Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Mehr Sahne!

Punk ist nicht so meins. Ob Feine Sahne Fischfilet ins Bauhaus Dessau passt – eine andere Frage. Dass sie ausgeladen werden, ist weit mehr als ärgerlich: es ist gefährlich. Weil wir uns den Boden unserer Freiheit einmal mehr unter den Füßen wegziehen. Ein kluger Kommentar dazu von Jens Balzer auf ZeitOnline. Hier der, wie mir scheint, […]

Stay Curious

Seit Tagen schon nehme ich mir vor, abends einmal alles aufzuschreiben, was ich am Tag gemacht habe. Jeden Abend kapituliere ich vor der Aufgabe, weil klar ist, dass ich mindestens eine Stunde brauchen würde, wenn nicht mehr, um auch nur eine ungefähre Stichpunktliste hinzubekommen. Und es ist stets zu spät, um damit noch anzufangen. Aber […]

Herbstlicht

Dass Melancholie in den Herbstmonaten liegt, ist eine Binsenweisheit. Und wie alle möglichen Weisheiten, entdecke ich sie ganz regelmäßig wieder… In diesem Jahr allerdings erscheint mir die Melancholie besonders stark. Ob es mit dem Licht zu tun hat? Mir ist, als würde ununterbrochen Schönheit über alles um mich herum ausgegossen. Selbst der zarte Mond, der […]

Großstadtwildnis

So ein schönes Gebüsch! Steht ganz bei mir in der Nähe. Und sieht aus, als wäre es sehr weit weg zu Hause. In menschenleerer Gegend. Vielleicht sogar mit ein paar Kojoten als Untermieter (Kängurus?). Jahrelang bin ich dran vorbeigelaufen. Ohne einen Blick. Was passiert, wenn wir etwas – nicht – sehen? Ganze Kapitel bleiben ungeschrieben. […]

Süchtig nach Himmel

je älter ich werde, desto mehr liebe ich das, was ich vom Himmel sehen kann. Himmel, da gucke ich doch gleich mal nach, weil ja, nachts denkt man doch glatt schon ins All zu schauen, aber tags ists gerade mal die blaue Halbkugel über einem (und einer meiner). Aufenthalt Gottes bietet das Wörterbuch an, und […]

Marguerite Duras und Simone de Beauvoir

Alter und Sexualität. Im Grunde sind es diese beiden Themen, die mich bei diesen beiden Schriftstellerinnen fesseln. Die Frage, wie wir Identität herstellen und leben. Warum das Geschlecht nach wie vor eine wesentliche Rolle spielt oder wie und warum wir gerade an dem Punkt auf Polarität bestehen. Scham und Schamlosigkeit sind bei beiden Frauen ein […]

Vorbereitet sein

Noch für meine Eltern war der Herbst nicht nur diese schöne goldene Zeit mit Drachensteigen, Kartoffelfeuer und Kastaniensammeln. Obwohl, doch, die Kastanien waren Teil ihres Programms, aber natürlich ging es um Esskastanien. Mein Opa soll morgens schon um Vier aufgestanden sein, um vor der Arbeit in den Park zu gehen, wo es Esskastanien gab. Mit […]

Familie

Habe ich lange unterschätzt. Vielleicht weil ich zu diesen Arbeiter-Familien-Kindern gehöre, die raus wollten. Abitur machen, und dann ganz weit weg. Denn das gehört zu den Dingen, die Familien ungern tolerieren: Dass jemand ausbricht. Wohin auch immer. Als „schwarzes Schaf“ lebt es sich besser ohne Herde. Dachte ich zumindest lange Zeit. Die Krankheit meiner Mutter […]