Die alte neue Welt

Vom Flughafen Newark kommend, sieht New York anders aus, als wir das von Reiseprospekten gewohnt sind. Schon fast ländlich und mit einer Infrastruktur, die wahrscheinlich noch meinen Groß- vielleicht sogar Urgroßeltern vertraut sein würde. Ich bekomme eine Ahnung davon, wie viele Generationen an dem Aufbau der Stadt beteiligt waren, und staune, mit wieviel Improvisation hier Garagen, Werkhallen und andere Bauten für kleine Firmen regelrecht gebastelt wurden. Man könnte Tage verbringen, durch diese Vororte zu laufen und „handgemachte“ Buden zu fotografieren.

Die Reise selbst verlief reibungslos. Im Tagesspiegel konnte ich lesen, dass ich knapp vor dem großen Einbruch der Kapazitäten am Flughafen Tegel noch davon gekommen bin. Leider hatte ich Migräne, war also die ganze Zeit ziemlich angeschlagen. Aber mit allen Medikamenten, die ich dabei hatte, kam ich aufrecht durch. Nur eine winzige Schlange bei der Einreise, und dann konnte ich mir alle Zeit der Welt nehmen, mit Bahn und auch zu Fuß (Bombenwetter! 25°C) zu meiner Unterkunft zu kommen. Das ist der enorme Vorteil vom Alleinreisen: Man hat Zeit. Wenn ich also müde wurde (mit dem Kopf!), konnte ich noch einmal einen Zwischenstopp einlegen, Kaffee trinken, Obst essen, Leute beobachten, in Gedanken hängen, ohne dass jemand genervt oder in seinem oder ihrem Tempo gestört worden wäre. Ich habe so tolle Klamotten gesehen, Frisuren, Schmuck, einfach nur, weil ich rumsaß. Zwei Leute fragten mich (wohlgemerkt, mit dickem Koffer) nach dem Weg (haha), dafür habe ich mich später bei Zabars an der Kasse blamiert, weil ich dachte, die nette Frau, die da meine Sachen in eine Tüte packte, hätte sich in der Ware vertan… Pffff, aber sie und die Kassiererin haben gelacht, zum Glück war ich auch gar nicht unfreundlich gewesen, nur halt sehr verdattert…

Meine Unterkunft ist abenteuerlich, von meinem Fenster kann ich nicht sehen, welches Wetter draußen ist – immerhin so viel: es regnet nicht… Aber davon vielleicht später mehr. Jetzt habe ich Hummeln im Hintern, ich will raus in den Central Park und später ins American Folk Art Museum gleich um die Ecke. Also los jetzt!

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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