Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Dein schönster Tag

Diese Frage gibt es ja gelegentlich: Was oder wie wäre dein/ein schönster Tag? Spontan fallen mir alle besten Dinge ein, die sich dann wie in einer Nummernrevue hintereinander weg zu ereignen hätten. Aber in der Realität sind schönste Tage eigentlich die, in denen man etwas wagt, oder solche, die mit einen Haufen Überraschungen aufwarten. Insofern […]

Was ist ein Tag?

Wiederholung? Trott? Ein Kontinuum? Oder eine Abfolge kleinerer Episoden, die durch Licht, Schatten, Gewohnheiten zu einem Ganzen zusammengefügt werden? Ein Plus oder ein Minus? Etwas Neues? Fünf Dinge, die ich heute anders gemacht habe – ? Eine neue Erkenntnis – ? Wie viele Begegnungen, Gespräche? Verloren, weil ich Dich nicht gesehen habe? Kraftgewinn oder -verlust? […]

Größtmögliches Hier und Jetzt

Das bewegt mich besonders, wenn ich obdachlose Menschen sehe. Dass sie oft dazu verdammt sind, Zeit einfach nur zu überbrücken. Natürlich sind die Nächte krass bei Wind und Wetter, die Angst vor Überfällen, der Krach, der Dreck, die Einsamkeit. Tagsüber dauern die kleinsten Dinge die längste Zeit: Körperpflege (wenn überhaupt) zu organisieren, Essen, Kleidung. Aber […]

Entspannt bleiben

Wenn ich eine Woche bei meinem Vater war, ist das Wochenende meist eine Achterbahnfahrt. Zum großen Teil so, wie nach jeder anderen Reise. Doch bin ich meistens müder und dünnhäutiger. Und wenn sich dann noch Pannen einschleichen, brauche ich ein tragfähiges Mantra. Oder einen Fluchtort. Was soll ich sagen? Ein Hoch mehr auf die Amerika […]

Blaue Laune

Ich tanze. Teile die Luft Mit Fingerspitzen Als wäre ich unter Wasser Als Seejungfrau oder doch eher als Ungeheuer mit zarten Gefühlen unterm Schuppenkleid.

Now

Genieße den Moment. So werben jetzt also auch schon Kaffeetassen. Und wer sich nach einem Arztbesuch mit genau so einer Tasse in die noch kalte Sonne setzt, ist zumindest froh, den Moment überhaupt wahrzunehmen. Denn es muss ja schon wieder so viel heute. Ich frage mich: Warum lebe ich so oft haarscharf am eigenen Leben […]

Kreativität

Die Psyche ist eine große Künstlerin. Sie gestaltet Symptome. Ein Symptom ist einzigartig. Ein Symptom ist klüger, als sein*e Schöpfer*in. Ein Symptom ist ein Werk. Ein Kunst-Werk. Es will verstören. Es will Aufmerksamkeit. Es zielt auf ein Publikum.

Sei mal nicht so hysterisch!

Sagt das überhaupt noch jemand? Es scheint tatsächlich, als sei die Hysterie aus dem modernen Leben verschwunden. Nachdem sie zu Beginn der Psychologie Anfang des letzten Jahrhunderts eine so wesentliche Rolle gespielt hat. Doch weg ist sie längst nicht, wie ich gestern von einer Spezialistin gelernt habe. Wie das manchmal so ist in Ausstellungseröffnungen geht: […]

Und wenn mir nichts mehr einfällt?

Paradoxerweise habe ich genau dann, wenn mir so gar nix einfällt, meist zu viel im Kopf. Hundert lose Gedankenfäden hängen mir in die Stirn und es entsteht Flimmern statt klare Gedanken. Ich probiere neue Alltäglichkeiten aus, denn einmal mehr hatte ich mich in zu vielen Pflichten aufgehängt. Wobei es ja nicht ums Nichterfüllen von Pflichten […]