Schlagwort: Lieblingsstücke

Beste Freundinnen

Simone de Beauvoir? Ich dachte, ich wäre fertig mit ihr. Eine wichtige Lektüre während der Studienzeit, gewiss. Ich habe Romanistik studiert und ja, natürlich wollte ich mir meinen Platz im Leben erobern. Als Frau. Da war Simone eine wichtige Stimme. Die mir vor allem anderen von Dingen erzählte, die um mich herum Gang und Gäbe […]

Die Erfindung der Natur

Lange war Natur einfach nur. Als sich die Menschen anschickten, sie genauer zu betrachten und zu verstehen, war sie schon auf dem Rückzug. Bereits im 17. Jahrhundert hatte man verschiedene Tierarten ausgerottet und wusste es auch. Doch erst Alexander von Humboldt, jener „letzte Universalgelehrte“ Europas, als der er in den Jahrzehnten nach seinem Tod auch […]

Orange (3. Teil)

Es muss an der Jahreszeit liegen: In den Supermärkten quellen die Obstkisten über mit Orangen, Nektarinen, Mandarinen und zart rosenwangigen Pampelmusen. Und wenn draußen eine Farbe aufleuchtet, ist es mindestens jedes zweite mal ein Orange. Diesen eindrucksvollen Ausguck (tatsächlich, d.h. in der Architektensprache so etwas wie ein Lichtschacht) habe ich in dem zweiten schönsten Gebäude […]

Sie dürfen Ihren Augen ruhig trauen!

Aber (ab jetzt!) nicht mehr Ihren Gedanken. Dieser Strauß verschieden lebender Blätter stand vor ein paar Jahren im Frühstücksraum der Präparatoren am hiesigen Museum für Naturkunde. Die Blätter, so wurde mir von den Herren (kein Frauenberuf das Aufbalgen von totem Fell und Federkleid – bis heute?), blieben im Strauss hocken, allerdings sah ich ringsum und […]

Kreuzende Gedanken

Sie waren gleichzeitig da, die Ideen, Bilder von Bäumen in Städten vorzustellen und die von „ersten Sätzen“, auf die mich meine Freundin Sieglinde gebracht hat, und die mich zu einer neuen Sammelleidenschaft führte, die längst weit über das erste Stück (s. Blogeintrag vom 22.09.) hinaus reicht. Und was passiert, wenn zwei Gedanken pfeilschnell und gleichzeitig […]

Der Traum der Könige

Es waren ausdrücklich Ausländer, die in dem neugeborenen Jesuskind den Sohn Gottes erkannten, Weise aus dem Orient, die seinen Stern hatten aufgehen sehen, wie es im Matthäus-Evangelium (und ausschließlich da) berichtet wird. Sie machten sich auf den Weg, folgten dem Stern, sahen das Kind, fielen vor ihm nieder und huldigten ihm (von sehr großer Freude […]

Nachts, am Fluss

Manchmal gelange ich abends an einen Fluss. Es ist ein tropischer Fluss, der vor einem hohen Wald in der Dämmerung liegt. An einer einfachen Anlegestelle sind Boote vertäut. Boote ohne Ruder, in die man einsteigt und sich hinlegt. Wer es losmacht, habe ich noch nie gesehen. Ich bekomme einen kleinen Schubs und schon treibt das […]

„Ich sagte: grau – gestern…“

Und ich bin längst nicht die erste, die das schreibt, denn es handelt sich (die Anführungsstriche rufen es laut aus!) tatsächlich um ein Zitat. Rainer Maria Rilke beginnt mit diesem Satz einen Brief vom 24. Oktober 1907 an seine Frau. Und es ist keineswegs das Grau des Alltags, auf das er noch einmal zurückkommt, sondern […]