Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Dringend! Eilt!

Vor allem Anliegen anderer scheinen in meinem Leben immer noch Vorfahrt zu haben. Zwar habe ich mir einen „Ich zuerst“-Zettel auf den Rechner geklebt, der fällt aber ob der Wärmeentwicklung regelmäßig runter und verpuzzelt sich unter mehr oder weniger dringenden Anfragen. Allenthalben hat sich schon ein schwacher Reflex ausgebildet, der mich davor bewahrt, sofort zu […]

Der blaue Blick

Sie ist die ungekrönte Königin unseres Hauses, mit tadellosen Manieren, die sie einzig der Queen abgeschaut haben kann – kein unbedachter Kläffer kommt über ihre Lefzen, keine Regung. In einwandfreier Selbstbeherrschung hält sie Hof, ihre „offiziellen“ Tage sind nicht festgelegt und so kommt es, dass Passanten extra die Straßenseite wechseln, um nach ihr Ausschau zu […]

„gebrauchte Zukunft“

Han Solo und Luke Skywalker hätten sicher keine Probleme, in dieses vergammelte Flugzeug einzusteigen und los zu fliegen. Ihr „Erfinder“ Georges Lucas hatte sich für seine Star Wars Filme ein neues Image der Zukunft ausgedacht, eben die „gebrauchte“, schon etwas runtergekommene Zukunft. Mir scheint das bis heute plausibel, sehen doch so mache Maschinenrelikte größer und […]

Sich entfalten

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordung oder das Sittengesetz verstößt. (2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden. […]

Silberstreif am Horizont

Der echte und wahre Silberstreif ist ein natürlicher, d.h. von der Sonne beleuchteter Horizont kurz vor der Dämmerung. Aber mehr Karacho haben Kondensstreifen an einem strahlenden Frühlingshimmel. Was soll’s also!? Und wer gerade einen braucht, bediene sich: es sind genug da!

Mit Schachfiguren Sinfonien schreiben

Wie viele mir wichtige Bücher sind auch die der japanischen Autorin Yoko Ogawa fast unmerklich in mein Leben gekommen. Via Überlauf. So heißen die Regale in der Amerika-Gedenk-Bibliothek, in denen zurückgegebene, aber noch nicht wieder an ihren Platz gestellte Bücher im Lesesaal landen. Ogawas Roman „Der Ringfinger“ kam auf diese Weise auf meinem Büchertisch. „Schwimmen […]

Sonneninseln

Eigentlich wollte ich heute über den brockenschweren Neid schreiben. Aber dann habe ich Marens wundervolle Sonneninseln gesehen und mich erinnert, dass ich ihr vor Monaten eigene Baumbilder versprochen habe. Außerdem ist Wochenende. Soll sich der Neid trollen und mir ein anderes Mal unbequem werden! Hier sind Mini-Inseln aus dem Schlaubetal. Aus dem vorletzten Frühjahr das […]

Leerstellen

Vergessen ist ein aktiver Vorgang. Das habe ich in der Schule gelernt. Es bedeutet, dass fast alle Menschen dauernd was vergessen. In Prüfungen ist es quälend, unterwegs kann die vergessene Adresse ein mittelprächtiges Drama auslösen oder die eigene Improvisationskunst zu Höchstleistungen anstacheln. Wer Momente aus der Kindheit vergessen hat oder solche mit Freunden, die schon […]

Lieblingsstelle

Die Stelle ist markiert durch Erinnerung. Lieblingsstellen im Buch können durch eine eingeknickte Seite oder eine Randnotiz gekennzeichnet sein, die Stelle, an der ich das erste Mal die Stadt betreten oder einen erstaunlichen Fund gemacht habe, wo ich mit dem Fahrrad gestürzt, fast von einem Wildschwein umgeworfen worden oder knapp einer verfrühten Heirat entkommen bin: […]