Bruchlandung

Um es vorweg zu nehmen: Hätte es diesen kleinen Kaffeetresen im Buchladen des Metropolitan Museums nicht gegeben, wäre ich wahrscheinlich irgendwann kraftlos zusammengeklappt. Ich war zwar auch schon vor acht Jahren in diesem Museum, aber erst jetzt habe ich die Dimensionen wirklich begriffen. Nach ein paar Stunden hatte ich das Gefühl, alles, was ich je in der Kunstgeschichte gelernt habe, neu lernen zu müssen, weil so – in dieser gigantischen Zusammenschau von allem und jedem – alles doch immer wieder etwas anders ist, als ich mir das so zurecht gelernt hatte. Raumschiffe in der Südsee, begehrliche Männerkörper als Bronzerüstungen früher Griechen, ein frecher Amor, der Venus anpinkelt, Lee Krasner (von der ich heute lese, dass sie gerade in der Frankfurter Schirn neu entdeckt wird), Wangechi Mutu, über die ich vor ein oder zwei Jahren einen Artikel geschrieben habe, die gerade hier groß rauskommt, die schwarzen Konturen bei Tiepolo, Miro als kleinteiliger Mustermaler, Mumien, die mir römisch vorkommen, tausende Trinkgläser in allen Formen und Farben, alte Kunstkammerstücke, deren Wert in Kühen bemessen wird (tolle Idee!), amerikanischer Schmuck vom Beginn des 20. Jahrhunderts, zwei Sonderausstellungen (alte niederländische und moderne amerikanische Kunst), südamerikanisches Gold und – dann der beste Kaffee seit Wochen. In einem Pappbecher. Im Buchladen. Rest. Regroup. Recharge. Das ist übrigens auch das Programm für heute. Einfach mal nix tun. Und die Sonne genießen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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