Das gilt für müde Menschen, die nass genieselt abends von der Arbeit kommen ebenso wie für Ofenhocker, die für nichts in der Welt aus den eigenen vier Wänden spazieren wollen. Auch Rousseau war nie im Ausland gewesen, tat aber so, wenn er Urwaldbilder malte: es seien „Mitbringsel“ der einzigen großen Reise, die er je gemacht habe, und die ihn angeblich nach Mexiko führte. Oft dagegen sah man ihn im Botanischen Garten von Paris, wo er zeichnete. Wilde Tiere kannte er aus populärwissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften, einige Motive konnten tatsächlich später nachgewiesen werden.
Rousseau war ein großer Schwindler, was seine Freunde übrigens wussten, auch wenn ihm die meisten von ihnen die Mexiko-Geschichte abnahmen. Vor allem war er ein unterhaltsamer Schwindler – seine Schwindeleien waren ebenso fantastisch wie seine Bilder. Deshalb mochte ihm auch keiner Geltungssucht unterstellen. Er sei, so sagten sie, nicht ganz zu Hause in dieser Welt, ein bisschen verrückt, aber liebenswert.
Und so wurden seine Bilder und seine Person eins: Die fantastische Welt eines etwas vertrottelten kleinen großen Mannes. Selbst als er wegen Bankbetrügereien vor Gericht stand, zog diese Gleichsetzung. Dem Richter wurden Bilder von Rousseau gezeigt, um dessen naive Weltvergessenheit zu beweisen. Der Richter ließ sich überzeugen und sprach den leicht herunter gekommenen, älteren Mann frei. Rousseaus Komplize hingegen, mit dem er die Betrügereien begangen hatte, musste die gesamte Haftstrafe absitzen.
Ab morgen steigt eine riesige Rousseau-Ausstellung im Musée d’Orsay in Paris. Wer Zeit, Geld und Laune hat, sollte unbedingt hinfahren. Die Abbildung habe ich einmal mehr von Wiki genommen.

unserlebenmitemily 21. März 2016
Wunderschön geschrieben :). Man kann das Abenteuer überall finden.
Liebe Grüße,
Isabelle
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Stephanie Jaeckel 21. März 2016
Ja, wer die Schlupflöcher kennt, weiß, wie man jederzeit in einen Urwald kommt! Und wer nicht, kann ja mal Kindern hinterhergehen… 😉
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unserlebenmitemily 22. März 2016
das stimmt. Mit Kindern findet man immer ein Abenteuer.
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