Gedanken kreisen,

denn wo ich über Zeit nachdenke, ist das Thema Warten auch nicht fern. Auf meinem Rückweg aus dem Büro dachte ich gestern, dass Warten möglicherweise ein Missverständnis ist. Das daraus entsteht, dass wir uns plötzlich auf einen einzigen Moment in dem gesamten sich im Fluss befindlichen Alltag konzentrieren. Klar. Wer wartet, hat das Gefühl, ins Stocken zu geraten, vergisst aber oft, dass gleichzeitig andere Dinge weiterlaufen, denen man sich während des Wartens zuwenden kann. Wer im Stau steht, und fürchten muss, den Flug zu verpassen – geschenkt… Obwohl entspannte Menschen, die sich nicht so aufs Warten konzentrieren, oder aufs augenblickliche Steckenbleiben, möglicherweise auch diese stressige Zeit noch für sich oder die Organisation des nächstmöglichen Fluges behalten und nicht an Angst oder Panik verschenken.

Worauf ich hinaus will: Wenn ich auf ein Ergebnis warte, auf einen Auftrag, auf einen Auftritt (doch, ja, Lampenfieber ist ja auch eine Art des Wartens), auf die Rückkehr eines Freundes, nehme ich dieses Ereignis heraus, stelle es höher als die anderen und konzentriere mich auf diesen zukünftigen Moment. Wenn ich gar anfange, die Tage bis dahin zu zählen – doch ja, ich merke, dass ich das mittlerweile als Verschwendung meiner Tage empfinde. Auch wenn ich mich aus den Klauen des Wartens nicht wirklich befreien kann.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 3

  1. Loki 24. Oktober 2021

    Gestern am Fernsehen: die digitalen Medien verändern unser Gehirn. Digital natives können schnell Dinge aufnehmen, aber dadurch verliert sich die Bedeutung. Was das mit Warten zu tun hat ? Nun, im Warten wandert das Gehirn, hat aber Zeit sich zu fokussieren. Und das ist eine Eigenschaft, die immer mehr abgeht. Und der Fokus ermöglicht „Tiefgang“. Also den ganzen Artikel oder das ganze Buch lesen, nicht nur den ersten Abschnitt oder die ersten zwei Kapitel.

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    • Stephanie Jaeckel 25. Oktober 2021

      Ja, das scheint sich etwas zu verändern. Aber ich wäre vorsichtig, Fronten aufzubauen. Gestern erst habe ich ein „digital native“ gesprochen, der fast nur am Bildschirm hängt. Aber wenn er malt (er bewirbt sich gerade auf eine Design-Schule), hat er enorm viel Atmosphäre mit drin. Hätte ich bei BildschirmJunkies nicht vermutet…

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