Gefreut:

Das Kollektiv Wajukuu Art Project ermöglicht Kunst in einem Slum von Nairobi und war ein zentraler Teilnehmer der Documenta Fifteen. Nun bekommen seine Mitglieder den Bode-Preis der Stadt Kassel verliehen. Zugegeben, das Foto ist nicht besonders aussagekräftig, ich bleibe vorsichtig, wegen der Bildrechte. Aber die Installation der Gruppe, die den Eingang zur Documenta-Halle bespielte, hat mir ausgesprochen gut gefallen, ich habe wenig fotografiert auf der Schau, vom Waiukuu Art Project hatte ich am Ende eindeutig die meisten Bilder. Insofern freut mich der Preis.

Was war zu sehen? Müll und Zukunft. Wenn ich spontan und mit wenig Worten antworten sollte. Die Installation bestand hauptsächlich aus gefundenen Materialien, unter anderem Wellblech, wie auch mein Foto verrät. Ich. weiß nicht, ob dieses billige Baumaterial unbedingt an die Wellblechhütten der Slums in Nairobi erinnert (wie in Zeitungen zu lesen ist, klar wa, Afrika ist schließlich ein armes Land…), mich fasziniert Wellblech, seit ich denken kann. Es ist schön und möglicherweise zu mehr zu gebrauchen, als zum Bau von Schrebergarten- und Slumhütten (insofern Zukunft – ?)

„Hunger nach Überentwicklung“, so beschreibt ein Künstler des Kollektivs die heutige Zeit. Und dass dieser Hunger die Menschen schleift, bis sie keine Wesen mehr sind, sondern nur noch Körper. Was aber könnte eine Gesellschaft machen, um die Überentwicklung zu stoppen, beziehungsweise andere Ziele bereitzuhalten? Orte, an denen nicht konsumiert wird, zum Beispiel, oder wo keine Dienstleistungen zu bekommen sind. Orte, an denen Menschen sich einfach treffen können, und die trotzdem sicher und angenehm sind. Auch hier denken sicher viele wieder an die gefährlichen Situationen in Slums. Aber ehrlich: in unseren reichen Innenstädten sucht man solche Orte (überdacht und geheizt) ebenfalls oft vergeblich.

An anderer Stelle lese ich, die Idee sei, dass Leute in ihrer Kasseler Installation ins Gespräch kommen sollen. Und ja. Tatsächlich habe ich mich dort und nur dort mit einer Frau unterhalten, die ich nicht kannte. Sie fragte mich, was ich da sehe, und nachdem ich erst dachte, sie meine das im Sinn von „Was soll das denn sein?“, merkte ich schnell, dass sie wirklich wissen wollte, was ich sehe. Schönheit. Denn neben dem Wellblech gab es eine geflochtene schwebende Kapsel mit Körpern darin und ein beeindruckendes Messerrelief. Kreativität als menschliche Eigenheit. Das ist noch etwas, was das Waiukuu Projekt uns mit auf den Weg gibt. Das Leben besteht nicht nur aus Konsum. Wir können selber machen, improvisieren, nicht immer nur kaufen. Und das bedeutet dann nicht, dass wir arm sind. Sondern dass wir unsere Möglichkeiten ausschöpfen. Allen einen guten Start in die Woche!

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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