Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Schreibend die Welt erkunden

Meine Generation hat das Schreiben früh gelernt, selbstverständlich: Es gilt Schulpflicht in Deutschland. Einmal gelernt, und vor so langer Zeit, scheint es längst nichts Besonderes, höchstens wer sich die Schreibhand – sei sie nun links oder rechts – verletzt, merkt, wie mühsam diese vermeintliche Selbstverständlichkeit zu ersetzen ist. Vielleicht fällt einem in solchen Zeiten ein, […]

In memoriam

So sah es vor vier Jahren noch aus im sandigen Herzen Berlins, d.h. liebe Nicht-Berliner: Mitten in der Stadt! Ein Himmelszelt!

Kill your darlings…

Zu viel. Das ist die verblüffende Erkenntnis meiner heutigen Hausaufgabe. Ich hatte etwa eine Minute mit Sounds zu füllen, mit Knistern, Knallen, Rascheln, Klopfen, Klimpern, Geräuschen aus der Umwelt für’s Erste, die sich mit etwas Augenmaß, Tricks und glühenden Ohren zu Unerhörtem wandeln – Raumschiff Enterprise, meine zweite große kindliche Leidenschaft, lässt grüßen. Wie viel […]

Vielleicht doch lieber üben?

Dieser Gedanke kam mir heute in der Supermarktschlange – denn was gibt es schlimmeres als Warten, vor allem, wenn man gerade mittendrin hängt? Kein Mensch – so scheint es zumindest – wartet gerne. Dabei gilt Warten als eine der großen Sekundärtugenden: Wer geduldig ist, kommt weit im Leben, so heißt es. Kindern, die nicht sofort […]

Warum ich manchmal doch gerne vom Himmel falle…

Nein, das wird jetzt kein Bekenntnis zum Extremsport, es geht um eine Frage, die ich mir immer wieder stelle: Warum üben wir (also sagen wir mal, die meisten von uns) so ungern? Spielerisches Lernen als Kind mag ja noch angehen. Aber wenn es ernst wird – und es wird ernst – ist Üben eine Hausaufgabe, […]

Dass Reisen bildet,

glauben wir gerne. Dass diese Bildung in früheren Zeiten gerne während der Überfahrten oder anderweitiger Anfahrten angelesen wurde, mag uns heute erstaunen. Sorgfältig stellten die Weltenbummler und Forscher ihre Bücherkisten zusammen, hier wurde noch schnell Russisch gelernt, dort die Grundlagen der Botanik, Darwin hatte unter vielen anderen Büchern die 60 Bände des „Dictionnaire des sciences […]

Choreographie für Wörter

nennt die indische Schriftstellerin Arundhathi Subramaniam ihre – und auch andere – Gedichte. Wie einen Tanz habe sie die Poesie als Kind wahrgenommen, wie eine Zaubersprache im Vergleich zum täglichen Reden, aber auch zu Prosatexten. Sie fährt fort damit, dass Gedichte – und das hat mich umgehauen, obwohl ich es im Grunde längst weiß – […]

Über den Gang klappern zehn kleine Holzabsätze.

Es sind die fünf Tirelireli-Girls, wie wir gleich im nächsten Satz erfahren, die da klappern, viel mehr braucht es auch nicht, damit Colette ein atmosphärisch dichter Einstieg gelingt: Wir sehen noch Mitsou, den Revuestar, vor runtergekommener Papiertapete in der Garderobe sitzen, hören den Inspizienten Boudou an die Tür klopfen und erleben, wie Kollegin Petit Chose […]

Stadtwald

Oder doch eher: statt Wald? Vermutlich Reste von der Fashion-Week. Stadt, Wald, Schotter. Keine Elfen. Nur hier und da ein Hund. Mit Mensch dran (in den Parkanlagen ist Leinenzwang). Und ich mit vier großformatigen Kunstkatalogen unterwegs. Bücher sind doch Möbel. Dachte ich gedrückt und war nach dem Besuch in der Bibliothek froh, viel Platz zu […]

Es regnet in Strömen,

kaum würde es mich wundern, Fische am Fenster hinab rutschen zu sehen, die Welt ist ein Aquarium, warum sollten sie bei dem Wetter stets nur um die Kontinente kreisen und nicht mal drüber? Frische Fische fischen Fischers Fritz. Der macht jetzt Urlaub in der Karibik. Und wir die Fenster zu. Damit der Regen draußen bleibt. […]