Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Wie viel Phantasie braucht der Mensch?

Das wüsste ich gerne mal. Oder auch: Was von dem, was in meinem Kopf kreist (auch nachts, in den Träumen) wäre (noch) Phantasie? Schaut man sich um, scheinen Menschen mit sehr wenig auszukommen. Andererseits – um eine Lösung für ein bis dahin noch nicht aufgetretenes Problem zu finden, braucht es welche. Oder gibt es wirklich […]

Der Fisch ist die Sphinx der Katze

Toller Satz! Leider nicht von mir. Er stammt von dem amerikanischen Lyriker Charles Simic, der nicht nur beim Dichten, sondern auch in Essays immer wieder die Frage umkreist, woraus Gedichte entstehen, was sie sind und vor allem: was sie nicht sind. Besagter Satz leitet folgenden – äußerst klärenden – Absatz ein: „Es gibt in der […]

Ein Tod von Tausenden

Über das E-Book-Projekt „1000 Tode schreiben“ des Berliner Frohmann-Verlags habe ich bei einer Bloggerin gelesen. Erst hat mich die Sache nicht interessiert, aber dann rumorte der Text immer lauter in mir. Jetzt bin ich froh, eine Gelegenheit gefunden zu haben, über das Sterben meiner Mutter zu schreiben. Lange dachte ich vom Tod als einem, der […]

Das neue Jahrtausend

Von der Silvesternacht ins Jahr 2000 ist mir vor allem der dichte Nebel in Erinnerung geblieben. Berlin schien abgetaucht, Feuerwerk und die aufgekratzten Stimmen auf den Straßen waren nur zu hören. Nichts änderte sich per Glockenschlag, selbst die Uhren gingen weiter wie gewohnt. Der Nebel lichtet sich. Und ich sehe Dinge, die es nicht ins […]

Traumfische

„Die Nacht ist ein Aquarium, randvoll mit schwarzen Fischen. Du siehst sie nicht, sie schwimmen stumm um den ganzen Tisch herum…“ Hilfe! Nein, so ist es falsch, wie immer, wenn ich Gedichte zitieren will. Sie passen nicht in meinen Kopf, nicht mal kurze. Stets nehme ich die falsche – weil in Wirklichkeit gar nicht vorhandene […]

Kein Ort, nirgends

Spätägyptische Literatur, so dachte ich, sei etwas fürs Fachpublikum. Wie überrascht war ich, rasante Abenteuerromane zu finden, mit allen bis heute üblichen Zutaten (sex and crime), spannend und die Leser/innen ins exotische Ausland führend, hier und da allerdings mit ungewissem Ausgang, da sich (noch) nicht alle Texte rekonstruieren lassen. Hingerissen bin ich von den stereotypen, aber […]

Die Pfütze als Himmelsspiegel

Sollte der einen oder dem anderen die Sache mit dem Frühling zu zögerlich angehen und ein steter Fluch über Regenschauer (natürlich ungebetene) auf den Lippen liegen: Bedenke er oder sie dies: Im 18. Jahrhundert, das uns allenthalben die Aufklärung bescherte, galten Seen, Weiher, große und kleine Wasserflächen als Kommunikationspartner des Himmels. Ob die Aufklärung diese […]

Eine von vielen oder etwas Besonderes?

Als junges Mädchen stand die Antwort für mich fest. Ein besonderes Leben oder gar keins wollte ich führen. Das ist wohl eine Idee, die vor allem in der Provinz wächst und mich in dieser Hinsicht eindeutig als eine von vielen auszeichnete. Immerhin bin ich von zu Hause weg gegangen, habe ein Wolkenkuckucksheimstudium absolviert und derweil […]

Wo ich gerne lese.

Ich dachte, die Sache sei ausgemacht. Als Lieblingsleseort galt mir mein Bett, die Lieblingslesezeit ein freier Morgen, auch die letzte halbe Stunde vor dem Einschlafen. Oder eine langsame Dämmerung mit Kerzenlicht. Aber schärfer nachgedacht, fielen mir ganz andere Orte und Plätze ein, öffentliche Räume vor allem, die mich zu Lesehöchstleistungen brachten, d.h. erstens zu Erinnerungsrekorden […]

Für Augenoptiker

besteht die Welt aus großen und kleinen Buchstaben. Auch die junge Ärztin fand nichts Verdächtiges. Doch ich sehe die Welt – mit und ohne Brille – verlaufen und mit unscharfen Schlieren. Daran werde ich mich wohl gewöhnen müssen. Eine Frage des Alters.