Ankommen

Das war noch so eine Überraschung bei meiner Reise. So leicht ich an dem Anreisetag in New York reingerutscht bin (trotz Migräne), so lange – nämlich drei Wochen – habe ich gebraucht, zurück in Berlin wieder Fuß zu fassen. Ich kam einfach nicht an. Ich wusste nachts nicht, wo ich bin (während ich in allen Hotels und Motels auf der Reise immer sofort – also noch vor dem eigentlichen Aufwachen – kapiert habe, wo ich bin), ich konnte nicht am Stück schlafen, und habe kurzerhand meine Arbeitszeiten in den sehr frühen Morgen (so von drei bis sechs) verlegt. Ich war zwar klar im Kopf (anders als oft auf der Reise), aber nicht da. Als wenn ich nur scheibchenweise wieder über den Atlantik zurückkomme, so fühlte sich das an. Schade, weil der November einer meiner Lieblingsmonate ist.

Gestern war es soweit. Ich bin wieder da. Ich habe am Freitag meinen ersten Auftrag fertig gestellt, meine Wohnung endlich geputzt und mir darauf einen freien Samstag gegönnt. Vielleicht ist es ja nur das: Sich immer mal wieder durch die eigene Stadt treiben zu lassen. Zu entdecken gab es Menzel im Kupferstichkabinett: Mein lieber Scholli! Der hätte vermutlich sensationelle Kinofilme gedreht! Das Nachmittagslicht einer der späten Novembertage und der leider schon morgen wieder verschwindende Künstlergarten „Das dritte Land“ der koreanischen Künstler Han Seok Hyun und Kim Leung Hwoe (s. Foto). Vielleicht ist es auch so, dass sich jetzt eine Haut um die Erinnerungen an die Reise geschlossen hat. Es fühlt sich zumindest so an, als hätte ich einen sehr großen Raum in mir, in dem die Stille, die Weite und das Licht Amerikas ihren Platz gefunden haben.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. kormoranflug 24. November 2019

    Den Künstlergarten habe ich auch vor einiger Zeit besucht. Ein koreanischer Künstler harkte die nicht in Seoul vorkommenden (wild gewachsenen) Pflanzen aus dem Ensemble. Auf meine Frage, wann der wunderbare Nebel (auf den Veröffentlichungen dargestellt) zu sehen wäre – meinte er der Wasseranschluss ist kaputt gegangen.

    Gefällt 1 Person

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