Aber ja, doch!

Pause machen geht immer. Auch wenn es ringsum nicht danach aussieht. Die Augen aufmachen, und die Gelegenheit finden. Es ist besser, einen kleinen Zwischenstopp zu machen, als mit hängender Zunge vor dem Ziel umzufallen. Pause machen!

Im Zauberwald

Seit Tagen sitze ich nur noch am Schreibtisch. Mit der Ausnahme, dass ich fast alle Termine zu Fuß erreiche. Das dauert (ich lebe in Berlin), birgt aber schönste Momente, zum Beispiel heute morgen im Tiergarten, wo alles noch im Raureif glänzte, als wäre eine Zauberfee nachts durchs Geäst geflogen.

Raus aus dem Nest!

Das Wochenende taugt ja schon mal für große Gedanken. Immerhin ist der Tisch leer geräumt und über weite Oberflächen lässt sich gut über den Tellerrand schauen. Die Museen der Zukunft. Jawohl. Das sollte die Kunsthistorikerin schon interessieren, auch wenn Kollege Hubertus Kohle düster ahnt, dass man

„ja auch nicht die Fische fragt, ob man den See trocken legen soll.“

Neben diesem entzückenden Zitat finden sich in dem Essay (am 30. November im Perlentaucher veröffentlicht) Gedanken zum Veränderungspotential von Museen, denn so viel scheint klar: Das Konzept des 18. bzw. 19. Jahrhunderts hat ausgedient. Ob es in Richtung Amüsement geht, auf die Besucher zu oder in eine entgegengesetzte Richtung, hin zu einem auratischen Raum, markiert den Weg von Kohles Betrachtungen. Und ich denke mir so meinen Teil, immerhin bin ich Teil des Betriebs, wenn auch nur ein kleiner. Schön – und in typischer Kunsthistorikermanier formuliert – eine Beobachtung, die so allgemeingültig ist, und so bedenkenswert, dass ich sie hier wiederholen möchte:

„(…) an eine Erfahrung werden wir uns gewöhnen müssen, die die Moderne immer schon geprägt hat (…): Die Dinge werden sich immer schneller verändern. Es steht außer Frage, dass sich hier ein anthropologisches Problem erster Güte stellt, das auch im politischen Raum noch manche unangenehme Überraschung bereithalten wird. Denn wir neigen dazu, uns eher in verstetigten Verhältnissen wohl zu fühlen als in permanent sich wandelnden.“

Also, was soll ich sagen? Raus aus dem Nest. Und schauen, wo’s weiter geht. Einen guten Start in die Woche!

Am Ende

sind es eben doch die einfachsten Dinge, die die steilsten Höhenflüge ermöglichen. In diesem Sinne einen schönen 2. Advent!

There we have the salad

Natürlich habe ich darüber gelacht, was Schüler/innen so in ihren Klausuren schreiben. (war heute auf Spiegel online zu lesen). Natürlich bin ich unbedingt für Fremdsprachenunterricht an den Schulen (egal welchen) und für ein „richtiges“ Lernen und nicht bloß für ein alle unterforderndes Sich-Herantasten ans Ungefähre. Dennoch möchte ich zu bedenken geben, dass Kinder, die solche Sätze basteln, oft diejenigen sind, die schneller in fremde Sprachen eintauchen. Eben weil sie nicht so eine Angst davor haben, krasse Fehler zu machen (ich gehörte leider zu letzteren und habe als noch sehr junger Mensch den Mund im Ausland kaum aufgemacht). Später war wahrscheinlich auch deshalb mein Englisch katastrophal und ich musste (und muss immer wieder) das harte Geschäft des Neu- oder Wiederlernens auf mich nehmen.

Eine erste Erfahrung mit dem Englischen hatte ich übrigens mit einer Polin. Das Tolle war: Sie sprach eigentlich genau wie ich. Ich meine: ich sprach einfach Deutsch auf Englisch und sie verstand mich. Mit Japaner/innen habe ich eine ähnliche Erfahrung gemacht, allerdings meist mit einem wesentlich reduzierterem Wortschatz auf beiden Seiten (es ging jeweils um Fachfragen). Ich sprach einfach das, von dem ich annahm, das könnte Englisch sein und bekam erstaunlich viele Antworten, mit denen ich etwas anfangen konnte. Und hier nochmal nein: Ich plädiere jetzt nicht für das Irgendwie im Sprachunterricht. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man auch mit grammatikalisch nicht abgesicherten Wortgebilden kommunizieren kann. Und dazu möchte ich jeder und jedem raten. Denn Sprachen lernen sich besonders leicht durch sprechen…

Frisch schlägt geballt

Nein, ich habe die Schachweltmeisterschaft nicht wirklich verfolgt. Aber das Resümee, das ich eben las, erinnert mich an meine eigene Arbeit, bzw. meine Vorbereitung auf harte Tage. Seien das Verhandlungen, Studiotermine, Schreiben unter schwierigen Bedingungen und in extremer Zeitnot. Kurz, auf Arbeitszeit, in der es auf Geistesgegenwärtigkeit ankommt, auf das richtige Timing auf die beste Idee ohne doppelten Boden. Prüfungssituationen im weitesten Sinn. Magnus Carlsen, der zum dritten Mal Weltmeister wurde, scheint auf Entspannung gesetzt zu haben vor den entscheidenden letzten Matches. Während sein Herausforderer sich auch in der freien Zeit in verzwickte Möglichkeiten, Varianten, Zügen vertieft hat.

Ob es wirklich das Ergebnis beeinflusst hat, weiß ich nicht. Aber es gibt mir einen Hinweis fürs eigene Vorgehen. Früher schon sagten uns die Lehrer/innen, dass es einen Tag vor der Klausur auch nicht mehr helfe, wie bekloppt zu lernen. Aber genau das habe ich auch noch im Studium immer wieder gemacht. Und hallo! Natürlich hat es geholfen. Ob man nix weiß oder etwas, doch, das kann schon zwei Noten Unterschied rausholen. Aber es stimmt. Zumindest, wenn man im eigenen Beruf gefordert ist, den man schon ein paar Jährchen ausübt. Da ist der klare Blick wichtiger, als bis zum Rand mit Varianten vollgestopft zu sein. Weil die Entscheidungen in Momenten fallen und nicht mit Ansage. Schwierig. Weil man in den Tagen vor den wichtigen Terminen unruhig ist. Und alles so gut wie möglich machen möchte. Und dann eher nichts tun. Mal sehen. Ich werde es beim nächsten Mal ausdrücklich so machen.

P.S. Ich habe gerade gelesen: Carlsen schläft jede Nacht 10 Stunden. Das erleichtert mich ungeheuer. Denn diesen Luxus leiste ich mir auch. Ach so, und – Gute Nacht!

Aufmerksamer Leser

Er heißt auch Kimmo, wie die Hauptfigur meiner Kindergeschichten und er ist jetzt sechs Jahre alt. Seine Mama, meine Freundin Antje, hat ihm die ersten Kapitel der neuen Story vorgelesen, wo die Reise nach Kiel geht und dort ins Aquarium, in dem die Kinder Heringe sehen, Haie, und futzelkleine Tiefseefische. Und was fragt das kluge Kind: „Aber Mama, wie geht man denn in ein Aquarium?“ Jajajaja. Wir Erwachsenen müssen beim Schreiben immer wieder in die Knie gehen (nicht wegen dem kürzeren Horizont, sondern wegen der größeren Präzision).

Take time

Wenn etwas wirklich wichtig ist – egal ob privat oder „dienstlich“ – besser gleich Zeit dafür nehmen, statt zu verschieben. Wer zum Beispiel gerne Geschenke verpackt, kann jetzt schon anfangen. Oder, oder, oder…

Advent

Ganz früher begann jetzt der Count-Down für die Bescherung. Dann war es lange Zeit nur dunkel und kalt. Die letzten Jahre war es ein Rennen gegen die Zeit. Dieses Jahr möchte ich innehalten. Heute mittag zum Beispiel habe ich stundenlang den über den Himmel rasenden Wolken nachgeschaut. Wie sie das Licht einer tief stehenden Spätherbstsonne in mein Zimmer reflektieren. Wie schnell sich die Kondensstreifen der Flugzeuge auflösen, einmal durch das blaue Hofquadrat geflogen und schon wieder weg. Innehalten und überlegen, was wichtig bleibt nach diesem Jahr. Was vielleicht besser zu den Akten gelegt wird. Und natürlich noch spülen… Euch allen eine schöne Adventszeit.