Immer mal wieder in den letzten Tagen, Wochen bin ich auf Sätze gestoßen wie, „das ist mir zu anstrengend“, „das tut mir nicht gut“ oder „das tue ich mir nicht mehr an“. Es ging dabei stets um Anstrengungen in der Freizeit, hauptsächlich um das Lesen anspruchsvoller Bücher, wahlweise anderer mit Frustration verbundener Tätigkeiten. Was ist denn da los? fragte und frage ich mich. Sind wir schon in dem Alter, in dem wir uns schonen müssen? Ist es so, dass wir Menschen ab irgendeinem Alter die Schnauze voll haben von Niederlagen oder dem Sich-Eingestehen von mangelndem Können? Und sind wir damit schon aus dem Schneider? Alles zu vermeiden, was uns überfordert? Geschenkt, ich habe nach einem anstrengenden Arbeitstag auch nicht die größte Lust, mich an einem mir unverständlichen Buch abzuarbeiten. Oder Sportarten zu probieren, in denen ich mich bis zu meinem Lebensende zum Affen machen würde (wobei einem die Affen nach der Lektüre von Ulrike Draesners aktuellem Roman durchaus ans Herz gewachsen sein können). Worum also geht es, der Frustration in der Freizeit aus dem Weg zu gehen? Sind es die Einflüsterungen der „Spaßgesellschaft“, die uns erreichen, auch wenn wir uns anständig gegen Werbungen jeglicher Art wehren? Braucht das Ego ab einem gewissen Alter eine solche Schutzschicht, um sich gegen die Konkurrenz der Jüngeren taub zu stellen? Oder denke ich da schon viel zu weit? Und wo liegen meine eigenen Frustrationsgrenzen? Das wäre doch mal eine Grenzwanderung ganz eigener Art…

Maren Wulf 18. Februar 2015
Das sind sehr interessante Gedanken, Stephanie. (Nebenbei: Deine Alltagsklunker empfinde ich oft als Gedanken-anregend.) Kann es sein, dass die von dir zitierten Sätze weniger Ausdruck von Altersfatalismus und mangelnder Motivation sind, sich neuen Herausforderungen und damit verbundenen Anstrengungen auszusetzen als Ausfluss gelebten Lebens? Z.B.: Ich habe schon vieles ausprobiert und weiß, was ich mag und was nicht. Oder: Ich weiß, dass ich nur einen Bruchteil aller Bücher lesen kann, die mir etwas sagen, warum also sollte ich Zeit mit solchen verbringen, die nicht zu mir sprechen.
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Stephanie Jaeckel 18. Februar 2015
Ja, das kann gut sein. Aber was mich stutzig macht, ist der Unwille gegenüber Anstrengung. Wie geschrieben: Ich lese längst nicht alles, was auf meinem Bücherberg liegt. Auch sonst meide ich gerne Dinge, die mir lästig, unnötig scheinen. Doch es bleibt manchmal eben so ein Gefühl, die Flinte zu früh ins Korn zu werfen. Gelebtes Leben ist das Eine. Neugier das Andere. Ich hätte Angst, letzteres ersterem zu opfern. Vielleicht ist es nur das.
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mickzwo 18. März 2015
Der Punkt ist, nach meiner Auffassung, nicht das Vermeiden von Anstrengungen. Neugier und Anstrengungen gehören zum gelebten Leben doch dazu.
Wenn eine Gesellschaft sich aber eines Adjektives bemächtigt hat, ist es oft mit selbiger Eigenart vorbei. Das klingt nicht nur verschwurbelt. Das soll es wohl auch sein.
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