Geld

trage ich quasi immer mit mir herum, aber ich möchte es die meiste Zeit (oder zumindest in der Freizeit) und am allerliebsten vergessen. Was – wie zu erwarten – überhaupt nicht gelingt. Das Leben in einer zivilisierten Welt ist, zumindest wenn es ein weitgehend angepasstes ist, ohne Geld nicht zu führen. Oder ohne Geldgeber/innen.

Als Kind habe ich es nur partiell begriffen, also in den Momenten, in denen es aus dem Portemonnaie kam, und ich habe den Verdacht, das ist bis heute so geblieben. Zahlen sind mir ein Rätsel, ein kluges Wirtschaften mit Geld schaffe ich zur Hälfte intuitiv, die andere Hälfte hält wahrscheinlich keiner genaueren Prüfung stand.

Kurz: Geld und Leben stehen sich in meinem Kopf unverbunden gegenüber. Sie verachten sich wahrscheinlich gegenseitig und auch ich habe oft genug den Verdacht, dass sie sich grundsätzlich ausschließen. Ein anderer Verdacht lautet jedoch im Gegenteil, dass ich ein ziemlich vernageltes Verhältnis zu Geld habe. So als sei das etwas für andere und nicht für mich. Oder als sei es nur unter größter Anstrengung und noch größeren Qualen zu bekommen (ein regelrechter Mythos in meiner Familie).

Geld haben zu wollen, es weder gut noch böse, wichtig noch unwichtig zu finden, es zu teilen und manchmal sogar verschenken zu können, das wäre noch ein unerforschter Weg in meinem Leben. Ob ich ihn einschlagen soll? Oder wäre die Expedition in eine andere Richtung lohnenswerter?

Das Foto habe ich in dem Berliner Atelier des japanischen Künstlers Yuken Teruya gemacht. Es handelt sich um Material (zerschnittenes Monopoly-Geld) für eine neue Arbeit.

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. triumphmädchen 1. November 2019

    In letzter Zeit frage ich mich immer häufiger, wieso viele Menschen ein ungesundes Verhältnis zu Geld haben oder es als etwas Schlechtes ansehen. Letztlich ist es genauso neutral wie Feuer. Wir können uns damit ein Essen machen, es kann aber auch ein Haus niederbrennen. Das Feuer selber ist weder gut noch böse. Wie das liebe Geld. Mit Geld lässt sich ebenso viel Gutes tun und zwar nicht alle Probleme lösen, einige jedoch schon. Ich hätte mir im letzten Jahr gerne mehr Geld gewünscht, um damit den Menschen helfen zu können, die ich liebe. Leider sollte es nicht sein. Also habe ich für mich beschlossen, nie wieder in diese Situation zu kommen und ab jetzt dafür zu sorgen, dass es da ist, wenn ich es brauchen werde. Jeder muss das natürlich für sich selber entscheiden. Ich sehe darin nicht weiter eine Tugend kein Geld zu haben oder zu wollen. Es ist ein Tauschmittel, das uns ein guter Freund sein kann.

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