Sehschwäche

Beim Altwerden kommt fast nix plötzlich. Dass ich nicht mehr alles sehen kann, kündigte sich lange an. Ich trage seit mindestens 30 Jahren eine Brille, weil ich – wie so viele Geisteswissenschaftler/innen – kurzsichtig bin. Ich war lange sorglos, die Sehschwäche blieb relativ konstant. Seit zwei Jahren nun habe ich beim Lesen Probleme. Die ihrerseits mit ziemlichem Tempo größer werden. Es gibt Abende, da kann ich nichts mehr lesen, trotz neuer Brille, die ich seit ein paar Monaten habe. Ende Gelände.

Wahrscheinlich geht noch was, ein beginnender Grauer Star gibt mir die Hoffnung, dass zumindest hier irgendwann was zu machen ist. Auch spielt Stress eine Rolle, von dem ich in letzter Zeit genug hatte, also auch an dieser Stelle glaube ich an Verbesserung. Doch bleibt die grundlegende Erfahrung. Ab jetzt werden Fähigkeiten eingeschränkt. Ich werde improvisieren müssen, vor allem werde ich mehr Zeit brauchen: Mit zwei Brillen hantieren, braucht länger (und Geduld), lieber wären mir daher drei Hände, schade, dass so eine Hand nicht einfach nachwächst…

Tatsächlich habe ich große Sorge, das Wesentliche nicht mehr zu sehen. Einschränkungen in der Sicht machen den Radius kleiner. In jeder Hinsicht. Dass Älterwerden Mut erfordert, fällt mir sofort wieder ein. Insofern: Boldly go!

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. hummelweb 17. Januar 2020

    Oh, dass kenne ich gut, abends nichts mehr lesen zu können. Und bedaure das auch sehr. Ein Optiker hat mir empfohlen, es immer sehr hell zu haben, (gutes Licht mache bis zu einer Dioptrien aus), aber abends wie in der Bahnhofshalle zu sitzen, finde ich auch nicht so toll.
    Heute Morgen hab ich mir erstmal eine Bedienungsanleitung größer kopiert, zum Glück gibt’s ja Hilfsmittel.
    Scharfsichtige Grüße,
    Andrea

    Gefällt 4 Personen

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