Den Mut haben,

anders zu sein, denke ich manchmal, woher den nehmen? Und woher wissen, dass es nicht bloß Trotz ist oder Überheblichkeit? Ein unscheinbares Anders hinbekommen. Nicht laut, nicht schrill – aber dann: für wen? Nur um der Genugtuung willen: ich bin nicht so wie die? Nein. So kann es nicht sein. Anders zu sein, um nicht dieselben Reflexe zu zeigen, um – ? Um eigene Erfahrungen zu machen, die mehr Wert sind, als alles beigebrachte. Aber sind sie das? Und ist eine Erfahrung nicht bloß Tagesform: mit schlechter Laune so, mit guter Laune gleich ganz anders? Doch, eigene Erfahrungen zu haben lohnt, um nicht zu schnell überstimmt zu werden. Um Fragen nicht gleich über Bord zu werfen. Fragen sind wichtiger als Antworten, ich erinnere mich. Den Mut, Fragen zu haben. Ist das vielleicht ein Motto meines Lebens?

Filed under: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 9

  1. Stephanie Jaeckel 15. Oktober 2015

    Ja, im Grunde ist es ein und dasselbe. Ich merke nur, dass Selbst-Sein oft mit dem Konsens der eigenen Freunde oder der Kreise, in denen man sich bewegt, quer stehen kann. Und dann ist eben die Frage: Äußere ich mein Anderssein = Selbstsein und mache ich mich damit unbeliebt oder missverständlich, oder halte ich den Mund? Ich hatte neulich zum Beispiel in einer Runde Freundinnen (und Freundinnen von Freundinnen von Freundinnen) gesagt, dass ich Kids verstehen kann, die bei Primark einkaufen. Ich wollte damit nicht sagen, dass ich Primark gut finde, dass ich da meine Kinder hinschicken würde, etc. Aber es war für mich so offensichtlich gewesen, welchen Spass sie da hatten, in Grüppchen und auch alleine, das mich das richtig umgehauen hat. Tatsächlich gab es Frauen am Tisch, die danach den ganzen Abend nicht mehr mit mir geredet haben. Habe ich den Mut, das noch mal (vielleicht mit einem anderen Thema) zu machen? Hat es überhaupt Sinn? Ja, ja, nein, vielleicht… Ich bin da halt noch nicht so ganz sicher.

    Gefällt mir

  2. Stephanie Jaeckel 15. Oktober 2015

    Ja, klar, ich halte Querstehen für einen Abend gut aus, und auch, wenn ich die eine oder andere noch mal wieder sehe. Es ist ja grundsätzlich interessant, wenn ein Meinungsunterschied auftaucht, wo man gar keinen vermutet. Aber ich bin in verbalen Schlagabtäuschen (heißt das so?) nicht besonders gut, vor allem schnell unsicher, wenn ich mit meiner Sicht der Dinge alleine stehe. Da frage ich mich dann, muss das sein? Und vor allem: für was? Da bin ich dann wieder bei der Frage nach dem Mut. Oder nach meinem Selbstverständnis: Wie viel will ich von mir zeigen – und wem?

    Gefällt mir

  3. mickzwo 15. Oktober 2015

    Oft ist es eine Frage der Zeit. Es dauert schon, bis man seinen Weg gefunden hat. Man sollte dem Tempo der anderen eher skeptisch gegenüber stehen. Man kann sowieso nicht gegen sein eigenes Lied anpfeifen. Das macht die Sache nicht unbedingt leicht. Aber es lohnt sich zu horchen, was man selbst so fühlt. Nur dann hat man die Kraft auf andere offen zu zu gehen. Oder zu schweigen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s