Melancholischer Herbst

wie mittlerweile jedes Jahr. Die Farben und Düfte explodieren, die Sinne sind wieder wach (nach den Hitzetagen des Sommers), die Tage haben etwas mildes, dösiges, wäre da nicht dieser kalte Luftzug, gelegentlich, ich würde fast denken, es sei das Paradies. – Es ist fast so, kaum erreiche ich das Schönste im Leben, ist es auch schon vorbei.

Hello back…

Wer vom Schreiben lebt, schreibt sich auch schon mal vor die Wand. Die letzten Wochen waren ein ziemlicher Marathon, abends hatte ich das Gefühl, kein Buchstabe ist noch für die Klunker. übrig. Was schade war, denn ich bin gerne hier. Einfach auch, um zu schauen, wie es Euch geht, was Ihr erlebt, macht, von was Ihr erzählt. Und natürlich auch, um mir beim Schreiben hier und da überhaupt klar zu werden, was ich gerade mache. Für heute ist das Programm schon gesteckt: Orangen-Mandel-Kuchen backen und lesen, lesen, lesen. Euch allen ein schönes Wochenende!

Und wer erkennt,

wo ich letztes Wochenende war, um nach der documenta 15 dann doch nochmal Kunst zu sehen? Achtung Spoiler: Das Foto zeigt keine Kunst. Gibt aber einen Hinweis…

Das geht noch weiter

Denn mir scheint, mit dem Nicht-Denken-Können hat es mehr auf sich, als müdes Lamento. Ich würde sagen, ich habe bislang Verstehen gelernt. Nicht denken. Vielleicht sind mir die Gelegenheiten nicht aufgefallen, die Türen, durch die es zum Denken ging. Aber ich vermute, Verstehen hat die meiste Zeit gereicht. Um irgendwie durch- bzw. ein Stück weiter zu kommen.

Wie aber weiter? Was wäre so ein erster Trainings-Knochen für eigenes Denken?

Habt Ihr Antworten? Oder: Woran denkt Ihr so gerade?

Dämonenfänger

Heute ist Goethes Geburtstag. Der Sommer neigt sich dem Ende zu. Mein Herz ist leer.

Ich weiß es nicht.

Ich kann einfach nicht komplex denken.

Ich kann eigentlich gar nicht denken.

Wo wäre das noch zu lernen?

Überhaupt?

Einsamkeit und Liebe

Wann begreife und akzeptiere ich, dass diese beiden Begriffe zusammengehören wie die beiden Seiten einer Medaille? Partnerschaften sind das Eine. Und eine höchste Kunst. Liebe gehört in Partnerschaften. Liebe teilen auch. Aber.

Am Ende bleibe ich damit alleine.

Partnerschaft braucht Kommunikation, Offenheit in guten wie in schlechten Zeiten.

Meine Liebe jedoch steht außerhalb der Zeit. Sie hat andere Regeln. Sie läßt sich nicht verhandeln.

Sie verlangt, dass ich nicht klüger bin als mein Gegenüber. Dass ich Enttäuschungen ebenso akzeptiere wie große Begeisterung. Eine Form von Demut wahrscheinlich. Und das hat nichts mit sich kleinmachen zu tun. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn ich auch die fiesen Seiten eines Gegenübers akzeptiere, bin ich nicht schwach, sondern kann mich im Fall leichter trennen, weil ich mich nicht verstrickt habe. Das bedeutet nicht, dass mich mich nicht einlasse. Das bedeutet, dass ich Abstand halte.

Bei großer Begeisterung und großer Enttäuschung ist es besonders schwierig, Abstand zu halten. Ich möchte Begeisterung halten und Enttäuschung überwinden. Aber das wäre wohl so, wie sich gegen einen aufziehenden Sturm zu stellen. Große Gefühle kommen und gehen.

Ich liebe und ich bin einsam. Gleich muss ich putzen, waschen und die Hofparty für heute Abend vorbereiten. Ich möchte zwei Texte schreiben und unbedingt noch etwas lesen. Und über meinen Traum von letzter Nacht noch einmal nachdenken. Darin kam ein Freund, der vor 12 Jahren gestorben ist, plötzlich lebendig wieder zum Vorschein. Ich war zum Bersten glücklich. Auch nach dem Aufwachen. Weil auch diese Freundschafts-Liebe außerhalb der Zeit steht. Und mir in meiner Einsamkeit größte Momente beschert.

„Im August fallen die Sterne“

Diese Gedichtzeile von Sarah Kirsch bringt meine August-Stimmung auf den Punkt. Denn jetzt ist der Sommer da in seiner ganzen Pracht, er neigt sich aber auch schon wieder, die Nächte werden länger. Die Sterne fallen und damit wird ein Ende eingeleitet: der melancholische Teil des Jahres beginnt für mich immer schon jetzt, nicht erst im milder werdenden Licht von September und Oktober. Gleichzeitig ist es eine Hochzeit. Sterntaler, Sterntaler! Wer klug ist, breitet jetzt seine Schürze aus. Und geht abends noch einmal aus: die milden Sommernächte sind bald schon wieder vorbei.

Löcher der Erinnerung

Ich war letztes Wochenende in meiner Heimatstadt. Wie schon das Mal davor, ist ein Faden gerissen. Klar, ich kenne die Stadt nach wie vor, fühle mich sogar auf eine Art und Weise dort immer noch zu Hause. Aber die Selbstverständlichkeit, dort zu sein, die sich über Jahrzehnte noch erhalten hatte, ist futsch. Dieses Mal gab es plötzliche Momente des Erinnerns, die sich tatsächlich wie Löcher anfühlten, in die ich hinein fiel. So wie Wurmlöcher, mit denen man in der Zeit reist. In dem Fall in die Vergangenheit, oder besser – in einen Ort der nichtlinearen Zeit, denn ich hatte das Gefühl, nicht wieder Kind zu sein, sondern gleichzeitig (sorry, kann ich nicht besser beschreiben). Es war ein merkwürdiger Zustand (jajajaja, es war auch heiß,…), von dem ich dachte, ich altere nicht mehr, sondern bin jetzt erst auf der Erde angekommen. O.K. klingt arg nach Wunschdenken (denn natürlich altere ich). Aber es hatte so etwas enorm erleichterndes, an dem ich erst noch einmal festhalten möchte. Der Eindruck, der linearen Zeit – wenn auch nur kurz – entkommen zu sein.