to leave

Ich beschäftige mich gerade mit der US-amerikanischen Künstlerin R.H. Quaytman. In einem Interview beantwortet sie die Frage, welches ihre Lieblingbewegung sei, mit „to leave“. Mir hat diese Antwort einen regelrechten Schock versetzt, weil abreisen, weggehen, Abschied nehmen sind gerade die Momente, die mir – meist zumindest – schwer zusetzen. Ich verlasse keinen Ort und keinen Menschen gerne (vorausgesetzt ich mag Ort und Mensch), ich muss mir jedes Mal einen Ruck geben, auch wenn eine Rückkehr oder ein Wiedersehen schon in Aussicht steht.

Ich komme natürlich ins Grübeln. Weil weggehen ja auch aufbrechen ist. Oder losgehen. In Bewegung kommen. Tatsächlich macht mich ein Abschiedsschmerz oder eine Abreise oft knallwach. Und oft begegne ich bei Abreisen anderen Menschen, die ich sonst – also ohne Reise und Abreise – wohl nie kennengelernt hätte. Und mir kommt noch ein Gedanke. Ich fahre ja bald nach Kalifornien. Mir wird eins sehr klar. Das ist eine Reise, von der ich nicht zurückkommen könnte. Ich habe nämlich auch ein unendlich großes Fernweh in mir. So dass ich einmal abreisen und dann nie wieder kommen könnte. Ein ziemlich befreiende Gefühl, wenn ich ehrlich bin.

Mit dem Verlassen-Werden ist es mir übrigens ähnlich gegangen. Denn es war auch jedes Mal eine Befreiung. Und jedes Mal der Moment, mich wieder neu zusammenzustecken. Wie der umgeschmissene Bauklötzchenturm, der jedes Mal in einer etwas anderen Form wieder aufgebaut wird. Doch. Gelegentliche Zusammenstürze können etwas Besseres hervorbringen. Ohne jetzt auf den Selbstoptimierungszug aufzuspringen. Was noch? Morgen ist Karfreitag. Auch so ein Abschiedstag. Ich bin gespannt.

Putzen

Es ist Frühling. Und damit geht es wieder los. Das Putzen. Denn nichts ist unerbittlicher als die noch tief stehende Sonne im März, April und Mai. Jede Schmutzspur, ach was, jedes Stäubchen ist jetzt zu sehen! Und weil bei uns Putzen nicht auf dem Lehrplan steht, geht wahrscheinlich jeder und jede das Schmutz- und Staubphänomen (wer wird hier schon von Problemen reden?) mit ureigensten Methoden an. Schade eigentlich. Ich wüsste wirklich gerne mehr. Und auch wenn ich zu den eher heiteren Putzer/innen gehöre, die entspannen können wenn es ums Saubermachen geht, es macht mir manchmal eben doch etwas aus, dass nach drei oder vier Tagen die ganze Prozedur schon wieder für die Katze ist und ich mal wieder zu Lappen, Eimer oder Besen und Kehrblech greife. Doch, Putzen verlangt eine Haltung. Jaja, Nicht-Putzen auch. Putzen ist zudem verpönt als Arme-Leute-Arbeit. Als Spießer-Hobby. Als etwas, das man nicht vor anderen erwähnt. Komischerweise ist Kochen mittlerweile en vogue. Auch Gärtnern. Aber Putzen? Ich gebe zu, ich achte darauf, ob Menschen (auch Kinder) putzen können. Oder sagen wir besser, wie sie etwas sauber machen. Es kann mich begeistern, wenn jemand mit geübten Handgriffen eine Pfanne säubert oder einen Staubsaugerbeutel wechselt. Hm? Natürlich geht es um Sauberkeit. Aber es geht eben auch um Zeit. Meine eigene und die der ewigen Wiederkehr (des Schmutzes). Ich mag es, wenn Leute ihre Zeit mit oder gegen Schmutz verbringen. Weil es eine Art Meditation ist. Weil es eine Tätigkeit ist, die nicht zuzuordnen ist. Bei mir ist es meist „Freizeit“, es ist auf eine Art „Action“, aber eben auch Arbeit – am ehesten wohl eine Dienstleistung. Doch: Eine der vielen Kochshows im Fernsehen könnte meinetwegen gerne umsatteln in eine Putzshow.  In dem auch der jeweils spezifische Schmutz seine Geschichten erzählen könnte.

 

Zu dem Foto: Auch Putzmittel wollen geputzt sein. Wer wäscht sich schon gerne die Hände mit dreckverschmierter Seife???

Verlorenheit

ist vielleicht das letzte, was wir uns anmerken lassen wollen. Doch ist Verlorenheit vielleicht auch der grundlegendste Zustand, den wir Menschen auf dieser Welt kennen.

Entdecker und Abenteurerinnen

Was wir Erwachsenen manchmal vergessen: Alle kleinen Kinder sind Entdecker und Abenteurerinnen in eigener Sache. Jedes Kind erschließt sich unseren Planeten aufs Neue. Was für eine Leistung! Und wie schade, dass wir die Erkenntnisse aus den kleinen Köpfen nicht bergen können. Ich wette, wir bekämen mächtig was zu staunen.

Und dann das!

Das Brandenburger Tor soll, las ich gerade, nicht angestrahlt werden in den Nationalfarben Russlands, wie es sonst, nach Terroranschlägen in Nachbarländern der Fall ist. Pffff – ??? Nicht, dass ich unbedingt für symbolträchtige Lichtgestaltung wäre. Aber – natürlich denken wir auch an die Toten von St. Petersburg.

Liebeserklärung an eine Stadt

Ja, auch das gehört zu meinen jährlichen Frühlingsgefühlen: ich verliebe mich ein übers andere Jahr neu in Berlin. Laut, grau, groß und winters arg griesgrämig. Aber dann, einmal durchatmen (Berliner Luft) und alles ist groß und hell und der Horizont ist über die Globuskante geschoben – keine Ahnung, wie das vor sich geht, ist aber jedes Jahr wieder zu sehen. Mit bloßen Augen. Irgendwo anders wäre ich auch eine ganz andere geworden. Nicht unbedingt zu meinen Gunsten – da bin ich mir sicher.