst angefochten. Oder mit seinen schamanischen Anleihen eine neue Sicht auf die indigene Kunst vorweggenommen. Bzw. der traditionellen Nähe von Kunst und Ritus.

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