Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Sonneninseln

Eigentlich wollte ich heute über den brockenschweren Neid schreiben. Aber dann habe ich Marens wundervolle Sonneninseln gesehen und mich erinnert, dass ich ihr vor Monaten eigene Baumbilder versprochen habe. Außerdem ist Wochenende. Soll sich der Neid trollen und mir ein anderes Mal unbequem werden! Hier sind Mini-Inseln aus dem Schlaubetal. Aus dem vorletzten Frühjahr das […]

Leerstellen

Vergessen ist ein aktiver Vorgang. Das habe ich in der Schule gelernt. Es bedeutet, dass fast alle Menschen dauernd was vergessen. In Prüfungen ist es quälend, unterwegs kann die vergessene Adresse ein mittelprächtiges Drama auslösen oder die eigene Improvisationskunst zu Höchstleistungen anstacheln. Wer Momente aus der Kindheit vergessen hat oder solche mit Freunden, die schon […]

Lieblingsstelle

Die Stelle ist markiert durch Erinnerung. Lieblingsstellen im Buch können durch eine eingeknickte Seite oder eine Randnotiz gekennzeichnet sein, die Stelle, an der ich das erste Mal die Stadt betreten oder einen erstaunlichen Fund gemacht habe, wo ich mit dem Fahrrad gestürzt, fast von einem Wildschwein umgeworfen worden oder knapp einer verfrühten Heirat entkommen bin: […]

Träumen, Fortsetzung

Wenn morgens die Träume anbranden und beim ersten Augenaufschlag zurück ins Nachtmeer rollen, wenn noch hier und da eine Schaumkrone übrig bleibt, Fantasiegeflitter oder Fitzelchen machmal nur… gibt es doch immer wieder Überraschungen. Dass ich zum Beispiel immer weiß, ob es ein Traumbild ist oder eine Erinnerung. Dass ich im Traum nie meine „wirkliche“ Arbeit […]

Die Maus drücken

Und wer täte das nicht gerne bei so einer schattentätowierten Frühlingsmaus? Aber schon macht sich Melancholie breit. Denn die Jugend wischt. Wie lang uns die Maus noch erhalten bleibt?

Lesereise

Bislang war die Sache ausgemacht: Wer ein Buch von Wolfgang Büscher aufschlug, musste gut zu Fuß sein. Zumindest mental. Und durfte nicht klagen, wenn es im Menschentempo (was uns heute gerne weniger als ein Schneckentempo vorkommt) durch die leeren, lausigen, mit Geschichte aufgeladenen oder von allen guten Geistern verlassenen Gegenden ging, Wochen, manchmal Monate lang. […]

Migräne

Als ich zum ersten Mal den heiligen Eliphius von Rampillon in seiner Apsis in Groß St. Martin sah, war ich sicher, er müsse der Heilige für Migräniker sein. Ist er nicht. Dass er seinen Kopf so vorsichtig hält, hat damit zu tun, dass er als christlicher Märtyrer enthauptet wurde und nachher noch einen Weg zu […]

Sinnsuche

Ob das Leben in Räumen (oder im Unterschlupf) erst das Nachdenken über Sinn – hm – ob intelligente Lebewesen erst im Schutz vor Wind und Wetter über den Sinn und Unsinn ihres Daseins nachzudenken beginnen? Dieser merkwürdige Gedanken kreuzt seit der Dämmerung meinen Kopf. Fängt man wirklich erst in einer Pause an, über das Erlebte […]

Dinge zusammenbringen.

Das wäre wohl was für Sammler, dachte ich. Archivarinnen. Wobei sich die Dinge dort meist ähneln. Dinge unvorhergesehen zusammenbringen, das wäre dann schon eher was für Erfinder/innen und Künstler/innen, die auf „zufällige Begegnungen“ launern wie die „einer Nähmaschine mit einem Regenschirm auf einem Seziertisch“. Wenn ich meine unaufgeräumte Wohnung betrachte: dito. Oder wenn zwei Menschen ein Paar werden. Würde […]