Putzen

Es ist Frühling. Und damit geht es wieder los. Das Putzen. Denn nichts ist unerbittlicher als die noch tief stehende Sonne im März, April und Mai. Jede Schmutzspur, ach was, jedes Stäubchen ist jetzt zu sehen! Und weil bei uns Putzen nicht auf dem Lehrplan steht, geht wahrscheinlich jeder und jede das Schmutz- und Staubphänomen (wer wird hier schon von Problemen reden?) mit ureigensten Methoden an. Schade eigentlich. Ich wüsste wirklich gerne mehr. Und auch wenn ich zu den eher heiteren Putzer/innen gehöre, die entspannen können wenn es ums Saubermachen geht, es macht mir manchmal eben doch etwas aus, dass nach drei oder vier Tagen die ganze Prozedur schon wieder für die Katze ist und ich mal wieder zu Lappen, Eimer oder Besen und Kehrblech greife. Doch, Putzen verlangt eine Haltung. Jaja, Nicht-Putzen auch. Putzen ist zudem verpönt als Arme-Leute-Arbeit. Als Spießer-Hobby. Als etwas, das man nicht vor anderen erwähnt. Komischerweise ist Kochen mittlerweile en vogue. Auch Gärtnern. Aber Putzen? Ich gebe zu, ich achte darauf, ob Menschen (auch Kinder) putzen können. Oder sagen wir besser, wie sie etwas sauber machen. Es kann mich begeistern, wenn jemand mit geübten Handgriffen eine Pfanne säubert oder einen Staubsaugerbeutel wechselt. Hm? Natürlich geht es um Sauberkeit. Aber es geht eben auch um Zeit. Meine eigene und die der ewigen Wiederkehr (des Schmutzes). Ich mag es, wenn Leute ihre Zeit mit oder gegen Schmutz verbringen. Weil es eine Art Meditation ist. Weil es eine Tätigkeit ist, die nicht zuzuordnen ist. Bei mir ist es meist „Freizeit“, es ist auf eine Art „Action“, aber eben auch Arbeit – am ehesten wohl eine Dienstleistung. Doch: Eine der vielen Kochshows im Fernsehen könnte meinetwegen gerne umsatteln in eine Putzshow.  In dem auch der jeweils spezifische Schmutz seine Geschichten erzählen könnte.

 

Zu dem Foto: Auch Putzmittel wollen geputzt sein. Wer wäscht sich schon gerne die Hände mit dreckverschmierter Seife???

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 13

  1. wolkenbeobachterin 12. April 2017

    mir geistert auch schon diese putz-show-idee seit gestern durch den kopf. ich sehe vor mir diese schwarzlichter, mit denen die jury nach dem großen wisch-wasch durchs zum beispiel bad geht und mit weißen handschuhen dann in die kamera sagen: da sieht man deutlich, da ist nicht gründlich geputzt. und wie sie dann mit ebenjenen weißen handschuhen über türleisten wischen und nach punkten auf dem fenster suchen, nach dem fensterputzen. und am ende gäbe es nach jeder aufgabe von jedem kandidaten oder einer spezialistin/einem spezialisten die besten putztipps für die gartenlaube oder kleine badezimmmer o.ä.
    da hast du was losgetreten mit deinem kleinen text da oben. 🙂

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    • Stephanie Jaeckel 12. April 2017

      Mir fällt gerade ein, es gab einmal das große Putzen im Fernsehen. Allerdings „nur“ in der Werbung, und auch da „nur“ das Zähneputzen. Aber da bekamen die Putzer eine rote Tablette, die sie nach dem Putzen mit der falschen (!) Zahnpasta zerkauen mussten: Alles rot! Ja. Sowas ginge vielleicht auch. So ein Zauberspray und wo nicht richtig geputzt ist: Alles rot! – Aber im Ernst: Putztipps für kleine Badezimmer sind immer herzlich willkommen…

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  2. agnes p. 12. April 2017

    Schön, wie heiter das Thema Putzen hier zur Diskussion anregt; mich ja auch 😉
    Ich habe gern geputzt, früher, bevor ich Familie hatte – da war das wirklich Freizeit und Entspannung. Mit Familie dann habe ich es zunehmend als Last empfunden – die wenige freie Zeit mit Saubermachen verplempern?!?
    Aber ich will mal wieder versuchen, das Reinemachen zur entspannenden Freizeitgestaltung umzudeuten.
    Wenn den Fernsehmenschen die Ideen für Dschungelcamps und Superstar ausgegangen sind – eine Putzshow könnte sicher viele wieder vor die Glotze locken.

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    • Stephanie Jaeckel 14. April 2017

      Das kann ich mir gut vorstellen, dass es dreimal so schwer ist, die Unordnung und den Dreck von anderen Familienmitglieder regelmäßig zu beseitigen. Es ist natürlich auch mehr Arbeit. Wenn ich abends spüle, habe ich höchstens mal vor zwei gekocht. Und schon das überfordert mich… aber eben. Ich kann auch mit Überforderungen rumkommen. Indem ich sie umdeute zum Beispiel. Und eins ist beim Putzen ja wirklich phänomenal: Das gute Gefühl, wenn es wieder sauber oder aufgeräumt ist. Frohe Ostern!

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