Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

„Ein Leben lang leben“

lautet eine Notiz, die ich eben auf einem Schmierzettel gefunden habe. Ein Zitat oder ein morgendlicher „Verleser“ frage ich mich, muss lachen und denke: Das könnte doch ein ordentliches Motto fürs nächste Lebensjahr abgeben.

Lebensübung

Ich erinnere mich genau an eine der ersten Französisch-Schulstunde in die 11. Klasse. Wir hatten Stendhals „Le Rouge et le Noir“ vor uns auf dem Pult liegen und plagten uns. Vor allem diejenigen, die wie ich erst in der 9. Klasse Französisch als neues Fach dazugewählt hatten. Ich meldete mich und brachte meinen Vorschlag vor, […]

Berlin, Berlin…

wir fahren nach Berlin! – Donald samt Benz waren heute so ziemlich das einzig Blaue, was ich in der verschneerieselten Stadt gesehen habe. Aber dann doch noch was, bzw. wer: ein nicht mal kniehoher Hund mit sowas von blauen Augen (Mutter Husky) – den hätte ich gerne mitgenommen. Nicht blau waren Polizeiautos, die durch die […]

Nenn‘ mir dein Vorbild,

und ich sage dir, wer du bist. Vorbilder, Idole gar, sind unter Erwachsenen verpönt. Als Kind darf man sich noch an den „Großen“ orientieren, selbst groß geworden, bekommt die Sache Schlagseite. Als sei da jemand immer noch nicht selbständig, vom Tun und Lassen eines Leittiers abhängig. Dabei. Vorbilder können beflügeln. Denn es geht keineswegs darum, […]

Fußnote

Was ich nur kurz anmerken möchte zur wohlfeil gewordenen Medienschelte, die mittlerweile von allen Seiten durch die Republik fliegt: Wer weiß überhaupt, dass das Schreiben journalistischer Texte heute zu den schlechtbezahltesten Tätigkeiten in Deutschland zählt. Klartext: meist unter dem Mindestlohn von 8,50€ pro Stunde. Honorare haben sich seit 2004 im Schnitt halbiert. H A L […]

Gleich noch ein Geburtstag mit Z

Ob Cézanne überhaupt einen Gedanken darauf verwendet hat, dass ein Z seinen Namen kreuzt? „Er ist der seltsamste Kerl, den man sich vorstellen kann“, so lautete die Einschätzung zahlreicher Zeitgenossen. Denn der Maler galt als kauzig, geradezu menschenfeindlich je älter er wurde. Kinder bewarfen den alten Mann auf seinem täglichen Weg „vor das Motiv“ mit […]

Zickzack

Er wollte nicht Zorro sein, der Rächer des Volkes, dennoch war er „entzückt“, ein Z in seinem Namen zu tragen: Gilles Deleuze, der Entdecker der menschlichen Wunschmaschine, der heute vor 90 Jahren in Paris geboren wurde. Für ihn bedeutete Z das Zickzack, die universale Kraft, die Bewegung schlechthin, die er mit den ungebremsten Flugbahnen von […]

Schreiben, Fortsetzung

Schreiben bedeutet unter den Zäunen herkriechen, über Bäche springen, Felder durchqueren, Umwege gehen, nachts nicht nach Hause kommen. Schreiben bedeutet, Löcher in den Manteltaschen zu haben, aus denen die schönsten Steine fallen, die große Liebe nur von Weitem zu sehen, von den Hunden gejagt – oder zumindest beargwöhnt zu werden. Schreiben ist ein dauerndes Unterwegssein. […]

Liebst du schon oder wirst du noch?

Eine „verschämte Lektüre“ habe ich auch – sozusagen auf der langen Strecke – zu bieten: Frauenzeitschriften! Trotz guten Zuredens greift stets wieder eine meiner Hände zu neusten Exemplaren, die sich im Supermarkt präsentieren, abends wird die Beute dann zerfleddert, das Horoskop zuerst und so fort. Gestern war wieder so ein Abend, ich habe mich über […]

Sich freuen!

Nicht, dass ich etwas gegen das Glück hätte. Nur ist es in letzter Zeit so groß geworden, groß vor allem im Anspruch, nun doch bitte im kleinsten Zipfel wahrgenommen, zum Ziel gekürt oder zumindest zum täglichen Mantra ernannt zu werden. Ich mag Fortuna, wie sie auf ihrem Ball, Einrad, Skateboard durch die Gegend rast, und […]