Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Das Kragentier

Dass sie aussterben, mag ein Segen sein. Dennoch tun sie mir Leid, so übereinander geworfen in der Wühlkiste zu liegen – einst der Stolz ihrer Trägerinnen…! Als Kind habe ich mich vor ihnen gefürchtet. Als könnten sie ihre spitzen Schnauzen doch plötzlich auf – und mit Karacho in meinen Arm wieder zuklappen. Auch rochen sie […]

Wait and see

Die Karten sind gespielt, die Verhandlungen abgeschlossen. Und jetzt heißt es warten. An der Supermarktkasse warten habe ich schon gefühlte Ewigkeiten und drei Tage geübt. Ich mache ein paar Lockerungsübungen im Kopf, denke mal hier und mal dorthin. Da hat es tatsächlich schon Überraschungen gegeben. Oder ich gucke mir die Einkäufe der um mich herum […]

Wer im Glashaus sitzt,

sollte vielleicht besser Kunst zeigen, statt Steine zu werfen. Dachten sich findige Pächter, die das Gebäude 501 kurzerhand zur Galerie ausriefen. Ein Stuhl ist jedenfalls da, für Kunst dagegen ist kaum Platz. Gedankenkunst passt vermutlich rein. Weil das Häuschen geschlossen war, bin ich mit meinen Gedanken ein paar Mal drumherum gekreist (= keine Kunst). Auf […]

Ich stelle mir einfach vor, dass sie gerade einkaufen sind.

Er hatte Angst vor dem Tod, auch wenn er ihm in jungen Jahren schon einmal von der Schippe gesprungen war. Andy Warhol mied Sterbende aus seinem Umkreis bis hin zur groben Unhöflichkeit. In seinem letzten Interview am 22. Januar 1987 sagt er unter anderem: „Ich möchte nicht über negative Dinge sprechen“ – ein Hinweis auf […]

Fliegende Sombreros

Gibt es denn im All auch Karneval? Oder hatte der Ufo-Chefdesigner einen schlechten Tag? Leider waren die Außerirdischen wohl nur auf einem Erkundungsflug. Das hässliche Hotel jedenfalls steht noch. Und meine Kamera war nicht betrunken.

Ich bin dann mal weg… (Fortsetzung vom 11.10.2014)

Es gibt so Tage. Da würde ich am liebsten meinen Koffer packen und auf Reisen gehen. Möglichst weit weg. Möglichst ohne Handy. Möglichst in die Sonne. Keine Flucht, kein dramatischer Abgang. Einfach so. Um den Morgen noch einmal neu zu sehen, um meine Stimme in einem anderen Land zu hören, um mich zu vergewissern, dass […]

Die Eins suchen

So heißt der Text, den ich von meinem Freund Tomas dieses Jahr zum Geburtstag geschenkt bekommen habe. Tomas ist Pianist. Ich habe mal Blockflöte gelernt. Und stehe dazu, nicht zählen zu können. Was nicht das Finden der Ziffern in richtiger Reihenfolge bis Ultimo meint, sondern dieses merkwürdige Klopfen zur Musik, was mir noch gefallen könnte, […]

Heute ein König/eine Königin

Der Spass des Verkleidens ist eigentlich vorbei. Dennoch gibt es Dinge, die man vom Feiern mit in den Alltag nehmen kann. Zum Beispiel das Lachen. Ein Lieblingsspiel meiner rheinländischen Sambafreunde ist es, während des Rosenmontagszugs so viele traurig dreinschauende Pappnasen am Rand des Zuges zum Lachen zu bringen wie möglich. Es soll sogar Strichlisten geben. […]

Frustrationstoleranz, eigene

Immer mal wieder in den letzten Tagen, Wochen bin ich auf Sätze gestoßen wie, „das ist mir zu anstrengend“, „das tut mir nicht gut“ oder „das tue ich mir nicht mehr an“. Es ging dabei stets um Anstrengungen in der Freizeit, hauptsächlich um das Lesen anspruchsvoller Bücher, wahlweise anderer mit Frustration verbundener Tätigkeiten. Was ist […]