Freie Liebe

Eben lief im Deutschlandfunk ein sehr schönes Feature über den russischen Anarchisten Michail Bakunin und seine sehr junge Frau Antonia. Schön erstens, weil sehr schön gemacht, und zweitens, weil mir die Gedanken Bakunins, vor allem das Zusammendenken von privat und politisch stimmig erscheinen und mir sein absoluter Freiheitsdrang sehr imponiert. So aber, denke ich, möchte ich doch auch sein.

Das folgende Zitat stammt aus dem im Internet veröffentlichten Manuskript zu der Sendung*. Wir hören den Bakunin-Forscher Wolfgang Eckhardt einen Brief Bakunins an seinen Bruder Paul zusammenfassen:

„Lieben bedeutet die Freiheit, die vollkommene Unabhängigkeit eines anderen zu wollen. Der erste Akt wahrer Liebe ist die vollständige Befreiung des geliebten Objekts. Man kann nur jemanden wirklich lieben, der vollkommen frei ist und unabhängig nicht nur von allen anderen, sondern auch und gerade von dem, der ihn liebt und den er selbst liebt. Das ist meine Grundüberzeugung in politischer, sozialer und religiöser Hinsicht. Dies ist auch meine geheime Triebfeder, nicht nur meiner Taten und politischen Bestrebungen, sondern auch, soweit ich es vermag, meines Privatlebens. Denn die Zeiten, in denen man beides trennen konnte, sind längst vorbei.“

 

*Anarchie der Liebe. Die Familie Bakunin. Von Zoran Solomun und Hansi Oostinga Produktion: Dlf 2018

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

    • Stephanie Jaeckel 24. Juni 2018

      Antonia war Bakunins Frau bis zu seinem Tod. Gleichzeitig liebte sie einen jüngeren Mann, von dem alle ihre Kinder stammen. Bakunin adoptierte die Kinder, war aber mit deren Vater ebenfalls eng befreundet. Im Grunde war es eine – wie es scheint funktionierende – Menage à Trois. Das Sendungsmanuskript ist im Internet zu haben. Es erzählt sehr schön Bakunins Geschichte. Ich denke, Du findest es unter dem Titel der Sendung (s.o.).

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