Noch für meine Eltern war der Herbst nicht nur diese schöne goldene Zeit mit Drachensteigen, Kartoffelfeuer und Kastaniensammeln. Obwohl, doch, die Kastanien waren Teil ihres Programms, aber natürlich ging es um Esskastanien. Mein Opa soll morgens schon um Vier aufgestanden sein, um vor der Arbeit in den Park zu gehen, wo es Esskastanien gab. Mit Sack und einem Stock, in der Hoffnung, der Erste zu sein. Nö. Der Stock kam nicht zum Verprügeln der anderen Suchenden mit, sondern um nach den Kastanien zu werfen. Im Dunkeln. Da waren im Keller schon die Äpfel auf jede freie Fläche gelegt, damit sie bis weit in den Winter ohne zu schimmeln durchhalten würden. Eingeweckte Pfirsiche gab es auch. Aber nur wenige Gläser. Ich kann mich auch noch erinnern, dass die Mutter eines Freundes die Spätsommerabende damit verbrachte, Gurken einzulegen.
Mein Leben hat sich von dem jahreszeitlichen Rhythmus völlig entkoppelt. Allein schon, weil ich weder Keller noch Abstellkammer habe. Vorräte horte ich höchstens noch für meine Büroarbeit in Form von Papier, Druckerpatronen, Stiften und Ersatzkabel.
Vorbereitet sein. Das war früher offensichtlich Teil eines Lebens. Heute sind zumindest die praktischen Bedürfnisse ad hoc zu erfüllen. Und wer zu spät kauft oder eine Reise bucht, hat höchstens mit höheren Preisen zu tun, nur weniges lässt sich nicht doch noch irgendwie besorgen. Warum ich überhaupt darauf komme? Einwecken, backen, dörren sind Küchentechniken, die wir gerne wieder aufnehmen. Weil es schmeckt, vielleicht weil es uns an unsere Kindheit erinnert. Weil wir etwas eigenes gegen die vorproduzierten Nahrungsmittel setzen wollen. Im Grunde braucht es dafür jedoch Zeit, die wir meist nicht mehr haben. Es ist altmodisch. Und wie meine Wohnung zeigt, eigentlich nicht vorgesehen. Lachen wir nicht sogar manchmal über Leute mit Hamster- oder Eichhörnchenmentalität?
Es gibt im Neuen Testament die Geschichte von den törichten und den klugen Jungfrauen. Im Grunde hat sie mich immer sehr erschreckt, weil töricht gar nicht mal dumm war, sondern eher im „Hier und Jetzt“, wie es neudeutsch gerne heißt. Während die klugen vorhergesehen hatten, dass nach einem Tag auch eine Nacht kommt, und es sinnvoll ist, das Öl für die Lämpchen für die Dunkelheit aufzubewahren. Eine ähnliche Geschichte gab es für Kinder. Wo die Tiere den Sommer genießen, und nur die, die Vorräte gesammelt haben, während die anderen spielten, über den Winter kommen würden. Mir haben beide Geschichten nie so besonders gut gefallen. Ich hatte immer das Gefühl, dass hier die „Streber“ belohnt würden. Dennoch frage ich mich, ob etwas dran ist, am vorbereitet sein. Ob dieses, scheinbar im Überfluss selbst überflüssig gewordenes Denken und Handeln etwas sein könnte, was wir uns besser wieder draufpacken würden. Und wenn ja, wie? Habt Ihr darüber schon nachgedacht?
P.S. Mir ist mein Eintrag von Gestern versehentlich verloren gegangen. Sorry für die, die schon einen Kommentar geschickt hatten.