Zwischen den Zeiten

Klassischerweise ist die letzte Dezemberwoche die „zwischen den Zeiten“: Das alte Jahr neigt sich seinem Ende zu, das neue hat noch nicht angefangen. Dieses Mal erwischt es mich in der ersten Herbstwoche, die einer letzten strahlenden Hochsommerwoche mit Regen und deutlich niedrigeren Temperaturen folgt. Ich werde langsam gesund – fühle mich aber noch schlapp und schwindlig. Zurück in Berlin hatte ich bislang einen Debakel-Tag nach dem anderen und denke mal wieder: kein Unglück kommt allein. Ich muss noch viel erledigen, in gut einer Woche beginnt meine Reise. Und hier tut sich plötzlich wieder diese Zwischenwelt auf: Ich löse mich (auch durch die ganzen Pannen und den Aufenthalt im Rheinland) von meinem Alltag, und habe gleichzeitig einen Monat voller Unwägbarkeiten vor mir. Die Perspektive verrutscht, einmal mehr frage ich mich: Was um alles in der Welt machst Du eigentlich die ganze Zeit?

Brenne ich noch für etwas? Habe ich Ziele, Wünsche? Oder nehme ich (nur noch) mit, was gerade greifbar ist? Weiß ich, welchen nächsten Schritt ich machen möchte? Oder warte ich darauf, dass was passiert, mir etwas aus dem Himmel geregnet kommt? Kurz: Wer bin ich gerade? Und möchte ich das wirklich wissen?

Familienfeiern bringen es meist mit sich, dass man die Vergangenheit – die eigenen Eltern, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen noch einmal in einem neuen Licht sieht. Auch hier tut sich gerade einiges, ich verstehe noch einmal besser, warum ich mich oft so alleine gefühlt habe, missverstanden. Und im größeren Kontext: Warum man wahrscheinlich immer wieder auf dieses Alleinsein zurückgeworfen wird. Denn keine Realität ist so, wie ich sie sehe. Andere nehmen mich ganz anders wahr, als ich mir das überhaupt vorstellen kann – die Geschichte mit dem Kleid ist daraus ja nur eine Episode. Schwieriges Terrain. Aber eins, dass wahrscheinlich jede/r von uns gelegentlich betreten sollte. Um sich gewahr zu werden. Und um Schwung zu nehmen, für das, was kommt.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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