Unter dem schönsten Flugzeug der Welt

Das nenne ich Humor: Eine Concorde als Regendach für eine Cafeteria! Naja, nicht irgendwo. Ich habe die Intrepid besucht, einen ehemaligen Flugzeugträger, der heute als Museum für ausrangierte Flugzeuge dient, und für die Enterprise (pffff, leider nicht die aus der Zukunft, ist ja noch nicht soweit, sondern für das Space-Shuttle, ist aber natürlich auch toll).

Ich bin völlig unvorbereitet dort hingegangen. Und habe erst im Laufe des Rundgangs begriffen, dass es sich bei der Itrepid um ein Schiff handelt, das im Zweiten Weltkrieg im Einsatz war. Und dass es ferner zahlreiche Kampfjets dort zu sehen gibt, die in Vietnam waren.

Ich stoße sofort an Grenzen. Wer sagt denn zum Beispiel, dass ich mir im Urlaub nur schöne Dinge ansehen soll? Dass ich Armut, Gewalt, Kriege ausklammern kann, nur weil ich Freizeit habe? Tatsächlich bin ich später noch mit einem älteren Herrn ins Gespräch gekommen. Er erzählte zuerst, dass er amerikanische Literatur an der Uni in Boulder (Colorado) unterrichtet habe. Um nur kurze Zeit später zu sagen, dass er die Intrepid besuche, um seinem Sohn und seinem Enkel eines der Flugzeuge zu zeigen, dass er einst geflogen hat. „Sie sehen mich jetzt mit anderen Augen, oder?“ fragte er. Und ich war zu überrascht, um wirklich eine Antwort zu geben. Und ich weiß nicht, ob er wirklich auf eines dieser Vietnam-Flugzeuge angespielt hat, aber wir haben unsere E-Mail-Adressen ausgetauscht, ich werde es also vermutlich noch erfahren.

Auch später, in der sehenswerten Ausstellung von Agnes Denes kam es wieder zu so einem Moment. Der Central Park ist auf zum Teil enteigneten Grundstücken gebaut – Grundstücken von Schwarzen, denen nicht nur ihr Besitz genommen wurde, sondern auch die Möglichkeit zur Wahl (es gab zu dieser Zeit ein an Grundbesitz gekoppeltes Wahlrecht).

Gibt es immer zwei Seiten? Ist es zynisch, hinter schönen Dingen etwas Häßliches zu vermuten. Ist es naiv, das nicht zu tun? Hier sitze ich, und weiß es nicht. Immerhin ist Urlaub auch eine Zeit, nachzudenken. Schauen wir mal…

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comment 1

  1. Maren Wulf 14. Oktober 2019

    Ich glaube, dass es in der Regel ein Sowohl-als-auch gibt, was m.E. weder das Sowohl noch das Als-auch relativiert und auch nicht dazu verpflichtet, immer alle Seiten zu betrachten. Du wirst wissen, was dir gut tut… Jedenfalls wünsche ich es dir für die weitere Entdeckungsreise.

    Gefällt 1 Person

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