Ich als Mann?

Als Kind war es ein gewagter Gedanke, mir mich als erwachsene Frau vorzustellen. Heute geht mir manchmal die noch schneidendere Frage durch den Kopf: Wie wäre ich als Mann? Das fängt ja bei Kleinigkeiten an: Welche Klamotten würde ich tragen? Würde ich rauchen? Würde ich mich für meine kleine Wohnung schämen – oder hätte ich gar alles daran gesetzt, eine größere zu bekommen? Hätte ich Kunstgeschichte studiert? Könnte ich kochen? – Welche Frauen würden mir gefallen? Wäre ich sogar verheiratet? Geschieden? Hätte ich dieselben Freundinnen und Freunde? Oder ähnliche? Wie wäre mein Verhältnis zu meinen Eltern? – Welche Bücher würde ich lesen? Hätte ich Winnetou genauso geliebt als Kind? Hätte ich schon eine Glatze? Einen Bauch? Wo wäre ich vielleicht mutiger gewesen? Was hätte ich nie gelernt? Wer wären meine Vorbilder? Ist es so, dass das Ich und das Geschlecht untrennbar ineinander verwoben sind oder eher so, dass das Ich irgendwo aufhört und der Mann oder die Frau beginnt? Besonders gerne wüsste ich, wie ich als Mann aussähe. Vielleicht werde ich nächstes Jahr Karneval endlich mal Pirat.

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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