Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Rosenmontag

„Tolle Tage“, vor der Hand. Aber wer mutig ist, holt das „Tolle“ in sich jetzt raus und wird wagemutiger, als er/sie es sich im Alltag traut. Das heißt nicht unbedingt, die Sau rauslassen. Obwohl manche Sau sich sicher mal freuen würde. Schweine leben auch nicht gerne das ganze Jahr über im Keller. Toll sein, wagemutig […]

Ich sehe was, was Du nicht siehst.

Fürwahr ein beliebtes Kinderspiel, was Kunsthistoriker/innen gut und gerne als Werkzeug pflegen und nutzen sollten, könnten, wenn nicht… (aber das ist ein anderes Kapitel). Bei diesen steinernen Herrschaften zum Beispiel kann ich nicht anders, als einen Motorradfahrer (von meinen Eltern noch selbstverständlich „Rocker“ genannt) mit seiner „Braut“ zu sehen, und nicht, wie vom Künstler vorgesehen […]

Traumwandel

Träume sind Schäume, weiß der Volksmund, meine Träume waren meist Hochleistungssport, galt es doch in einer einzigen Nacht mindestens 50 verschiedene Settings zu durchrennen, -fahren, -fliegen, -radeln oder in leise dahin schwimmenden Booten zu durchdümpeln. Ich stellte mir meine Traummeisterin wie eine etwas schlampige Cutterin vor, Zigarette im Mundwinkel und alle paar Minuten eine Kaffeepause […]

Leben als Fluss

„Wasser ist etwas, das du nicht halten kannst. Wie Männer. Ich habe es versucht. Vater, Bruder, Geliebter, wahre Freunde, hungrige Geister und Gott – alle haben sich meinen Händen entzogen, einer nach dem anderen.“ So beginnt Anne Carsons Buch „Anthropologie des Wassers“, eine Lektüre, die seit Wochen auf meiner Bibliotheksbestellliste ganz oben stand. Ein verheißungsvoller […]

Noch ein ins Eis krachendes Büblein (leidlicher Ausgang):

Zugegeben, ich war zu früh. Denn als ich dieses Foto machte – für meinen Begriff ein richtig gutes Tatortfoto – war der Ort noch gar nicht so weit, die Tat, oder der unfreiwillige Einbruch ereignete sich erst wenig später, nachdem ich die Kamera schon wieder in die Tasche gesteckt und bis zu dieser sehr bewegten […]

Und so sehen manche Antworten aus.

Zerpflückt und zerbröselt, nachdem sie gestern Abend noch wie in Stein gemeisselt schienen. Ja so ist das mit den Fragen. Sie ziehen als leise Karawane neben mir mit, gelegentlich tauchen sie auf, ich krame in meinen Taschen nach Antworten, von denen ich mir sicher bin – und finde nichts als Plunder. Als Spiel betrachtet ist […]

Eine Frage wie eine Drehtür:

Was ist (gute) Kunst? Ich möchte – oha! hier zögere ich zwischen gerne und lieber gar nicht – wissen, wie viele diese Drehtür schon passiert haben. Ich bin qua Studium öfters durch. Mit eigenen Antworten, zu mehreren, euphorisiert, verunsichert, mit dem Wunsch, die vermaledeite Tür zuzuschlagen (aber schlagen Sie mal eine Drehtür zu), mit Drehschwindel, […]

Ein Blick in den Spiegel

Gerade hatte ich das Buch „L’amant“ von Marguerite Duras wieder aufgeschlagen, als mich von der ersten Seite ein Thema ansprang, das ich ansonsten gerne vermeide. „Sehr früh in meinem Leben war es (schon) zu spät.“ So fängt der dritte Absatz an, und es geht weiter damit, wie Marguerite Duras unerbittlich das frühe eigene Altern beschreibt. […]

Einhörner sind auffällig weit verbreitet.

Ich hätte verblüfft sein können, war es jedoch nicht. Weil ich erst neulich ein Interview mit dem Bonner Philosophieprofessor Markus Gabriel gelesen habe, darin dieser bereits zitierte Satz: „(Einhörner) sind auffällig weit verbreitet.“ Nanu, dachte ich damals beim Lesen, sind Philosophen jetzt die neuen Fantasy-Könige? Nö, lernte ich in den nächsten Zeilen. Sie sind nur, […]

Überraschung!

Wie oft am Tag, in der Woche, im Monat sehe ich etwas, was ich so noch nie gesehen habe? Wer wagt eine Strichliste? Ich habe heute erst eine Weihnachtskugel an einem frierenden Straßenbaum gesehen, am nächsten ein Osterei, dann ein verwaistes Vogelnest in einem Zaun (wo Vögel überall Unterschlupf finden!), ein Einhorn (jawohl!) im Kampf/Tanz […]