to leave

Ich beschäftige mich gerade mit der US-amerikanischen Künstlerin R.H. Quaytman. In einem Interview beantwortet sie die Frage, welches ihre Lieblingbewegung sei, mit „to leave“. Mir hat diese Antwort einen regelrechten Schock versetzt, weil abreisen, weggehen, Abschied nehmen sind gerade die Momente, die mir – meist zumindest – schwer zusetzen. Ich verlasse keinen Ort und keinen Menschen gerne (vorausgesetzt ich mag Ort und Mensch), ich muss mir jedes Mal einen Ruck geben, auch wenn eine Rückkehr oder ein Wiedersehen schon in Aussicht steht.

Ich komme natürlich ins Grübeln. Weil weggehen ja auch aufbrechen ist. Oder losgehen. In Bewegung kommen. Tatsächlich macht mich ein Abschiedsschmerz oder eine Abreise oft knallwach. Und oft begegne ich bei Abreisen anderen Menschen, die ich sonst – also ohne Reise und Abreise – wohl nie kennengelernt hätte. Und mir kommt noch ein Gedanke. Ich fahre ja bald nach Kalifornien. Mir wird eins sehr klar. Das ist eine Reise, von der ich nicht zurückkommen könnte. Ich habe nämlich auch ein unendlich großes Fernweh in mir. So dass ich einmal abreisen und dann nie wieder kommen könnte. Ein ziemlich befreiende Gefühl, wenn ich ehrlich bin.

Mit dem Verlassen-Werden ist es mir übrigens ähnlich gegangen. Denn es war auch jedes Mal eine Befreiung. Und jedes Mal der Moment, mich wieder neu zusammenzustecken. Wie der umgeschmissene Bauklötzchenturm, der jedes Mal in einer etwas anderen Form wieder aufgebaut wird. Doch. Gelegentliche Zusammenstürze können etwas Besseres hervorbringen. Ohne jetzt auf den Selbstoptimierungszug aufzuspringen. Was noch? Morgen ist Karfreitag. Auch so ein Abschiedstag. Ich bin gespannt.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 6

  1. wolkenbeobachterin 13. April 2017

    to leave – bedeutet auch: ungute situationen verlassen, oder ungute beziehungen. es bedeutet auch: an einen schöneren ort ziehen oder woanders neu beginnen. oder: einen besseren job anfangen. es steckt eine menge drin im „to leave“. es gibt auch die redewendung: leave it as it is. also alles so lassen, wie es ist. manchmal ist das eine gut, dann das andere. manchmal bedeutet weggehen schmerz, manchmal befreiung und wohltat. je nachdem von wem oder was man weggeht, kann beenden auch die wende, wieder hin zum glück bedeuten. und bewegung ist ja „eigentlich“ etwas völlig natürliches im leben und, wie es heißt, das einzige beständige.
    ich wünsche dir frohe ostern! und kalifornien klingt in der tat sehr verlockend. dann bitte von dort bloggen. 🙂 ich wünsche dir angenehme, freie tage.

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    • Stephanie Jaeckel 14. April 2017

      Ja. Es gibt oft gute Gründe, wegzugehen. Und auch viel positive Veränderung. Ich erinnere mich, wie ich während des Studiums dann endlich, endlich aus meiner kleinen Heimatstadt nach Berlin gezogen bin. Der Traum seit meiner Kindheit. Aber da war ich erst mal gar nicht froh, sondern eher verdattert. Das hat sich zum Glück gegeben. Sachen so zu lassen, wie sie sind, ist erst mal auch nicht so einfach. Aber auch das kann enorm befreiend sein. Wenn man spürt, nicht für alles zuständig zu sein. Ich merke schon, dass es mit dem Abschied nehmen, dem Weggehen und dem Lassen so einiges (Widersprüchliches) auf sich hat. Dir auch ein frohes Fest! Kalifornien wird komplett blogfrei. Ich nehme kein elektronisches „device“ mit, ausser den Fotoapparat. Aber Fotos, das verspreche ich, wird es geben 😉

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