Schreiben und lieben

Nein. Da gibt es jetzt keinen Bezug. Jedenfalls nicht in dem, was ich heute tippe. Lebensthemen liegen in meinem Leben oft unverbunden neben-, hinter- und untereinander. Beim Schreiben geht es ums Vergessen. Großes Fass für mich. 1. ich fürchte manchmal, schon erste Zeichen einer Demenz an mir zu entdecken (meine Mutter hatte Alzheimer). 2. Andy Warhol hat sein Vergessen mal als Quelle seiner Kreativität beschrieben: finde ich nach wie vor beeindruckend und sehr nachvollziehbar. 3. Deleuze sagt in seinem langen Interview, dass es nicht reiche, etwas erlebt zu haben, um ein gutes Buch zu schreiben. Ich ahne was. 4. Ich habe lesen gelernt, ich habe schreiben gelernt. Und jetzt tue ich mich endlos schwer damit, das wieder zu vergessen.

Bei Ilse Aichinger etwas über einen grünen Esel gelesen. Einer, der unvermittelt auftaucht, in unwahrscheinlichem Grün. Und nach einer Weile – er läuft über immer dieselben Bahngleise – wieder verschwindet. Erst verstehe ich nicht viel. Dann verstehe ich, dass Distanz in der Liebe unverzichtbar ist. Dann lache ich und denke: Eselsbrücke. Dann dieses Zitat: „Bis dahin will ich es lernen, so wenig von ihm zu wissen, dass ich sein Ausbleiben ertrage.“ Große Lebensschule.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 5

  1. Alexander Carmele 17. Juli 2022

    Es reicht aber auch nicht, gut mit Sprache umzugehen und viele Wörter zu kennen, um ein Buch zu schreiben, das berührt. Die seltsame Balance zwischen Erleben und Erfahrung, die sich sprachlich durchdringt, gelingt meines Erachtens sehr selten. Deleuze, denke ich, hat auch gesagt, sinngemäß, dass ihm beim Gedanken einen Roman zu schreiben, der Schauder den Rücken herunterliefe, weil stets eine Welt erschaffen wird. Und Roland Barthes hat nur über das Scheitern seines Schreibens reflektieren können. Viele schöne Denkanstöße in dem Beitrag. Viele Grüße!

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    • Stephanie Jaeckel 17. Juli 2022

      Klar, es ging Deleuze möglicherweise um die damals beginnende, und mittlerweile – wie mir jedenfalls scheint – Inflation von Büchern, die eigene Erfahrungen verarbeiten und dabei gut und gerne zu einer (zu) persönlichen Nabelschau geraten. Ich denke auch, dass Stil keineswegs reicht, um gut zu schreiben. Aber ein Blick über den Tellerrand, eine gute Idee, ein Vorschlag oder ein überraschendes Moment sind für mich wichtige Elemente für Bücher, seien es Romane, Gedichte oder Selbsterfahrungsgeschichten.

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