Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Was ist mir wichtig?

Heute startet in Deutschland der Dokumentarfilm „My stuff“, in dem ein junger Finne genau diese Frage stellt. Das Experiment, das er dazu anstellt und filmt, ist so simpel wie radikal: Er räumt seine gesamte Wohnung aus, lagert alles ein und erlaubt sich vom ersten Drehtag an je nur einen Gegenstand alle 24 Stunden aus dem […]

Hausarbeit

ist im Gegensatz zu Hausaufgaben nie fertig. Wenn etwas bleibt, so meine Einsicht nach vielen Lebensjahren, dann der Spül. Wahlweise die Wäsche, der Kalk in der Dusche, der Staub (nicht nur unter dem Bett). Hausarbeit ist eine unterschätzte Dimension des Lebens. Obwohl sie ständig fällig ist, wird sie gerne ignoriert. Wer sieht sich in der […]

Die Erinnerung bröckelt von außen

Das hat mir natürlich gefallen. Kaum denke ich übers Erinnern nach, das oft eine Art Wegdriften zu sein scheint, gibt es eine Pressemitteilung der Uni Würzburg, darin die Ankündigung zu einer Forschung und ersten Ergebnissen zur Frage, wie sich Menschen an emotionale Ereignisse erinnern: „Während zentrale Elemente dieser Ereignisse immer besser erinnert werden, gehen Randdetails […]

Literatur ist Wiederholung

lese ich gerade bei Christa Wolf, die darüber aber schnell hinweg geht, um die Frage zu stellen, was Leben in der Literatur ist und was Text. Ein weites Feld, soviel ist klar. Zumal die eigenen Erinnerungen bald schon schwankend werden, flüssig, je weiter sie in die eigene Lebenszeit zurückreichen. Als müsse ich auf dem Boden […]

Von der blauen Stunde

wusste ich damals noch nichts, aber dass es nur sein konnte, wenn der Himmel so offen ist wie das Meer, leuchtete mir ein. Jetzt müssten Engel kommen, wenn sie überhaupt noch unterwegs wären – in den 1970er Jahren hieß es ja, die Zeit der Engel sei vorbei. Aber ich war mir nicht ganz sicher. Sicher […]

Sich an Regeln halten,

ist manchmal ein harter Job. Es scheint mir gar, als seien Regeln noch kontroverser diskutiert als die gute alte Ordnung. Erst wer Regeln breche, zeige wahren Charakter, so die einen, die anderen streichen stur jeden Rechtschreibfehler an, auch wenn sich vor ihren Augen gerade eine unglaubliche Wortschöpfung entfaltet. Tischregeln haben es in sich. Ohne Spielregeln […]

Das Kragentier

Dass sie aussterben, mag ein Segen sein. Dennoch tun sie mir Leid, so übereinander geworfen in der Wühlkiste zu liegen – einst der Stolz ihrer Trägerinnen…! Als Kind habe ich mich vor ihnen gefürchtet. Als könnten sie ihre spitzen Schnauzen doch plötzlich auf – und mit Karacho in meinen Arm wieder zuklappen. Auch rochen sie […]

Wait and see

Die Karten sind gespielt, die Verhandlungen abgeschlossen. Und jetzt heißt es warten. An der Supermarktkasse warten habe ich schon gefühlte Ewigkeiten und drei Tage geübt. Ich mache ein paar Lockerungsübungen im Kopf, denke mal hier und mal dorthin. Da hat es tatsächlich schon Überraschungen gegeben. Oder ich gucke mir die Einkäufe der um mich herum […]