Einbruch in die Stille

Es ist das erste Adventswochenende. Gestern habe ich spontan beschlossen, das auch in mein Leben zu übernehmen. Das heißt, einen geschäftigen (durchaus „vernünftigen“) Wochenend-Termin sausen zu lassen.

Und dann lese ich heute, durchaus gemütlich, weil im Bett, einen Artikel im Perlentaucher, und werde hellwach. Weil, was dort über Übersetzer*innen zu lesen ist, 1:1 für Audioguide-Texter*innen oder auch freie Journalist*innen gilt. Ich übernehme den Perlentaucher-Text hier:

In der FAZ ärgert sich der Schriftsteller und Übersetzer Michael Kleeberg darüber, dass die Honorare fürs Übersetzen seit rund 20 Jahren stagnieren – nicht nur angesichts der zuletzt rapiden Inflation also de facto eine gravierende und fortschreitende Honorarkürzung. „Entweder werde ich unterbezahlt, oder der gesamte Berufsstand der literarischen Übersetzer wird unterbezahlt oder deutlicher: schamlos ausgebeutet. … Natürlich argumentieren die Verlage seit eh und je, solch eine Angleichung der Übersetzerhonorare an die wirtschaftliche Realität sei nicht darstellbar. In dieser Szene wird ja gerne mit der Apokalypse gearbeitet, also steht gleich die Zukunft des Buches auf dem Spiel, wenn Übersetzer einen angemesseneren Lohn verlangen. Aber die Bücherpreise haben ja halbwegs Schritt gehalten mit der Teuerung. Wenn die Übersetzer daran nicht teilhaben, wer dann? Ich weiß, dass die Buchhändler mehr als ein Drittel des Ladenpreises bekommen, Amazon angeblich sogar bis zu fünfzig Prozent, und ich weiß auch, dass ich mehr Verleger als Übersetzer kenne, die Mercedes fahren und ein eigenes Haus haben. Was tun?“

Ja. Was tun? Wenn man (gefühlt zumindest) immer die Einzige ist, die über das Honorar mault (=Original-Sprech). Jetzt ist die Stille natürlich im Eimer. Aber genau dafür sind meines Erachtens journalistische Medien da: Eine*n immer wieder aufzurütteln. In diesem Sinne: einen frohen Start morgen in den Advent!

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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