Marguerite Duras und Simone de Beauvoir

Alter und Sexualität. Im Grunde sind es diese beiden Themen, die mich bei diesen beiden Schriftstellerinnen fesseln. Die Frage, wie wir Identität herstellen und leben. Warum das Geschlecht nach wie vor eine wesentliche Rolle spielt oder wie und warum wir gerade an dem Punkt auf Polarität bestehen. Scham und Schamlosigkeit sind bei beiden Frauen ein zentrales Thema. Anpassung, Exhibitionismus, Scheitern, sich aussetzen, sich zurücknehmen. In den Texten, aber auch in ihren eigenen Lebensgeschichten. Lust und Einsamkeit. Die Verlorenheit jedes einzelnen Menschen, die bei Marguerite Duras immer wieder im Bild des Ozeans aufleuchtet. Schön und gefährlich zugleich. Modern sind beide, ihre Blicke unverstellt und kühl. Es geht darum, Neuland zu betreten. Auf dem wir heute, wenn wir ehrlich sind, immer noch unterwegs sind. Aber es berührt mich, wie wenig Material zur Verfügung stand und wie Simone de Beauvoir daraus ihre Schlüsse zieht, hier zum Beispiel:

„Die Ansicht, dass bei Frauen der Geschlechtstrieb sehr lange anhält, wird durch die Beobachtungen an lesbischen Frauen bestätigt. Manche behalten über ihr 80. Lebensjahr hinaus erotische Aktivitäten bei. Das beweist, das sie noch sexuellen Begehrens fähig sind, auch wenn sie in den Augen der Männer schon lange nicht mehr begehrenswert sind.“

Und ach, liebe Simone, alte Männer sind je nachdem auch nicht mehr so die Kracher…

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 6

  1. wildgans 12. Oktober 2018

    Alte Männer sind überhaupt nicht der Kracher, nur sausen sie derzeit überall mit ihren Cabrios rum, auf dem Nebensitz ein junges Ding. Da sieht man, was diese Kerle haben…
    Ich finde es gut, sich mit Sex und Erotik im Alter von Frauen zu beschäftigen. Ich rede viel mit meinen Freundinnen darüber. So manche hat schon abgeschlossen damit, andere …naja, frag mal herum!
    🙂

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  2. muetzenfalterin 13. Oktober 2018

    Wie schön, dass Du auch diese Bewunderung, Verehrung für gerade diese beiden Frauen mit mir teilst.
    Und was Sexualität im Alter angeht, ich glaube die große Chance liegt darin, Begehren in Intimität zu verwandeln, es ist dann nicht mehr der makellose vs. gealterte Körper, der Begehren auslöst, sondern die unsterbliche oder wenigstens weiterhin schöne Seele, die der Sexualität zugrunde liegt. Ein wesentlicher, aufregender und grundlegender Wandel.

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